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Um Gewalt gegen einen Polizisten ging es vor dem Starnberger Jugendgericht (Symbolbild).  

Fall vom Bahnhof See

Azubis gehen in Starnberg auf Polizisten los: Münchner verurteilt

Die Krawall-Nacht vor der Starnberger Polizeiwache ist noch lange nicht aufgeklärt. Ein Dutzend Kripobeamte ist mit den Ermittlungen betraut. Unabhängig davon musste sich das Starnberger Jugendgericht dieser Tage mit einem anderen Fall von Gewalt gegen Polizisten beschäftigen.

Starnberg – Unter Alkoholeinfluss ließen zwei Azubis Ende Juli 2017 gehörig den Respekt vermissen. Als eine Polizeistreife in Folge einer abendlichen Randale-Meldung am Bahnhof See eintraf, bekam sie es mit zwei aufgebrachten jungen Männern zu tun. Entsprechend lang war die Liste der verhandelten Anklagepunkte: gemeinschaftliche Sachbeschädigung, tätlicher Angriff auf Vollstreckungsbeamte, Beleidigung sowie vorsätzliche Körperverletzung.

Zwar sollen der heute 20-jährige Azubi aus Anzing und sein in München wohnhafter Spezl (19) seinerzeit Baustellen- und Verkehrsschilder auf die Mühlbergstraße geworfen haben, ein Sachschaden entstand dabei jedoch nicht. Die anschließende Polizeikontrolle am Seebahnhof verlief umso spektakulärer.

Den Versuch eines Polizisten, Fotos der Täter zu machen, vereitelte der Anzinger mit einem gezielten Schlag gegen die Kamera. „Die Kamera wäre zu Boden gefallen, hätte sie mir nicht um den Hals gehangen“, sagte der Polizist im Zeugenstand. Er habe sofort versucht, den fluchenden Randalierer am Boden zu fesseln. Die Fesselung erschwerte aber der 19-Jährige, indem er den Arm des Polizisten wegzog, während der Anzinger sich „mit enormer Kraft“ immer wieder versuchte herauszuwinden.

Einfluss eines „berauschenden Mittels“

„Die beiden standen definitiv unter dem Einfluss irgendeines berauschenden Mittels“, sagte der Polizist. Aus dem Tumult gingen sowohl der Beamte als auch der Anzinger mit diversen Schürfwunden hervor. Der Münchner kam unverletzt davon und gab im Gerichtssaal an: „Mein Freund wurde ziemlich rau zu Boden geworfen. Vier Polizeibeamte waren auf ihm drauf, er hat geschrien vor Schmerz.“ Dennoch habe er nicht vorgehabt, seinen Freund zu befreien: „Ich respektiere die Exekutive.“

Ungestraft kam der bisher unbescholtene Münchner dennoch nicht davon. Jugendrichter Ralf Jehle verurteilte ihn wegen tätlichen Angriffs auf Vollstreckungsbeamte zu einem Leseprojekt sowie zu einer Geldauflage von 250 Euro. Der bereits mehrfach vorbestrafte Anzinger muss wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte, Beleidigung und vorsätzlicher Körperverletzung einen Freizeitarrest absitzen.

„Zur Normverdeutlichung musste dem Angeklagten ein Zeichen gesetzt werden, dass man mit Polizeibeamten im Dienst nicht so umgehen kann“, sagte Jehle nach der Verkündung. Hinsichtlich der Sachbeschädigung erging Freispruch. Sie ließ sich nicht eindeutig nachweisen.

Nilda Höhlein

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