Spatenstich für Tunnelbau in Starnberg
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Ein kontroverses Thema beim Tunnelbau in Starnberg ist der geplante Abluftkamin. 

Antrag aus Bürgerversammlung

B2-Tunnel durch Starnberg: Stadt möchte neues Kamin-Gutachten

Der geplante Abluftkamin des B2-Tunnels durch Starnberg ist vielen ein Ärgernis. Sicherheitsexperten und Feuerwehr halten ihn aber für notwendig. Der Stadtrat will nun Klarheit - und folgt einem Antrag aus der Bürgerversammlung. 

Starnberg – Ist der Abluftkamin des B 2-Tunnels auf dem Schlossberg nötig oder nicht? Vor allem Anwohner wollen den Kamin verhindern. In der Bürgerversammlung im November hatte ein Antrag eine Mehrheit bekommen, das angeblich veraltete Gutachten zum Kamin aktualisieren zu lassen. Der Stadtrat folgte dem in dieser Woche, auch wenn die meisten Stadträte nicht erwarten, dass der Kamin wegfallen kann. Vor allem Sicherheitsexperten sehen ihn als unerlässlich an, um bei einem Brand den Rauch absaugen zu können. Im Vorfeld der Abstimmung im Stadtrat verteilten Kamin-Gegner Handzettel mit ihrer Forderung, im Foyer der Schlossberghalle klebten die Zettel an Säulen.

Seit Langem versuchen Anwohner rund um den Schlossberg, den Abluftkamin zu verhindern, der an der Ecke des Schlossgartens nahe der Brücke zum Finanzamt errichtet werden und etwa Größe und Aussehen des Schlossmauer-Turms an St. Josef haben soll (zehn Meter hoch, vier mal vier Meter Umfang). Ihr Argument: Unter anderem durch die besseren Katalysatoren der Fahrzeuge und eine Zunahme der Zahl von Elektrofahrzeugen nehme der Schadstoffausstoß so sehr ab, dass die Grenzwerte nicht überschritten würden – und der Abluftkamin damit überflüssig. Bisherige Gutachten hatten ergeben, dass der Kamin nötig sei, die Lüftung jedoch nicht den ganzen Tag laufen müsse.

Gutachten für 2020 - Tunnel öffnet aber erst 2026

Die Starnberger FDP hatte erst Mitte 2019 mit einem Antrag gefordert, den Kamin wegzulassen, war im Stadtrat aber gescheitert. Basis der Forderungen ist ein Gutachten, das Schadstoffwerte für das Jahr 2020 angibt. Der Tunnel soll bekanntlich aber erst 2026 eröffnen. Der Antrag aus der Bürgerversammlung forderte deshalb eine Aktualisierung.

Die sieht das Staatliche Bauamt Weilheim bereits als gegeben an, wie in der Liste von Fragen und Antworten auf dessen Internetseite (www.stbawm.bayern.de im Bereich Straßenbau, Projekte und dann B 2-Tunnel) nachzulesen ist. Dort heißt es über das bereits 2018 aktualisierte Gutachten: „In diesem Gutachten wurden auch die Prognosen für eine Reduzierung des zukünftigen Schadstoffausstoßes u. a. durch Elektroautos berücksichtigt. Insofern ist das Prognoseszenario für das Jahr 2026 somit inkludiert.“

Die Aussage, dass der Kamin wegen möglicher Grenzwertüberschreitungen am Nordportal und möglicherweise schärferer Grenzwerte unumgänglich sei, ist nicht neu. Der Forderung aus der Bürgerversammlung nachzugeben, erschien einer großen Stadtratsmehrheit (23 gegen drei Stimmen) dennoch geboten.

Kritische Stimmen gegen den Kamin

Stefan Frey (CSU) erwartet – wie die meisten – keine Änderung, schon allein wegen der Entrauchung im Brandfall, sieht in einer Aktualisierung aber kein Problem. Angelika Kammerl (Parteifreie) hingegen wetterte dagegen, das Gutachten überarbeiten zu lassen, weil es Steuerverschwendung sei. Diesen Vorwurf fand Iris Ziebart (FDP), Anwohnerin und bekannte Gegnerin des Kamins, unangebracht. Das Gutachten koste schließlich nur 3000 Euro – der Kamin möglicherweise 30 Millionen Euro.

Markus Mooser (WPS) fürchtet eine Verschandelung des Ortsbildes durch den Kamin und sprach angesichts der möglichen Temperaturen bei einem Brand im Tunnel von einem „Krematoriumskamin“, was ihm scharfe Kritik von anderen Stadträten einbrachte. Feuerwehrreferent Franz Heidinger (BLS) merkte knapp an, die Feuerwehr halte den Kamin zur Entrauchung für erforderlich, Punkt. Die Stadt wird nun vom Staatlichen Bauamt eine Überarbeitung des Gutachtens verlangen.

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