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Für das Schreiner-Handwerk interessieren sich mehr Jugendliche als für den Beruf des Bäckers.

Azubis händeringend gesucht

Ausbildungsstart im September: Noch viele Lehrstellen offen

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Wenn am 1. September das neue Ausbildungsjahr startet, werden aller Voraussicht nach im Landkreis erneut viele Ausbildungsplätze unbesetzt bleiben. Für die ausbildungswilligen Betriebe ist es laut IHK auch heuer eine große Herausforderung, alle Lehrstellen mit Azubis zu besetzen.

Landkreis – Für Friseurmeisterin Angela Krusenberg aus Herrsching war es ein Glücksfall: Eines Tages stand die Tochter einer Kundin bei ihr im Salon, dem Coiffeur Angela, um sich bei ihr um einen Ausbildungsplatz zu bewerben. All die Jahre davor „hat sich nichts getan“, erzählt die Friseurmeisterin – keine einzige Bewerbung um einen Ausbildungsplatz habe sie erreicht. Da sie ihre Azubine bereits 2019 eingestellt hat, wird ihr vierköpfiges Team heuer nicht weiter wachsen. Die Lage auf dem Ausbildungsmarkt bleibt angespannt.

Wenige Wochen vor Start des neuen Ausbildungsjahres sind laut Statistik der Bundesagentur für Arbeit im Landkreis noch 172 Lehrstellen offen. Ihnen stehen 156 unversorgte Schulabgänger gegenüber. Rein rechnerisch hätte damit jeder Bewerber mehr als eine Stelle zur Auswahl. „Zwar ist die Anzahl der gemeldeten Berufsausbildungsstellen, auch Corona-bedingt, um mehr als 13 Prozent auf 435 gesunken, gleichzeitig hat jedoch auch die Anzahl an gemeldeten Bewerbern um fast ein Drittel abgenommen und bei 279 gelegen“, sagt Martin Eickelschulte, Vorsitzender des Regionalausschusses Starnberg der IHK. „Für ausbildungsbereite Betriebe ist die Situation daher – zumal der Corona-Stillstand die Suche nach geeignetem Fachkräftenachwuchs massiv erschwert hat – erneut sehr schwierig.“

Keine Schnupperpraktika und Ausbildungsmessen wegen Corona-Lockdown

In der Tat ist das Suchen und Finden von Nachwuchskräften noch schwieriger als sonst. Schnupperpraktika, Ausbildungsmessen und Bewerbungsgespräche konnten nicht stattfinden. Deshalb dürften so manche Ausbildungsverträge mit zwei oder drei Monaten Verspätung abgeschlossen werden, so die Hoffnung der IHK.

Keine ganz so großen Nachwuchssorgen hat hingegen das Bau-Handwerk. Zimmerer oder Schreiner wollten weiterhin viele Jugendliche werden. „Weil der Beruf halt ziemlich interessant ist“, sagt Kreishandwerksmeister Ludwig Gansneder. Abgesehen davon verdiene man im zweiten und dritten Lehrjahr bereits rund 1000 Euro monatlich.

Corona habe sich in seiner Branche kaum negativ bemerkbar gemacht, weiß der Kreishandwerksmeister, eher im Gegenteil. „Bei uns auf dem Bau geht es mehr denn je zu“, sagt er. Insgesamt sei es jedoch schwierig, an Azubis zu kommen. Da sei einerseits der große Wunsch der Eltern, dass ihre Kinder eine akademische Laufbahn einschlagen. Andererseits könnten sich Azubis und Gesellen hier kaum eine Wohnung leisten. „Das ist im Landkreis Starnberg schon sehr extrem“, sagt Gansneder.

Bäcker und Friseure finden kaum Bewerber

Über Azubi-Unterstützung ab September würden sie sich auch im Friseursalon Adriana in Gilching sehr freuen. Auf den Ausbildungsplatz habe sich bislang eine Bewerberin gemeldet. „Wenn die gut ist, werden wir sie auch nehmen“, sagt Alexandra Röttgen, stellvertretende Leiterin des Salons. Insgesamt sei es nach wie vor jedoch schwierig, geeignete Bewerber zu finden. Allein in den vergangenen vier Jahren hätten drei oder vier Azubis die Ausbildung wieder abgebrochen, erinnert sich Röttgen. Die geringe Bereitschaft, das Friseurhandwerk zu erlernen, führt sie auf mehrere Ursachen zurück: niedriger Verdienst, kaum Bereitschaft, an Samstagen zu arbeiten.

Ausbildungsplatz seit drei Jahren unbesetzt

Auch im Backhaus Cramer werden Azubis händeringend gesucht. Einen Ausbildungsplatz zum Bäcker gibt es dort zu vergeben. Die Stelle ist seit drei Jahren unbesetzt. „Es meldet sich keiner“, sagt Wigbert Cramer, der mehr als bereit wäre, jemandem sein Handwerk zu vermitteln. Auch verdiene man bei ihm im Ausbildungsverhältnis gar nicht so schlecht, gestaffelt in den drei Ausbildungsjahren erst 600, dann 700 und am Ende 800 Euro monatlich. Doch die Nachtarbeit schrecke viele ab. „Das muss einem halt liegen“, sagt Cramer. Selbst Gesellen und Meister finde er keine, obwohl der Bäcker-Beruf krisensicher sei. Während in anderen Branchen die Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt wurden, ging es in Cramers Betrieb ungebrochen weiter. „Wir sind einfach systemrelevant.“ Wie bei den Friseuren hätten auch die Bäcker-Azubis daher gute Aussichten auf Übernahme.

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