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Sichtbare Baustelle: Die Arbeiten an der Zulaufstrecke (Münchner Straße) liegen im Zeitplan. Für die weiteren Abschnitte will das Staatliche Bauamt mit Unternehmern und Händlern eine Arbeitsgruppe gründen. 

Die wichtigsten Infos

B2-Tunnel: Ab 2022 wird gebohrt

Das Staatliche Bauamt Weilheim hat am Dienstag und Mittwoch dieser Woche die Bürger über den B2-Tunnel informiert. In der Woche zuvor tauchten bei einem Info-Abend für Unternehmen und Einzelhandel bereits einige grundsätzliche Fragen auf, die wir an dieser Stelle zusammenfassen.

Starnberg – Das Staatliche Bauamt Weilheim hat am Dienstag und Mittwoch dieser Woche die Bürger über den B2-Tunnel informiert. In der Woche zuvor tauchten bei einem Info-Abend für Unternehmen und Einzelhandel bereits einige grundsätzliche Fragen auf, die wir an dieser Stelle zusammenfassen.

Wie sieht derZeitplan aus?

Der Ausbau der Münchner Straße zur Zulaufstrecke liegt gut im Zeitplan. Für September kommenden Jahres ist der Durchstich der Petersbrunner Straße geplant, Anfang 2020 soll die Fahrbahndecke der Münchner Straße erneuert werden. An diesen Plänen hat sich nichts geändert.

Ab Juli 2020 beginnen die Arbeiten im Bereich des Nordportals mit der Verlegung der so genannten Sparten in den Rampenbereichen, also Rohrleitungen und Kabel. „Das ist nicht zu unterschätzen“, sagt Projektleiter Herwig Ludwig, da dort sehr viele Sparten liegen – wohl die meisten in der Stadt. Ebenfalls 2020 wird im Süden an der Weilheimer Straße die Hauptbaustelle eingerichtet – dort, wo später einmal das Betriebsgebäude stehen wird. Auch dort werden monatelange Sparten verlegt. Ab 2021 soll mit dem Bau der Düker (Grundwasserumleitung) begonnen werden, ab 2022 mit der Tunnelbohrung. 2025 und 2026 sind der Ausbau der Röhre geplant sowie Restarbeiten.

Wie wird der Tunnel gebohrt?

Eine Tunnelbohrmaschine wird sich mit einer Geschwindigkeit von acht bis zehn Metern pro Tag von Süden unter der Stadt hindurcharbeiten, was an reiner Bohrzeit weniger als zehn Monate ergibt. Die Maschine wird 120 bis 140 Meter lang sein und hat einen Durchmesser von 12,6 Metern. Gewicht: 2600 Tonnen. Täglich wird sie rund 1250 Kubikmeter Erdreich ausfräsen. Die Maschine wird rund um die Uhr laufen. Die Maschine solle 2022 am Südportal zusammengebaut werden. Sie stützt unmittelbar am und hinter dem Bohrkopf die Erde ab, dann wird sofort der so genannte Tübbingring aus Beton eingebaut.

Und dieSetzungen?

Dazu gleich eine Korrektur: Die errechnete, maximale Absenkung des Bodens über der Tunnelbohrmaschine beträgt 20 Millimeter, nicht wie fälschlicherweise berichtet 20 Zentimeter. Dieser Wert gilt auch nur für Bereiche, in denen die Röhre knapp unter der Erdoberfläche verläuft und der Boden schwierig ist – das gilt vor allem für den weichen Seeton. Die Maschine bohrt einen Kanal durch die Erde, der geringfügig größer ist als der Tunnel – es geht um wenige Zentimeter. Unmittelbar hinter dem Bohrkopf wird das Erdreich sofort abgestützt; die Maschine baut zudem vor sich Druck auf, um das Nachrutschen von Erdreich zu verhindern. Es gibt aber einen kleinen, wenige Meter langen Bereichen dabei, in dem das Erdreich auflockert. Ludwig zufolge besteht diese Gefahr nur an wenigen Stellen, und dann auch nur in geringem Maße. Grund: Der Tunnel liegt tief in der Erde; je tiefer, desto weniger wirken sich mögliche Setzungen an der Oberfläche aus. Die seien, sagt der Projektleiter, normal und unschädlich für die Gebäude. Setzungen sind überhaupt nur in einem Korridor entlang der Tunneltrasse möglich, der zwischen 30 und 80 Meter breit ist – je nach dem, wie tief der Tunnel liegt (so genannte Senkungsmulde). An den komplizierteren Stellen werden Häuser über der Bohrmaschine mit Sensoren überwacht. Stellen diese auch nur eine minimalste Setzung fest, kann die Maschine dies teilweise ausgleichen. Die Systeme sind Ludwig zufolge bis zu dreifach abgesichert - dass eine Tunnelbohrmaschine komplett ausfällt, ist praktisch noch nie vorgekommen.

