Hilfskrankenhaus
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Ein Notkrankenhaus ist bislang nicht nötig. 

DAS SAGT DER ÄRZTLICHE LEITER

Kliniken in der Corona-Pandemie: Aufrüsten ist möglich

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Wie viele Covid-19-Patienten müssen beatmet werden? Wie angespannt ist die Situation in den Kliniken? Drohen Engpässe in der medizinischen Versorgung? Der Starnberger Merkur sprach mit Dr. Thomas Weiler, Geschäftsführer der Starnberger Kliniken und Ärztlicher Leiter Krankenhauskoordination des Rettungszweckverbandes.

Landkreis - In den vier Landkreisen stehen derzeit 91 Intensivbetten zur Verfügung. Davon waren am Freitag 82 Betten belegt, 18 davon mit Covid-19-Patienten und zwei weiteren Verdachtsfällen. Über die meisten freien Kapazitäten verfügten die Starnberger Häuser mit insgesamt noch sieben freien Intensivbetten. Für Weiler ist das durchaus ein Grund zur Beunruhigung. Allerdings sagt er auch: „Wir kommen in die ganz kritische Phase, wenn der Anteil der Covid-Patienten 50 Prozent übersteigt.“ Grund: Sie haben einen hohen Pflegebedarf – und bleiben mit durchschnittlich 18 bis 20 Tagen Verweildauer deutlich länger als ein normaler Intensivpatient im Krankenhaus. Auf Normalstationen wurden weitere 66 Covid-19-Patienten versorgt und 14 mit Covid-Verdacht. „Auch diesen Menschen geht es nicht gut“, sagt Weiler.

... Vorbereitungen auf einen weiteren Anstieg: „Wir schauen, dass wir Patienten von den Intensivstationen so schnell wie möglich auf Überwachungs- oder Normalstationen verlegen“, sagt Weiler. Zudem sei es möglich, in einzelnen Häusern aufzurüsten, also zusätzliche Intensivbetten mit Beatmungsgeräten zur Verfügung zu stellen. „Rechnet man die dazu, könnten wir aktuell insgesamt circa 110 Intensivbetten belegen“ – in allen vier Landkreisen wohlgemerkt.

... die Situation des Pflegepersonals: „Das Personal ist ziemlich heftig am Anschlag“, sagt Weiler. Von daher sei es fraglich, ob weitere Intensivkapazitäten überhaupt zusätzlich betrieben werden könnten. „Gegebenenfalls müssen dann andere Stationen geschlossen werden.“

... Überlegungen zur Einrichtung eines Hilfskrankenhauses: Während des ersten Lockdowns im Frühjahr war ein leer stehendes Hotel in Dachau umfunktioniert worden, um als Hilfskrankenhaus Patienten aus den vier Landkreisen aufnehmen zu können. Davon ist derzeit keine Rede. „Ein Hilfskrankenhaus würde nichts nutzen“, sagt Weiler. „Dort können Patienten weder beatmet noch intensivmedizinisch behandelt werden.“ Eine solche Einrichtung sei nur sinnvoll, um Patienten von Normalstationen aufzunehmen. Dort sei aber kein Engpass in Sicht. Von rund 2000 Krankenhausbetten in den vier Landkreisen seien derzeit gut 1700 belegt. „Die Quarantäne zu Hause entlastet die Krankenhausbetten.“  

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