Sie sollen für die Feuerwehr werben und neue Kräfte ausbilden: Josef Fichtl (im Korb, l.) und Michael Laxhuber sind die ersten beiden Ausbilder in Diensten der Stadt. Am Mittwochabend wurden sie in Anwesenheit von Bürgermeister Patrick Janik (l.) und der Kommandanten Michael Reiter, Andreas Kraus und Markus Grasl (v.l.) eingekleidet.
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Sie sollen für die Feuerwehr werben und neue Kräfte ausbilden: Josef Fichtl (im Korb, l.) und Michael Laxhuber sind die ersten beiden Ausbilder in Diensten der Stadt. Am Mittwochabend wurden sie in Anwesenheit von Bürgermeister Patrick Janik (l.) und der Kommandanten Michael Reiter, Andreas Kraus und Markus Grasl (v.l.) eingekleidet.

Freiwillige Feuerwehr Starnberg

Ausbildungsoffensive läuft an

Bei der Starnberger Feuerwehr läuft die Umsetzung des Zukunftskonzeptes weiter, mit dem Kommandant Markus Grasl die Personaldecke auch hinsichtlich der Anforderungen durch den B 2-Tunnel verstärken will. Zwei der drei Ausbilder sind eingestellt – und im Gerätehaus entsteht eine Übungsstrecke.

Starnberg – Mehr als 800 Jugendliche leben im eigentlichen Starnberg, in den Ortsteilen sind es mehr. Davon sind gerade einmal acht bei der Jugendfeuerwehr. Im feuerwehrfähigen Alter zwischen 18 und 60 sind es geschätzt rund 7500 Einwohner, von denen weniger als ein Prozent bei der Wehr aktiv sind. Zu wenig, um die Herausforderungen durch den B 2-Tunnel, aber auch andere Vorhaben wie das Gewerbegebiet Schorn mit einer freiwilligen Feuerwehr zu leisten. Kommandant Markus Grasl hat deswegen vor drei Jahren sein Zukunftskonzept vorgelegt, das vor allem ein Ziel hat: mehr Menschen zum ehrenamtlichen Dienst zu bewegen. Dieser Tage wurde ein wichtiger Punkt des Konzepts geschafft: Zwei von drei Ausbilderstellen sind besetzt worden, wodurch auch die Tageseinsatzbereitschaft steigt – allerdings nicht sofort.

Diverse Gutachten haben zum Tunnel ergeben, wie viele Feuerwehrleute bei einem Unglück nötig sind – es sind mehr, als die Wehr derzeit aufbieten kann. „Unterbesetzt fahre ich nicht zu einem Einsatz im Tunnel“, macht Grasl unmissverständlich klar. Deswegen gibt es nur wenige Lösungen: mehr Ehrenamtliche finden etwa oder hauptamtliche Feuerwehrleute einstellen. Für Ersteres braucht es Grasls Überzeugung nach neue Wege.

Man höre, sagt er, bei vielen Gelegenheiten, dass manche sich den Dienst bei der Feuerwehr vorstellen können, aber entweder abends nicht können (wegen der Kinder) oder am Wochenende nicht (weil sie auswärts wohnen) oder, oder, oder. Diesen potenziellen Feuerwehrleuten will Grasl ein spezielles Angebot machen: Ausbildung im Block oder nur bei schlechtem Wetter, wenn es Interessierte aus Außenberufen sind. Quereinsteiger will er so gewinnen, aber auch Jugendliche. Bei Letzteren sei Ziel, bis Ende nächsten Jahres die Zahl zu vervierfachen auf rund 30. Die Jugend ist nach wie vor Hauptpool der Wehren für die aktive Mannschaft. Grasl ist vom Erfolg überzeugt: „Das wird eine gute Wirkung haben.“ Muss es auch, denn: Nicht alle ehrenamtlichen Einsatzkräfte können zu jedem Einsatz kommen, also braucht man die bis zu vierfache Zahl, um auf der sicheren Seite zu sein.

Für diese Ausbildungsoffensive hatte Grasl drei Stellen vom Stadtrat bewilligt bekommen, die auch dem Streichkonzert wegen der Finanzschwäche nicht zum Opfer fielen. „Das Thema ist uns wichtig“, betont Bürgermeister Patrick Janik. Jeder Ehrenamtliche, den man für die Wehr gewinne, reduziere die Gefahr, dass man hauptamtliche Feuerwehrler einstellen müsse. Im Auswahlverfahren für die bisher besetzten zwei Stellen hätten die ausgesuchten Bewerber „voll und ganz überzeugt“.

Beide kennen sich aus in Starnberg, denn: Sie sind Starnberger und schon lange bei der Feuerwehr. Michael Laxhuber (26), der am 1. Juli die Stelle antritt, war sogar bis voriges Jahr aktiv in Starnberg dabei – dann fand er keine Wohnung und musste nach Pullach umziehen. Das passiert in Starnberg übrigens laufend. Zehn Jahre ist er schon im Einsatzdienst, bisher hauptberuflich bei einer Werkfeuerwehr. Er wird nun mehrere Monate die Ausbildung für die Ausbilder-Stelle absolvieren und Anfang 2022 fest in Starnberg arbeiten. Bei Josef Fichtl (25), gebürtiger Starnberger und aktiver Feuerwehrmann, dauert das ein halbes Jahr länger, er tritt am 1. Januar seine Stelle in Diensten der Stadt an. Auch er muss noch Lehrgänge besuchen. Aufgabe der beiden und des dritten, dessen Stelle erst noch besetzt werden soll, ist zum einen, Ausbildungspakete zu schnüren für Quereinsteiger, aber auch mit speziellen Formaten in die Schulen zu gehen und dort junge Menschen für die Feuerwehr zu begeistern. Und sie sollen bei einem Einsatz mit Drehleiter, Tanker oder Spezialfahrzeugen schnell ausrücken, wenn erforderlich. Das wird aber erst in einem Jahr oder später soweit sein.

Grasl hat für diese Lösung die Wartung aus dem Gerätehaus an den Betriebshof verlegt. Das Gerätehaus soll Ausbildungsstätte sein, der Betriebshof das Wartungszentrum für alle städtischen Wehren. Das schafft Platz, für ein Büro der Ausbilder, aber auch für eine kleine Übungsanlage im Keller. Dort will Grasl mit Stellwänden Wohnungen nachbilden, in denen sich die Löschtrupps zurechtfinden müssen.

Wer sich fürs Feuerwehr-Ehrenamt interessiert, findet auf www.feuerwehr-starnberg.de die nötigen Ansprechpartner.

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