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Erst grüner Daumen, dann schwedische Gardinen.

Aus dem Gerichtssaal

Cannabisfarm in Omas Keller

Zwei Hobbygärtner gerieten auf die schiefe Bahn: Im Kellerabteil der Oma eines der Angeklagten stellten zwei Kifferfreunde vorigen Winter ihre grünen Daumen unter Beweis und wurden prompt erwischt.

Starnberg – Dem Starnberger Amtsgericht lagen nun Fotos von elf Cannabispflanzen vor. Leugnen war daher für den 41-Jährigen Angeklagten, der noch bei seiner Großmutter in Starnberg wohnt, einigermaßen zwecklos. Er räumte die Tat ein.

Ebenso geständig zeigte sich der mitangeklagte 35-jährige Münchner Einzelhandelskaufmann. „Den Gedanken hatten wir schon lange. Im Keller war viel Platz. Die Pflanzen sind gut gediehen“, so der 41-jährige Industriemechaniker.

Wärmelampen und Lüfter kamen in Omas Keller ebenso zum Einsatz wie ein Feuchtigkeitsmessgerät. Ein Polizist erklärte jetzt im Zeugenstand: „Das war eine der besseren Aufzuchtanlagen.“ Die Rechnung machten die Freunde allerdings ohne die Nachbarn, die im Mehrfamilienhaus bald den Geruch der Cannabiszucht in die Nase bekamen und Anzeige erstatten.

„Das ist doof gelaufen“, so der 41-Jährige. Ausführlich erklärte er vor Gericht, dass der Cannabiskonsum für ihn durchaus von therapeutischem Wert sei. Der gelegentliche Joint helfe ihm als Schmerzmittel bei chronischen Rückenproblemen ebenso effektiv wie bei Depressionen.

Als die Angeklagten im November 2016 aufflogen, bedeutete das auch das Ende ihrer Freundschaft. „Die Sache führte zum Zerwürfnis und seitdem haben sie keinen Kontakt mehr“, so der Verteidiger des Enkelsohnes. Schlussendlich ergaben die Pflanzen im getrockneten Zustand eine Gesamtmenge von 31 Gramm. Für Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich Grund genug, eine Verfahrenseinstellung abzulehnen. Angesichts seiner Vorstrafen fiel die Geldstrafe für den angeklagten Starnberger spürbarer aus als für seinen Münchner Komplizen.

Die von Richterin Brigitte Braun verhängten 90 Tagessätze à 30 Euro sind aus Sicht des 41-Jährigen dennoch akzeptabel: „Ich bin froh, dass es so glimpflich ausgegangen ist. Ich nehme das dankbar an.“ Da bisher unbescholten, kam sein ehemaliger Freund um einiges günstiger davon. Er muss 1000 Euro zahlen. „Cannabis soll nicht verharmlost werden. Die Auswirkungen sind durchaus sehr unterschiedlich“, so das Gericht zum Abschluss der Verhandlung, der auch eine Schulklasse beiwohnte.  nh

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