Für Vera engagiert sich der Söckinger Otmar Siersch. Fotos: svj

"Vera" hilft, wenn's im Betrieb knirscht

Starnberg - Probleme mit der Ausbildung sind für Lehrlinge wie für Lehrmeister gleichermaßen frustrierend. Aber es gibt Hilfe - so in einem Fall in Starnberg.

Stress im Betrieb. Der Auszubildende einer Starnberger Firma drohte „durch die Prüfung zu rauschen“, sagt Otmar Siersch. Nicht zuletzt durch Mitwirkung des Söckinger Ruheständlers hat es dann doch geklappt. Aber es war ein hartes Stück Arbeit.

Als die Ausbildung zu scheitern drohte, wurde der Fall an die Handwerkskammer herangetragen. Die wandte sich an „Vera“, eine für solche Probleme zuständige Organisation. Dahinter steht der Senior Experten Service (SES), der Fach- und Führungskräfte im Ruhestand an Betriebe mit Schwierigkeiten vermittelt. Weil in Deutschland jeder fünfte Jugendliche seine Ausbildung vorzeitig abbricht, ist 2008 „Vera“ gegründet worden - kurz für „Verhinderung von Abbruch“. Die Initiative stellt Ausbildungsbegleiter zur Verfügung - praktisch für alle Berufe, von Industrie und Handwerk über Ärzte und Rechtsanwälte bis zu Steuerberatern.

Einer von zwei für München und Oberbayern zuständigen Regionalkoordinatoren ist der Starnberger Franz Schropp. Er war früher bei der IHK Chef der beruflichen Bildung. Seit elf Jahren ist er im Ruhestand - höchst aktiv, so auch als deutscher Delegierter für internationale Berufswettbewerbe oder als Hotel-Klassi-fzierer. Sein Kollege bei „Vera“ ist Rudolf Herwig, ehemaliger stellvertretender Hauptgeschäftsführer der Handwerkskammer. Wenn sie von Ausbildungsproblemen erfahren, suchen sie nach geeigneten Senior-Experten.

Im Landkreis Starnberg werden zurzeit mehrere Auszubildende über „Vera“ betreut, bestätigt Schropp. Für Azubis, Eltern und Betriebe ist das kostenlos. Nicht selten entsteht zwischen Jung und Alt ein Vertrauensverhältnis. Einer der Senioren ist sogar zur Hochzeit seines Schützlings eingeladen worden. Vielleicht eine Generationenfrage, meint Schropp: Ältere kämen mit Jüngeren manchmal besser zurecht als die eigenen Eltern - „die Oma- und Opa-Funktion“, meint er.

Bei Ausbildungsproblemen ist es meist müßig, nach der Schuldfrage zu suchen. „Es geht einfach darum, die Leute zusammenzubringen“, sagt Ziersch, der jahrzehntelang als Werkzeugmacher gearbeitet hat, zuletzt beim Feldafinger Spritzguss-Spezialisten Müller + Wilisch als Betriebsleiter. In dem Starnberger Fall hat er intensive Gespräche mit Lehrling und Lehrmeister geführt. Letztlich aber zählte nur: Der Azubi hat die Prüfung bestanden, die Lehre war gerettet. Kein Einzelfall: Laut Bundesinstitut für Berufsbildung liegt die Erfolgsquote bei „Vera“ bundesweit bei 75 bis 80 Prozent.

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