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Aufmachen – aber bitte auch aufbleiben: So planen die Kulturveranstalter

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Von: Tobias Gmach, Sandra Sedlmaier

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Wollen den Projektor wieder öfter anwerfen: Ulf Maneval (l.) und Matthias Bojen von der Filmstation Gilching, die das Gerät derzeit nur einmal die Woche aktivieren, damit es nicht kaputt geht.
Wollen den Projektor wieder öfter anwerfen: Ulf Maneval (l.) und Matthias Bojen von der Filmstation Gilching, die das Gerät derzeit nur einmal die Woche aktivieren, damit es nicht kaputt geht. © Andrea Jaksch

Konzertsäle, Theraterbühnen und Kinos dürfen wieder aufsperren. So planen die Kulturveranstalter im Landkreis Starnberg.

Landkreis – Konzertlocations, Theater- und Kinosäle dürfen bei einem stabilen Inzidenzwert unter 100 (und damit im Landkreis Starnberg) ab Montag wieder öffnen. Ein sofortiger Veranstaltungsreigen ist aber nicht zu erwarten. Die Betreiber von Kulturhäusern und Kinos wie die Vertreter von Kulturvereinen freuen sich größtenteils über das politische Signal. Aber sie verweisen auch auf logistische Probleme. Und manche sind skeptisch wegen der Testpflicht.

Veranstaltungshäuser: Organisation ist gefragt

Offiziell dürfte sie, aber ist es auch organisatorisch möglich? Ob die Theatergruppe Wirtshausmannschaft das Stück „Der Gott des Gemetzels“ wie ursprünglich geplant am Montag-, Dienstag- und Mittwochabend im Gautinger Bosco aufführen wird, war am Donnerstag noch unklar. Große Hoffnung, dass es klappt, hatte Thomas Hilkert, Vorsitzender des Theaterforums Gauting, nicht. „Wir klären gerade, welche Veranstaltungen logistisch möglich sind und wollen die auch umsetzen“, sagt er. Hilkert wünscht sich eine längerfristige Perspektive, „so etwas Ähnliches wie Stabilität“, sagt er. Kopfzerbrechen bereitet ihm der Sonntagabend. „Wie sollen Gäste da einen maximal 24 Stunden alten negativen Test nachweisen?“ Dass Selbsttests ausreichen, damit rechnet Hilkert nicht.

Albert Luppart, Pöckings Kulturreferent und mit zuständig für das Beccult, klingt optimistischer. Er wolle die DLRG fragen, ob sie Besucher vor Ort testet. Luppart will zumindest den Kulturmontag am 17. Mai veranstalten. Weiteres werde nach und nach geplant. Viele fixe Kultur-Termine gibt es auch in der Starnberger Schlossberghalle noch nicht, sagt Stadt-Sprecherin Lena Choi. „Wir haben das Gefühl, dass die Veranstalter noch abwarten.“

Kinos: Gleich aufmachen ist logistisch schwierig

Für die meisten Kinobetreiber ist ein Start gleich am Montag aus logistischen Gründen unmöglich. Matthias Helwig, Chef der Breitwand-Kinos in Starnberg, Gauting und Seefeld, sagte dem Merkur schon am Montag, er werde nicht vor dem 10. Juni öffnen. „Der Verleih braucht vier bis sechs Wochen Vorlaufzeit für die Veröffentlichung eines neuen Films. Wir haben also kein Programm, das wir anbieten können. Vielleicht wird in Gauting vorher schon etwas möglich sein, weil wir da gegebenenfalls die Außengastronomie nutzen können.“

Positiver gestimmt ist man in kleineren Kinos. Michael Teubig vom Tutzinger Kurtheater will bis Freitag, 14. Mai, noch abwarten, ob die Inzidenzzahl wieder steigt und ansonsten öffnen. Er habe für den Start noch selten gezeigte Filme in der Hinterhand. „Bauchschmerzen habe ich nur, weil ich nicht sicher bin, ob sich die Leute nur fürs Kino testen lassen“, sagt Teubig.

Matthias Bojen und Ulf Maneval von der Filmstation Gilching werfen den Projektor in ihrem verwaisten Kino einmal die Woche an – „damit er nicht kaputt geht“, sagt Maneval. Und: „Wir sind dabei, sobald es möglich ist.“ Neue Filme von den Verleihern seien erst zu kriegen, wenn die Kinos deutschlandweit öffnen. Den normalen Spielbetrieb werde man deshalb eher nicht im Mai aufnehmen können. Aber das Seniorenkino und Kinderprogramm will die Filmstation schon früher anbieten. „Da muss es ja nicht der alleraktuellste Film sein“, so Maneval. Er wünscht sich, dass es wie 2020 keine Maskenpflicht gibt, wenn der Film läuft. „Ein Glas Rotwein oder Popcorn gehören zum Kinogefühl dazu. Wir wollen die Leute ja nicht nur rein und wieder raus schieben.“

Kulturvereine: Freude und Flexibilität

„Auch für die Künstler ist es natürlich lustig, mal wieder vor Publikum zu spielen, aber lohnen tut sich das nicht“, meint Dr. Heinz Hellerer (65) vom Kulturverein Herrsching. Die für Mai geplanten Veranstaltungen seien schon verlegt. Ab Juni will der Verein zumindest kleinen Gruppen, die keine langfristige Planung benötigen, wieder Live-Auftritte ermöglichen. Momentan legt Hellerer aber einen größeren Fokus auf Livestreams und vor allem den Youtube-Kanal des Vereins, auf dem für Interessierte immer wieder neue Inhalte hochgeladen werden.

Dr. Josef Hofmann, Vorsitzender der Räsonanz Seefeld, freut sich vor allem auf das Gemeinschaftsgefühl, das mit Live-Auftritten vor Publikum einhergeht. „Es macht Sinn, zu öffnen, um ein Zeichen zu setzen, dass Kultur möglich ist“, sagt er. Sein Motto: Die Chance nutzen statt zu schnell zu viel zu fordern – auch wenn es sich ökonomisch weder für die Künstler noch den Verein lohnt und eigentlich längerfristiger Planung bedarf.

Das Kunstforum Gilching setzt auf Flexibilität. Man könne jede Veranstaltung relativ spontan digital oder mit Publikum anbieten, erklärt Vorsitzende Hannelore Husemann-Sieber. Sie betont: „Es liegt mir sehr am Herzen, dass man sich endlich wieder begegnen kann.“ Auch wenn die im Lockdown online übertragenen Veranstaltungen das kulturhungrige Publikum glücklich gemacht hätten.

Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim, Vorsitzender der Reihe Jazz am See, denkt eher langfristig: „Ich habe große Hoffnung, dass wir das Winterprogramm durchziehen können. Sicherheitshalber haben wir für fast alle Konzerte das Beccult reserviert. Wir ziehen das durch, und wenn wir im Feldafinger Bürgersaal vor 25 Leuten spielen müssen.“ Auch das Programm für das im August geplante „SeeJazz-Festival“ steht laut Sontheim, die Veranstaltung selbst aber noch auf der Kippe: Bis Ende Juli will man entscheiden, ob sie stattfindet.

Mitarbeit: Ada Wassmann

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