Wie sieht derTunnel aus?

Das Staatliche Bauamt zeigt eine Schemazeichnung sowohl in ihrer neuen Broschüre als auch in den Versammlungen. Die Röhre hat außen einen Durchmesser von 12,6 und innen von 11,2 Meter. Die Fahrbahn wird aus zwei Spuren zu je 3,75 Meter Breite bestehen. Über der Fahrbahn verlaufen Lüftungsschächte.

Wofür ist dieZulaufstrecke?

Der Ausbau der Münchner Straße hat einen einzigen Zweck: Je näher man dem Tunneleingang kommt, desto flüssiger soll der Verkehr laufen. Kreuzungen und einfließender Verkehr von den Seiten stören den Verkehrsfluss – deswegen wird an der Kreuzung Gautinger Straße Abbiegen nur noch auf Uhdestraße (in Richtung München) und auf die Gautinger Straße (aus Richtung München) möglich sein. Queren geht nicht mehr, und Linksabbiegen auch nicht. Auf Höhe Moosstraße geht schon mehr, durch den Durchstich der Petersbrunner Straße zur B2 wird sie den Hauptteil des Verkehrs Richtung Norden aufnehmen. Die Zulaufstrecke dürfe man nicht isoliert betrachten, es gehe auch nicht um Verbreiterungen oder dergleichen. Ohne die Zulaufstrecke würde der Tunnel nicht funktionieren – sie sei ein „zwingender, integraler Bestandteil“.

Warum ist der Tunnel nicht länger?

Der Tunnel beginnt an der Leutstettener Straße und endet an der Weilheimer Straße südlich des Einkaufszentrums. Eine Verlängerung nach Süden hätte nach Angaben von Projektleiter Herwig Ludwig die Kosten steigen lassen, ohne dass es einen erhöhten Nutzen für den Verkehr gegeben hätte. Damit wäre das Projekt weniger wirtschaftlich gewesen. Eine Verlängerung des Tunnels in Richtung Autobahn (A 952) wäre auf andere Probleme gestoßen: Die Geologie ist dort komplizierter, man hätte stark auf Privatgrundstücke und ins FFH-Gebiet zugreifen müssen – und die Einfahrt hätte ein Gefälle von mehr als sechs Prozent gehabt. Zum Vergleich: Am Luise-Kiesselbach-Platz in München sind es acht Prozent.

Warum hat der Tunnel keine Ausfahrten?

Geprüft wurden Ausfahrten unter anderem im Bereich der Söckinger Straße/Possenhofener Straße. Diese wären aber „dermaßen teuer und kompliziert“ gewesen, sagt Ludwig. Zudem hätten sich erhebliche Eingriffe in in die Stadt und Privatgrundstücke bedeutet.

Ist der Abluftkamin wirklich nötig?

Ja, sagen die Tunnelbauer. Ein neues Gutachten belege, dass der Kamin erforderlich ist, auch wenn die Autos immer sauberer werden. Er werde jedoch im Lauf der Zeit immer weniger in Betrieb sein, sagt Ludwig. Der Kamin saugt die Luft aus dem Tunnel an und bläst sie über einen zehn Meter hohen Turm rund 70 Meter in die Höhe. Die zumeist vorherrschenden Westwinde verteilen die Abluft und verdünnen sie. Der Abluftkamin dient auch der Rauchableitung, sollte es im Tunnel einmal brennen und ist die günstigste Lösung. Andere Systeme ohne Kamin würden die Abluft aus der Röhre nur verlagern, nämlich aus ihr heraus – und in die Stadt.

Warum hat der Kamin keinen Filter?

Filtersysteme habe man ebenfalls geprüft, sagt Ludwig, und festgestellt, dass es derzeit weltweit kein ausreichend zuverlässiges System gebe. Filter aus der Industrie seien ungeeignet wegen der Menge der Abluft. Für Starnberg käme wenn überhaupt ein Stickoxid-Filter in Betracht, wegen der Länge der Röhre seien Rußpartikelfilter nicht erforderlich. Im Technikbereich des Kamins ist Platz für den eventuellen, nachträglichen Einbau von Filtern ist jedoch vorgesehen.

