1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Starnberg

Ausländerbeirat Starnberg verleiht Integrationspreis: Das sind die Gewinner

Erstellt:

Von: Tobias Gmach

Kommentare

Ausgezeichnet mit dem Integrationspreis (vorne v.l): Susanne Temmler, Norbert Franken, Ulrike Roos von Rosen und Uschi Koch-Bagli. Larissa D’Avila da Costa, 2. Vorsitzende des Ausländerbeirats, und Landrat Stefan Frey (beide hinten) übergaben Blumen und Urkunden. Der Preis ist jeweils mit 1250 Euro dotiert.
Ausgezeichnet mit dem Integrationspreis (vorne v.l): Susanne Temmler, Norbert Franken, Ulrike Roos von Rosen und Uschi Koch-Bagli. Larissa D’Avila da Costa, 2. Vorsitzende des Ausländerbeirats, und Landrat Stefan Frey (beide hinten) übergaben Blumen und Urkunden. Der Preis ist jeweils mit 1250 Euro dotiert. © Dagmar Rutt

Zum ersten Mal verlieh der Ausländerbeirat des Landkreises Integrationspreise an ehrenamtliche Asylhelfer. Ihr Engagement zeigt, dass Geflüchtete nur mit ausdauernder Unterstützung wirklich ankommen können. Über die Preisträger und ihren großen, freiwilligen Einsatz.

Landkreis – Ein Söckinger, der mit Flüchtlingskindern Hausaufgaben und Ausflüge macht. Eine Feldafingerin, die jungen Männern Jobs besorgt. Eine Starnbergerin und eine Oberbrunnerin, die Frauen aus Syrien, Irak und Afghanistan mit Einheimischen zusammenbringen. Und eine Gruppe aus Weßling, die bei Filmdrehs Geflüchteten Deutsch lehrt. Ihnen allen wurde am Montagabend im Landratsamt vom Ausländerbeirat des Landkreises der Integrationspreis verliehen. Eine fünfköpfige Jury hatte die Vorschläge aus der Gesellschaft bewertet und die Preisträger ausgewählt. Die jeweils mit 1250 Euro dotierte Auszeichnung wurde überhaupt zum ersten Mal vergeben. Die 2. Vorsitzende des Ausländerbeirats, Larissa D’Avila da Costa, betonte: „Wir möchten diejenigen ehren, die unabhängig von der Regierung eigene Initiative ergreifen und anderen helfen. Das schafft Solidarität, Integration, Empathie und Vielfalt in unserer Gesellschaft.“ Die Preisträger:

Norbert Franken hilft Flüchtlingskindern bei Hausaufgaben

Norbert Franken saß vor rund 25 Zuhörern im Landratsamt und erzählte von einem ausländischen Jungen, der kein Wort Deutsch kann. „Aber mit Zahlen hat er’s. Es ist erstaunlich, auf welchen Ebenen man sich zusammenfindet.“ Immer dienstags und donnerstags geht der Söckinger Franken in die Asylunterkunft nach Percha, um mit Kindern auf spielerische Art Mathe und Deutsch zu üben. Seit fünf Jahren. Offiziell heißt sein ehrenamtliches Angebot Hausaufgabenbetreuung. Aber es ist weit mehr.

Der Rentner spielte mit dem Nachwuchs Minigolf oder begleitete sie in den Circus Krone nach München. „Sie haben außerhalb der Schule keine Chance, Deutsch zu lernen“, sagte er. Norbert Franken entschied sich damals, als viele Geflüchtete auf einmal in den Landkreis kamen, bewusst für dieses Ehrenamt. Auch, um eine Aufgabe im Ruhestand zu haben. Mittlerweile sind die Asylhelferkreise viel kleiner geworden. Franken hofft, „dass sich andere bereit erklären mitzuhelfen“.

Uschi Koch-Bagli besorgt jungen Asylbewerbern Jobs

Nichts ist besser für die Integration als Arbeit: Uschi Koch-Bagli vertritt diese Überzeugung nicht nur – sie lebt sie. Als im September 2015 rund 120 junge Männer, vor allem aus Afghanistan und Eritrea, nach Feldafing kamen, richtete sie erst mal eine Kleiderkammer im ehemaligen Post-Gebäude ein. Dann verhalf sie den Geflüchteten zu Praktika, Ein-Euro-Jobs und Ausbildungsplätzen, unterstützte sie bei Behördengängen. Dass es relativ flott ging, liegt an einer Eigenschaft Koch-Baglis, wie Laudator Walter Föhr sagte: „Geduld ist nicht gerade ihre Stärke.“ Außerdem habe sie „eine Aversion gegen Ungerechtigkeit, einen unbeugsamen Willen und eine erstaunliche Energie“.

Einen Eritreer besuchte sie nach einem schweren Radunfall zweimal die Woche in der Murnauer Klinik, einige der jungen Männer sagten irgendwann „Mama“ zu Koch-Bagli. Sie selbst sagt bescheiden: „Die größte Leistung erbracht haben die Migranten selbst.“ Und: „Ich kenne nur wenige Menschen, die ohne Arbeit glücklich sind – egal aus welchem Land sie kommen.“

Susanne Temmler und Nadia Tihli bringen Frauen zusammen

„Der Abschluss eines Deutschkurses hilft nichts, wenn Geflüchtete keinen Kontakt zu Einheimischen haben“: Diese Grundüberzeugung vertritt Susanne Temmler aus Starnberg. Gemeinsam mit Nadia Tihli startete sie im August 2016 die Initiative „Frauentreffen mit geflüchteten Frauen“. Die Teilnehmerinnen der monatlichen Zusammenkünfte im Starnberger Seniorentreff kommen aus Syrien, Irak, Afghanistan und dem Iran – aber eben auch aus dem Landkreis. Das Alter oder die Religion spielen dabei nur eine Nebenrolle. Eine Auswahl der vielfältigen Aktivitäten, die die Pandemie stark einbremste: Gemeinsames Kochen, Schwimmunterricht, eine Infoveranstaltung zum deutschen Schulsystem, ein Museumsbesuch in München und ein Schiffsausflug nach Tutzing.

Nachbarschaftshilfe Weßling dreht Filme mit Geflüchteten

Der Sonderpreis im Bereich „Kinder und Jugend“ ging an den Kulturkreis der Nachbarschaftshilfe Weßling unter der Leitung von Monika Toews und Ulrike Roos von Rosen. Die Gruppe schaffte es sogar auf die große Leinwand im Landratsamt. Zu sehen war der Trailer zum selbst gedrehten Film „Prinz Achmed und die Feenkönigin“. Roos von Rosen sprach von einem „Sprachbad“, als sie von dem Filmprojekt mit Geflüchteten und Einheimischen erzählte. „Das Lernen geht automatisch.“ Manchen habe man Teile eines Wortes mehrfach vorsagen müssen, heute sprechen sie relativ fließend Deutsch.

Drei Spielfilme sind inzwischen entstanden. Auch Schauspieler, die mittlerweile woanders wohnen, bleiben der Gruppe treu. Roos von Rosen fasste in einem Satz zusammen, warum: „Es macht einfach Freude.“

Auch interessant

Kommentare