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Zwei Häuser von Bedeutung: D ie Stadtbücherei (rechts) ist eher traditionell. Das gelbe Gebäude links soll nun abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt werden. Dessen Aussehen versetzte einige Mitglieder des Bauausschusses in eine Art Schockstarre.

Stadtentwicklung

Aufregung um Bebauung an der Hauptstraße: Es geht um die Fassade

Der Neubauplan für die Hausnummer 12 entsetzt einige Starnberger Stadträte und begeistert andere. Es geht in erster Linie um die Fassade.

Starnberg – Ein geplanter Neubau an der Hauptstraße hat am Donnerstagabend zu einer heftigen Debatte im Bauausschuss des Starnberger Stadtrates geführt, deren Deutlichkeit man selten erlebt. Die Entwürfe der Bauherren brachten einige Stadträte regelrecht auf die Palme – und stießen eine Grundsatzdiskussion über den Stil entlang der Hauptstraße an.

Es geht um das Gebäude Hauptstraße 12, direkt neben der Stadtbücherei (Altes Rathaus). Der Bau steht leer und soll abgerissen werden. Die Bauherren planen ein Wohn- und Geschäftshaus mit vier Geschossen und Tiefgarage, die über einen Fahrzeugaufzug erreichbar sein soll. Nach Angaben von Stadtbaumeister Stephan Weinl und Bürgermeisterin Eva John erfüllt der Plan fast alle Vorgaben des Bebauungsplanes, nötig seien lediglich einige Ausnahmen etwa bei der Tiefgarageneinfahrt. Nur deswegen brachte die Verwaltung den Vorstoß überhaupt in den Bauausschuss ein.

Aus Weinls Sicht brächte der Neubau deutliche Verbesserungen für den Gehweg, denn die Sockelmauer würde wegfallen – es wäre mehr Platz vor dem Gebäude. Das vierte Geschoss soll wie das Dach mit Metallschindeln verkleidet werden. Weinl warf eine Skizze des Gebäudes an die Wand – und da war es mit der Gelassenheit im Ausschuss vorbei. Die Skizze nämlich zeigte als Farbe einen gold-ähnlichen Ton. „So einen Goldklumpen kann man da nicht hinsetzen“, schimpfte Angelika Kammerl (Parteifreie), „eine mittlere Katastrophe. Wir können die Hauptstraße nicht zu einem Jahrmarkt machen.“ Keine Einzelmeinung, wie die Wortmeldung von Gerd Weger (CSU) zeigte: „Ich war erschrocken, als ich das gesehen habe. Das ist keine Fassade für die Hauptstraße in Starnberg.“ Wenn der Bebauungsplan so etwas zulasse, müsse man ihn sofort ändern, forderte er. In seltener Einigkeit votierten auch Stadträte der Allianz gegen das Konzept: „Das passt nicht an die Hauptstraße“, sagte Prof. Günter Picker (WPS) und mahnte, wegen der Blendwirkung müsse ein solches Dach verhindert werden. Prof. Otto Gaßner (UWG) attestierte dem Entwurf eine „besondere Hässlichkeit“, wie er sie schon lange nicht mehr gesehen habe. Ludwig Jägerhuber (CSU) stufte den Entwurf als misslungen ein.

Ungeachtet des Umstandes, dass der Bauausschuss auf die Gestaltung von Gebäuden nur sehr begrenzt Einfluss nehmen kann, gab es auch vehemente Befürworter des Planes – und es waren Fachmeinungen. Architektin Iris Ziebart (FDP) wertete den Wegfall des Sockels als „ganz großen Gewinn“ und sieht eine „sehr positive Entwicklung an der Hauptstraße“. Es handele sich um einen ruhigen Baukörper, die Bebaungsplanvorgaben seien beachtet und die Bauherren hätten ehrlicherweise eine Gestaltungsskizze mitgeliefert, was sie nicht hätten tun müssen: „Was wollen wir mehr?“ Ihre Mahnung: „Wenn wir weiter 08/15 bauen, schaut die Stadt eben so aus, wie sie ausschaut.“ Eine Anspielung auf einige Bauten in der Nachbarschaft, denen auch Weinl bescheinigte, sie seien „keine Augenweide“.

Annette von Czettritz (Grüne), ebenfalls Architektin, verstand den Aufstand auch nicht. Ein Architekt habe in einem solchen Fall enorme Zwänge zu bewältigen – ein kleines Grundstück, den Bebauungsplan, die Wünsche des Bauherrn, die Kosten. Das metallverkleidete Dach und die Fassade nehme die Elemente des bestehenden Gebäudes auf. Es hätte auch ganz anders aussehen können: Weiße Wand, graue Fenster. Sie regte erfolgreich an, die Beratung auf den nächsten Bauausschuss zu verschieben und vorher die Hauptstraße abzulaufen, um sich ein Bild zu machen. Jeder im Ausschuss solle sich vielleicht vorher drei Gebäude merken oder sie fotografieren, die er in Ordnung findet.

Eva John und ihr Stadtbaumeister redeten mit Engelszungen auf die Zweifler ein. Weinl hob hervor, wie viel Mühe sich die Bauherren und der Architekt gemacht haben, nicht ein billiges Gebäude hinzustellen: „Es ist nicht belanglos oder beliebig.“ Er musste sich von Angelika Kammerl wegen der Dachverkleidung den Vorwurf gefallen lassen, er habe die Bauwerber nicht gut beraten. Dagegen nahm ihn John sofort und scharf in Schutz und ermahnte die Stadträte: „Der persönliche Geschmack darf Sie nicht leiten.“ Es gehe allein um das Baurecht.

Einige Ausschussmitglieder hatten auch Zweifel am Lift der Tiefgarage und forderten, eine Ablöse der nötigen Stellplätze anzubieten. Das hieße: Der Bauwerber zahlt an die Stadt, die dafür Stellplätze an anderer Stelle schafft. Vor allem Gerd Weger votierte dafür; Iris Ziebart hingegen hält einen Fahrzeugaufzug für „Stand der Technik“.

Nun soll vor dem nächsten Bauausschuss – geplanter Termin: 22. Februar – der Ortstermin stattfinden. Das ist gerade noch in der Frist, die die Stadt zur Behandlung des Antrages hat, bevor sie Gefahr läuft, dass er ohne ihre Mitwirkung vom Landratsamt genehmigt wird.

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