Wo gibt es weitereInformationen?

Die neuen Broschüren zum Tunnel wurden in Starnberg verteilt, sind aber auch bei den beiden Info-Veranstaltungen am kommenden Dienstag und Mittwoch, 27./28. November, erhältlich. Die Abende beginnen jeweils um 19 Uhr in der Schlossberghalle. Das Info-Center an der Münchner Straße vor dem Landratsamt ist donnerstags von 15 bis 18 Uhr geöffnet und hat stets andere Schwerpunkte. Aktuelle Infos gibt es auch auf der Internetseite der Weilheimer Behörde unter der Adresse www.stbawm.bayern.de. In späteren Bauphasen sind telefonische Hotlines geplant.

Was gibt es Neueszur Sicherheit?

Der Stadt liegt mittlerweile ein Gutachten zum vorbeugenden Brandschutz vor. Darunter fallen technische Einrichtungen wie Schaumlöschanlagen oder Sicherheitsaufzüge. Das Gutachten sei am 7. November eingegangen, sagte Bürgermeisterin Eva John in der jüngsten Sitzung des Stadtrats. Einzelheiten aus dem Papier sind bislang nicht bekannt. In der Sitzung verabschiedete der Stadtrat einstimmig einen Dringlichkeitsantrag von Stefan Frey (CSU), das Gutachten bis Ende des Monats an das Staatliche Bauamt nach Weilheim zu schicken.

Den Inhalt der Untersuchung sollen Gutachter Dr. Dirk Schneider und Starnbergs federführender Feuerwehrkommandant Markus Grasl in der nächsten Sitzung des Stadtrats vorstellen, die voraussichtlich am 10. Dezember stattfindet. Dann sollen auch die Überlegungen aus einem weiteren Gutachten präsentiert werden, das sich mit den Auswirkungen des B 2-Tunnels auf die Starnberger Feuerwehr, also den bekämpfenden Brandschutz, beschäftigt.

Offensive gegenFalschinformationen

Das elfköpfige Tunnel-Projektteam um Leiter Herwig Ludwig geht in die Offensive, weil sich diverse Gerüchte und Falschinformationen nach wie vor halten. Rückmeldungen zu den ersten Bauarbeiten an der Münchner Straße, Gespräche im Infocenter oder Zuschriften seien „für uns aufschlussreich und erschreckend“ gewesen, sagte Fritsch, und hätten gezeigt, wie schlecht die Bevölkerung informiert sei. Erklärte Tunnelgegner würden zudem falsche oder einseitige Darstellungen verbreiten. Der Grund für das Informationsdefizit, gestand Fritsch ein, liege auch an seiner Behörde, die aus Kapazitätsgründen lange zu wenig aufgeklärt habe. Das soll sich nun ändern – auch durch Broschüren wie jene, die am Mittwoch in einer Auflage von rund 14 000 Exemplaren in der Stadt verteilt wurde, oder durch die Sprechzeiten im Infocenter neben dem Landratsamt. Zu den Falschdarstellungen zählt Fritsch auch die Aussage, durch den Tunnelbau werde es acht Jahre ein Verkehrschaos geben, die Wirtschaft müsse mit Einbußen rechnen. Er machte deutlich, dass der Bau „keine flächendeckenden Beeinträchtigungen“ mit sich bringen werde.

Projektleiter Ludwig stellte den Bauablauf vor, soweit er bisher bekannt ist. Ja, das Projekt sei anspruchsvoll und eine „echte Herausforderung“. Und nein, es sei „kein Experiment“, da mit den geplanten Methoden in ähnlichem Untergrund bereits Tunnel problemlos gebaut worden seien; etwa der Elbtunnel oder Tunnel in Zürich. Dass der Tunnelbau nicht leistbar sei, stimme nicht.

Routen für denBaustellenverkehr

Etwa 90 Prozent des Baustellenverkehrs werden die Innenstadt nie erreichen, da das „Hauptlager“ auf Höhe Franz-Heidinger-Straße südlich des Einkaufszentrums an der Weilheimer Straße eingerichtet werde. Dort wird auch die Tunnelbohrmaschine zusammengebaut und von dort nach Norden bohren. Der Abraum wird nach Süden abtransportiert. Anders sei das bei den Baustellen für die Düker (Grundwasserumleitung), die Notausstiege und andere Anlagen. „Die merkt man in der Stadt sehr wohl“, sagte Ludwig – und genau für deren Vorbereitung will er die Arbeitsgruppe mit der Wirtschaft. Die An- und Abfahrt zu diesen Baustellen nämlich soll die Unternehmen möglichst wenig beeinträchtigen. An den meisten jedoch gibt es keine Unternehmen.

