Maske in einem Klassenraum.
+
Medizinische Masken sieht man in Schulen genau wie FFP2-Masken. Eine Pflicht zu bestimmten Masken gibt es im Landkreis Starnberg nicht. (Symbolfoto)

Rundmail sorgt für Missverständnisse

Aufregung um indirekte FFP2-Maskenpflicht an Grundschulen: „Das ist unverantwortlich und nicht kindgerecht“

  • Hanna von Prittwitz
    vonHanna von Prittwitz
    schließen
  • Tobias Gmach
    Tobias Gmach
    schließen

Wer FFP2-Maske trägt, muss nicht in Quarantäne: Eine Rundmail des Gesundheitsamts mit diesem Hinweis sorgte für Verunsicherung in Schulen und bei Eltern.

Landkreis – Ein Corona-Fall an einer Schule im Landkreis und aufgebrachte Eltern, die ihre Kinder deshalb nicht in die Quarantäne schicken wollten: Diese Ereignisse führten nach Informationen des Starnberger Merkur zu einer Kettenreaktion.

Rundmail aus dem Gesundheitsamt: Sollen Lehrer die Masken ihrer Schüler kontrollieren?

Am Wochenende schickte das Gesundheitsamt eine Rundmail an die Schulen mit einem Hinweis, den manche Schulleiter als Aufforderung verstanden und an die Eltern weitergaben. Wie Marion Otto, Rektorin der Grundschule am Pilsensee. Sie informierte die Erziehungsberechtigten darüber, dass Lehrer laut Gesundheitsamt nun jeden Tag dokumentieren müssten, ob Schüler eine FFP2-Maske tragen oder nicht. Hintergrund: Wer diese Maske nutzt, wird bei einem positiven Corona-Fall nicht als Kontaktperson ersten Grades eingestuft. Otto schrieb den Eltern, mit der Dokumentation könne man rasch nachweisen, welche Kinder in Quarantäne müssen, wenn das Gesundheitsamt im Falle einer Infektion anfragt. Ein Vater zitierte aus Ottos Schreiben in seiner Beschwerde-Mail an Landrat Stefan Frey wie folgt: „Es sei bereits vorgekommen, dass Eltern das Gesundheitsamt wissentlich falsch informiert haben, um ihr Kind dadurch von der Pflicht zur häuslichen Absonderung zu befreien.“

Der Mann aus Seefeld schrieb an Frey außerdem: „Einen derartigen Vorteil wie die Befreiung von Quarantäne-Pflicht, durch das Tragen einer FFP2-Maske zu erlangen, bedeutet indirekt eine FFP-2-Maskenpflicht an Grundschulen für die komplette Unterrichtszeit inklusive Pause. Diese ist unverantwortlich und vor allem nicht kindgerecht.“ Dieser Kritik schloss sich dann auch AfD-Kreischef Prof. Ingo Hahn in einer Pressemitteilung an. „In der Praxis führte das dazu, dass nun an manchen Schulen fast alle Schüler eine solche Maske getragen haben“, behauptete Hahn, der mit Gruppenzwang argumentierte.

Rundmail-Chaos: „Es gab und gibt keine Anordnung und keine Empfehlung des Gesundheitsamts“

Die Gefahr, dass sich Kinder zur FFP2-Maske genötigt sehen, dürfte seit Donnerstag wieder geringer sein. Auf Merkur-Anfrage klärte Landratsamtssprecherin Barbara Beck auf: „Es gab und gibt keine Anordnung und keine Empfehlung des Gesundheitsamts zum Tragen einer FFP2-Maske in der Schule und auch keine Dokumentationspflichten.“ Die Rundmail sei nur „als Hilfestellung für geeignete Fälle“ gedacht gewesen. Leider habe sie „zu Missverständnissen und auch zu Verunsicherungen geführt“. Das Gesundheitsamt habe das Thema in einer weiteren E-Mail an die Schulen präzisiert und ausgeräumt.

Bei älteren Schülern bergen die Masken weniger Konfliktpotenzial. Das Gilchinger Christoph-Probst-Gymnasium etwa ist mittlerweile gut eingespielt. Grundsätzlich gilt Maskenpflicht. „Wir empfehlen FFP2-, aber erlaubt sind auch OP- und Stoffmasken“, sagt Schulleiter Peter Meyer. Er beobachte, dass die Mehrheit FFP2-Masken trage. Das liege vermutlich auch an den erleichterten Quarantäne-Regeln, falls ein Mitschüler erkrankt. Haben die Gymnasiasten beim Besuch des Sekretariats nur eine Stoffmaske dabei, erhalten sie eine OP-Maske. Dass die Schüler regelmäßige Masken-Pausen brauchen, ist im CPG kein Problem. „Wir lüften in den Klassenzimmern ohnehin alle 15 Minuten, da können sie die Masken kurz absetzen“, erklärt Meyer. Für große Unruhe während der Stunden sorge dies nicht. „Wir sind schon routiniert.“

In vielen Klassenzimmern gebe es CO2-Messgeräte. Über Fenster und diagonal geöffnete Türen finde eine Stoßlüftung statt, „da fällt die Belastung in Sekunden“, so Meyer. Nur drei der 1400 Schüler seien per Attest vom Maskentragen befreit. Klagen über die Kosten für die FFP2-Masken seitens der Elternschaft hat Meyer bislang keine erhalten.

Alles aus Ihrer Region! Unser brandneuer Starnberg-Newsletter informiert Sie regelmäßig über alle wichtigen Geschichten aus der Region Starnberg – inklusive aller Neuigkeiten zur Corona-Krise in Ihrer Gemeinde. Melden Sie sich hier an.

Lesen Sie auch:

Zahlen und Aktuelles zum Coronavirus im Landkreis Starnberg

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare