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Die Villa de Osa auf dem Areal der Schön-Klinik in Kempfenhausen. 

Schön-Klinik Kempfenhausen

Wohnraum rund um die Villa de Osa

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Die Schön-Klinik kann auf ihrem Gelände in Kempfenhausen fast genauso viel Wohnraum schaffen wie jetzt Krankenhausfläche vorhanden ist. Bergs Gemeinderat fällte den Aufstellungsbeschluss für einen Bebauungsplan. Die Villa de Osa wird freigestellt, dazu sind 15 Wohnungen in fünf Neubauten möglich.

Kempfenhausen – Auf dem Gelände der geschlossenen Schön-Klinik in Kempfenhausen wird ziemlich sicher Wohnbebauung entstehen. In Abstimmung mit dem Eigentümer hat die Gemeinde Berg jetzt einen Bebauungsplan entworfen. Details wurden in der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend vorgestellt und stießen auf ein geteiltes Echo. Klinik-Sprecher Hartmut Kistenfeger will allerdings nicht ausschließen, dass das Areal weiterhin als Gesundheitseinrichtung genutzt werden kann: „Als Klinik, Reha- oder Pflegeeinrichtung“, sagt er im Gespräch mit dem Starnberger Merkur.

Die Villa de Osa von 1909, das Herzstück des Filetgrundstücks am Ostufer, wird laut Bebauungsplanentwurf von sämtlichen Anbauten befreit. Das freut vor allem die Denkmalschützer. Derzeit ist die Villa eingekeilt von mächtigen Klinikgebäuden. Die kommen weg, stattdessen sieht der Entwurf fünf fünfeckige Baufenster im Halbkreis um die neobarocke Villa vor. Dort können fünfeckige Gebäude mit jeweils zwei Geschossen und einer Grundflächen zwischen 280 und 360 Quadratmetern entstehen – insgesamt 1590 Quadratmeter Grundfläche, aktuell sind ohne Villa rund 1650 Quadratmeter bebaut.

Die Wandhöhe ist noch unklar, erlaubt sind drei Wohneinheiten pro Gebäude – wie in den anderen Teilbebauungsplänen am Seeufer auch. Der denkmalgeschützte Garten bleibt unangetastet.

Die Zweigeschossigkeit wertet das Rathaus als äußerst positiv. Die Verhandlungen mit Schön liefen gut, sagte Bürgermeister Rupert Monn im Gemeinderat. Die Schön-Klinik habe „möglichst viel“ Bauraum wollen, sei nun aber auf die Zweigeschossigkeit eingegangen. Die Gespräche verliefen in mehreren Schritten. Dabei waren neben Vertretern von Schön und Gemeinde auch das Kreisbauamt und der Anwalt der Gemeinde. Erst wollte die Schön-Gruppe das nördliche Klinikgebäude zu Wohnraum umnutzen. Das südliche sollte abgerissen und in gleicher Dimension plus einer zusätzlichen Villa wieder errichtet werden. Danach gab es die Idee, beide Klinikgebäude durch ähnliche Bauten an anderer Stelle zu ersetzen. Die Gemeinde Berg schlug dann vor, den Bauraum aufzuteilen und dadurch eine lockere Bebauung zu schaffen.

Die Idee für fünfeckige Gebäude, die begrünte Flachdächer haben sollen, stammt von der Schön-Klinik. Und sie gefällt Bergs Bauamtsleiterin Beatrix Neubert: „Das empfinden wir als charmant, ein Kontrast zur Villa und keine solchen Massen“, sagte sie im Gemeinderat.

Die Gemeinde ist baurechtlich gleich in mehreren Zwickmühlen. Das Gelände liegt im Innenbereich, es gilt kein Bebauungsplan und es ist bereits stark bebaut. Die Schön-Gruppe kann entweder die vorhandenen Gebäude nutzen oder eine ähnliche Kubatur neu errichten. Bürgermeister Monn will das auf alle Fälle verhindern, weil dann die massiven Klinikgebäude als Referenz für die umliegenden Grundstücke dienen könnten.

Der Gemeinderat beschloss mit 14:2 Stimmen die Aufstellung des Bebauungsplans. Julia Galloth (Grüne) und Dr. Andreas Ammer (QUH) waren dagegen. „Es ist dreist, ein soziales Projekt, das jahrelang großzügigst von Freistaat und Gemeinde unterstützt wurde, zu Wohnungen zu machen“, schimpfte Ammer. Rupert Monn empfindet ähnlich, sieht aber keinen anderen Ausweg aufgrund der Rechtslage. Summen wurden am Dienstag nicht genannt. Allerdings dürften allein die 15 Wohnungen mindestens 30 Millionen Euro einbringen, hinzu könnte ein Liebhaberpreis für die Villa de Osa kommen.

Im Gespräch mit dem Starnberger Merkur macht Schön-Sprecher Kistenfeger deutlich, dass es der Klinik nicht um ein gutes Geschäft gehe. Wohnbebauung sei ein naheliegender Weg, sagt er. Es sei aber nicht ausgeschlossen, dass die bisherige Nutzung fortgeführt werde. „Der Denkmalschutz präferiert eine Wohnbebauung, weil damit die historische Chance besteht, die Villa de Osa wieder stärker zur Geltung zu bringen“, gibt er zu bedenken.

„Die Schön-Klinik hat in den vergangenen 15 Jahren das Krankenhaus mit hoher Versorgungsqualität betrieben und mehr als 50 Millionen Euro investiert. Uns wäre es lieber gewesen, die Klinik weiterführen zu können anstatt jetzt über einen Verkauf nachdenken zu müssen.“ Einen Teil der in der Vergangenheit gewährten Fördermittel des Freistaats muss der Klinik-Konzern zurückzahlen. Kistenfeger: „Dafür besteht eine Zahlungsverpflichtung in siebenstelliger Höhe.“

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