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Künftige Baustelle: Der Parkplatz am Schlossgarten ( links oben) wird ab September wegen des Baus einer Zisterne gesperrt. Zuvor werden umliegende Bereiche – auch Garten und Mauer – dokumentiert für den Fall von Schäden. 

Starnberger B 2-Tunnel

Vor dem Bagger kommt die Beweissicherung

In rund vier Wochen beginnen erste Arbeiten für den Starnberger B 2-Tunnel, allerdings nicht mit dem Bagger. Die Starnberger werden davon eher wenig mitbekommen, es sei denn, sie wollen zum Finanzamt.

Starnberg – Bei den ersten Arbeiten für den Starnberger Tunnel ist eine Kamera wichtiger als eine Schaufel: Mitte September beginnen Fachleute, im Vorfeld des Baus einer Löschwasserzisterne auf dem Schlossberg mit der so genannten Beweissicherung. Der Bau selbst soll bis März nächsten Jahres abgeschlossen sein.

Bei dieser Beweissicherung prüfen Fachleute jedes Haus, jede Mauer, jeden Raum. Eventuell vorhandene Schäden werden dokumentiert – und nach Abschluss der Arbeiten wird erneut geprüft. Sollte es Schäden durch den Bau geben, werden diese behoben. Ein Verfahren, das beim B 2-Tunnel keine Besonderheit darstellt und bei allen Arbeiten an Ortsdurchfahrten üblich ist, erklärt Christian Probst vom Staatlichen Bauamt Weilheim. Beispiel: der laufende Ausbau in Gauting.

Erst danach wird eine Baufirma damit beginnen, den heutigen Parkplatz des Finanzamtes aufzureißen und in dessen südlichem Teil Pfähle in den Boden zu bohren und nicht zu rammen. „Ein sehr schonendes Verfahren“, erklärt Probst. Diese Pfähle bilden das Gerüst für einen Betonkörper, der als Löschwasserzisterne fürs Schloss dienen wird. Diese wird mehr als 145 Kubikmeter groß und sichert die Löscherwasserversorgung für den Fall eines Feuers im Finanzamt ab. Das Volumen entspricht etwa vier Einzelgaragen neben einem Eigenheim. Der Behälter und die Anschlüsse wurden mit der Starnberger Feuerwehr abgestimmt. Nötig ist der Löschwassertank, weil die Hydranten auf dem Schlossberg bei einem Brand in einem so großen Gebäude wie dem Schloss nicht genug Wasser hergeben würden.

Später wird ein gigantisches Bauwerk unter der Erde errichtet

Für die in der Bauzeit wegfallenden Parkplätze werde die Behörde Stellflächen in der Tiefgarage des Centrums anmieten. Die Ausschreibung für die Zisterne ist abgeschlossen.

Der bestehende Löschwasserbehälter unter dem nördlichen Parkplatzteil an der Brücke zum Schloss – nur erkennbar an Rohren, die aus dem Boden ragen – muss weg. Dort wird voraussichtlich 2022 oder später ein großes unterirdisches Gebäude errichtet, in dem Lüftungstechnik und anderes untergebracht werden. Die Kaverne werde etwa die Größe des Parkplatzes haben und sehr tief liegen. Direkt an der Ecke des Schlossgartens wird, wie seit langem bekannt, ein Abluftkamin für den viele Meter tiefer verlaufenden Tunnel errichtet. Von dem Bauwerk gibt es bisher nur Zeichnungen, aber keinen konkreten Plan. Probst zufolge werde man einen Architekten nach Wahl der Stadt mit der Gestaltung betrauen; ein Architektenwettbewerb, wie ihn die Stadt gerne hätte, sei zeitlich schwierig. Denn: Der gesamte Tunnelbau wird als ein Los ausgeschrieben, Beginn ist 2020. Probst machte deutlich, dass man beim Abluftbauwerk der Stadt die Entscheidung überlassen wolle.

Die Vorbereitungen für den tatsächlichen Baubeginn laufen auch auf anderen Ebenen. Neben den Planungen für die Zulaufstrecke Münchner Straße (wir berichteten) hat die Behörde unter anderem Grund erworben und macht sich Gedanken, wie ein Infozentrum aussehen könnte. Dafür ist noch Zeit, denn der eigentliche Tunnelbau beginnt erst nach 2020. Wann genau, kann derzeit niemand sagen. Durch das eine Los hat der Auftragnehmer dann gewisse Spielräume bei der Zeitplanung.

Der Bau der Zisterne gilt als Baubeginn, wodurch die Baugenehmigung (Planfeststellungsbeschluss) nicht mehr im Herbst kommenden Jahres verfallen würde. Allerdings gibt es für „Baubeginn“ einige Interpretationen; manche gehen vom ersten Grunderwerb aus, andere von Besitzeinweisungen, wieder anderem vom Baggereinsatz. Mit der Zisterne geht die Behörde auf Nummer sicher.

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