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Verbandsrat Dr. Oswald Gasser aus Seefeld im Gespräch mit Demonstranten vor der Verbandsversammlung.

Abfallwirtschaft

AWISTA holt Gutachten ein: „Wir werden ergebnisoffen abwägen“

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Ein unabhängiges Gutachten soll den besten Standort für das neue Wertstoff- und Dienstleistungszentrum des Abfallwirtschaftsverbandes AWISTA ermitteln. Das hat die Verbandsversammlung beschlossen.

Landkreis – Beschlüsse, Demonstrationen, Proteste: Das bei Hochstadt geplante AWISTA-Zentrum samt Umladestation polarisiert seit Wochen. Am Freitagmorgen beschäftigte sich die Verbandsversammlung des Abfallwirtschaftsverbandes mit dem Thema – und auch diesmal gab es Protest. Zehn Hochstadter empfingen die Verbandsräte mit ihren Schildern: „Stoppt den AWISTA-Wahn, Weßling hat den besseren Plan“, stand da zum Beispiel geschrieben. „Wir wollen verhindern, dass die Umladestation in unverbaute Natur gesetzt wird, 500 Meter von unseren Häusern entfernt“, sagte Heidi Schmidt. Was der AWISTA genau vorhat, was die betroffenen Gemeinden sagen, wie es nun weitergeht: Der Starnberger Merkur gibt den Überblick.

-Was steckt hinter den Überlegungen für ein Wertstoff- und Dienstleistungszentrum? Landrat Karl Roth und AWISTA-Werkleiter Peter Wiedemann wollen den Verband fit machen für die Herausforderungen der Zukunft – und unabhängiger von der Privatwirtschaft. „Wir wollen nicht alles dem Markt überlassen“, sagte Roth. Es sei ein Manko, keine eigene Umladestation zu haben, an der der Müll aus den Sammelfahrzeugen auf größere Lkw umgeladen wird. Hierbei sei der Landkreis auf die Firma Remondis angewiesen – „ein Unternehmen, das monopolistisch auftritt“, wie Roth sagte. Außerdem führten steigende Einwohnerzahlen zu einer wachsehenden Müllmenge, ergänzte Wiedemann.

-Wie sehen die Pläne aus?Das Wertstoff- und Dienstleistungszentrum soll viel mehr sein als eine Umladestation. Wiedemann skizzierte am Freitag erneut einen zentralen Standort mit Verwaltungsgebäude samt Betriebs- und Sozialeinrichtungen, Wertstoffhof für Klein- und Großmengenanlieferungen, Gebrauchtwaren-Kaufhaus, Recycling-Info-Zentrum (zum Beispiel für Schulklassen), Lkw-Unterhaltungseinrichtungen, Lager- und Umladehalle, Fahrzeughalle, Park- und Stellplätzen für Sammelfahrzeuge und -container sowie Reserveflächen. Das alles sei auf dem bislang ins Auge gefassten, 3,9 Hektar großen Grundstück zwischen Oberbrunn und Hochstadt möglich. Wiedemann zeigte den Verbandsräten bereits eine Simulation, wie das Areal aussehen könnte. Die maximale Höhe der Gebäude betrage demnach 13 Meter. Ein Großteil des Verkehrs soll über die Umfahrung Oberbrunn/Unterbrunn fließen, allerdings können Anlieferungen durch Hochstadt nicht ausgeschlossen werden.

-Was ist bisher geschehen?2001 ging die jetzige Umladestation bei St. Gilgen in Betrieb. Drei Jahre später kaufte Remondis die Anlage. Den Versuch, die Station zu erwerben oder sich mehrheitlich daran zu beteiligen, sei 2013 von dem Unternehmen „brüsk bis rüde“ abgelehnt worden, sagte Wiedemann. Nach der Novellierung seines Abfallwirtschaftskonzeptes habe der AWISTA bereits 2015 ein Grundstück unmittelbar neben Remondis erwerben können – scheiterte allerdings am einstimmigen Veto des Gemeinderats von Weßling. „Wir haben daraufhin unsere Standortsuche landkreisweit ausgedehnt“, schilderte Wiedemann. Das habe letztlich zu dem Areal zwischen Hochstadt und Oberbrunn geführt, das auf Gautinger Flur liegt, unmittelbar an der Gemeindegrenze. Der Verband hat es am 5. Dezember 2017 gekauft. Im Juli stellte er seine Pläne im Gautinger Bauausschuss erstmals öffentlich vor, der sich einstimmig für das Projekt aussprach – und damit eine Protestwelle aus Weßling lostrat. Zwei Wochen später revidierte der dortige Gemeinderat seinen Beschluss von 2015 und bot dem AWISTA wieder die Fläche bei St. Gilgen an.

-Wie geht es jetzt weiter? Die Verbandsversammlung hat sich am Freitag einstimmig für die Erstellung eines Realisierungskonzepts ausgesprochen, wie von Wiedemann vorgeschlagen. Ein unabhängiges Büro soll für die Standorte Oberbrunn und St. Gilgen eine Nutzwertanalyse erarbeiten. Verkehr, Wasserschutz, bauliche Möglichkeiten – alles soll auf den Prüfstand. Wiedemann versprach ein transparentes Verfahren: „Wir wollen nicht über die Köpfe hinweg entscheiden.“ Es gehe darum, den verträglichsten Standort zu ermitteln. „Wir werden ergebnisoffen abwägen“, versprach Landrat Roth. Feldafings Bürgermeister Bernhard Sontheim sagte: „Wir sind in der glücklichen Lage, zwei Flächen zur Verfügung zu haben.“ Das Geld für das Gutachten im unteren sechsstelligen Betrag sei gut angelegt.

-Was sagt die Gemeinde Gauting? „Wir stehen zu unserem Beschluss“, sagte Vizebürgermeister Dr. Jürgen Sklarek in der Verbandsversammlung. Sollte es beim Standort Oberbrunn bleiben, „werden wir zügig planen“.

-Wie reagiert die Gemeinde Weßling? „Gauting kann sich leicht zurücklehnen, weil es nicht betroffen ist“, sagte Vizebürgermeister Michael Sturm, der die Verkehrsanbindung und mehr noch den Wasserschutz als entscheidend ansieht. Ein Brunnen der Schutzzone IIIb liege nur 160 Meter von dem Standort entfernt. Bei dem prognostizierten Bevölkerungszuwachs könne es schnell passieren, dass weitere Brunnen benötigt würden. Das beschlossene Gutachten sei der erste Schritt in die richtige Richtung.

-Was sagt die Gemeinde Gilching? Gilching ist bei diesem „Spiel über Bande“ (Wiedemann) der dritte im Bunde. Zwar liegt die Alternativfläche bei Remondis auf Weßlinger Flur, die nächste Wohnbebauung in St. Gilgen gehört aber zu Gilching. Bürgermeister Manfred Walter: „St. Gilgen ist jetzt schon sehr stark belastet mit Asphaltmischanlagen, Kieswerken, einer großen Tankstelle und der Nähe zum Flughafen.“ Auch die im Bau befindliche Westumfahrung führt an dem kleinen Ort vorbei. „Die Fläche in Oberbrunn ist größer und bietet mehr Chancen.“ Dennoch sei es es richtig und sachlich geboten, das Gutachten auszuarbeiten.

-Wie reagierten die Demonstranten? Als „zielführend“ wertete Hans Striedinger aus Hochstadt den Beschluss. „Jetzt heißt es: prüfen und abwägen.“

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