Die Anfahrt zum Schlossberg, auf dem der Abluftkamin und eine Maschinenhalle gebaut werden, wird schwierig – ein Teil wird über die Söckinger und Schlossbergstraße laufen. Für Notausstiege auf der Nordwestseite des Schlossberges am alten Gefängnis wird ein Baustellenlager auf einer Wiese dort eingerichtet, die Zufahrt allerdings ist nur über die Vordermühlstraße möglich. „Das geht nicht über den Tutzinger-Hof-Platz, das wäre ja irrwitzig“, sagte Ludwig. Logische Folge: Die Route führt wohl über die Augustenstraße. „Aber darüber muss man reden“, betonte der Projektleiter. Diese Logistikrouten müssen rasch geklärt werden, da in den Ausschreibungen die vorgegebenen Strecken für Baustellenverkehr festgelegt werden.

Umleitungenund Verkehr

Die B 2 soll durchgehend bis zur geplanten Freigabe wie bisher befahrbar sein, wenn auch teils auf schmaleren Spuren. Alle Zufahrten bleiben erhalten. Dazu sei man nach dem Planfeststellungsbeschluss verpflichtet, erklärte Ludwig, und deswegen sollte es keine wesentlichen Auswirkungen auf den Geschäftsbetrieb der Unternehmen geben. Absehbar ist aber, dass es zeitweise Umleitungen geben muss.

Ein Knackpunkt dürfte auch das Nordportal werden, da die Baugrube auf Höhe der Kreuzung beginnt und fast bis zur Ferdinand-Maria-Straße reicht. „Das muss man geschickt gestalten“, sagte Ludwig vielsagend – diese Planungen sind aber noch nicht abgeschlossen. Absehbar sei, dass zeitweise eine Umleitung über Rheinland- und Hanfelder Straße zum Tutzinger-Hof-Platz eingerichtet werden muss. Stadtrat Franz Heidinger forderte umgehend, dies wegen Gymnasium und Feuerwehr zu überdenken. Zudem habe die Stadt die Rheinlandstraße ja gerade ausbauen lassen. „Wir schauen uns das an“, versprach Ludwig. Vizebürgermeister Dr. Klaus Rieskamp schwante, dass es vielleicht ein Fehler gewesen sei, die Straße auszubauen. Allerdings: Als die Rheinlandstraße erneuert wurde, schien der Tunnelbau unrealistisch.

Was bedeutet dieBeweissicherung?

Ist die Tunnelbohrmaschine erst mal im Einsatz, kann das Folgen an der Oberfläche haben. Zwischen Tunneldecke und Kellerböden der Häuser liegen je nach Ort zwischen sechs und 45 Meter. Setzungen seien möglich, gestand Ludwig ein.  Deswegen werden bis übernächstes Jahr alle Gebäude in den betreffenden Bereichen untersucht. Dieses Beweissicherungsverfahren übernehme ein unabhängiger Gutachter: „Wir haben keinen Einfluss.“ Dokumentiert werden alle vorhandenen Schäden – das diene sowohl der Absicherung der Eigentümer als auch des Staatlichen Bauamts. An kritischen Stellen und jenen, an denen die Bohrmaschine Fundamenten nahe kommt, werden Sensoren angebracht, die jede Bewegung sofort melden. Die Beweissicherung sei Standard und bedeute nicht, dass man Befürchtungen habe.

Gibt esSchadenersatz?

Die Tunnelbauer versorgten die Unternehmer und Händler am Dienstag mit Hintergrundinfos zu Rechten der Anlieger bei solchen Projekten und zu eventuellen Schadenersatzansprüchen. Zudem verteilten sie eine Checkliste der IHK, anhand derer man sich auf die Bauzeit vorbereiten kann. Entschädigungen – auch bei Umsatzausfällen – sind im Prinzip möglich, nur würde das im Einzelfall geprüft.

Ausbau Münchner undPetersbrunner Straße

Eine Reihe von Fragen der Unternehmer, die von Cityinitiative, IHK und Wirtschaftsfördergesellschaft gwt eingeladen worden waren, bezog sich auf die Erreichbarkeit des Gewerbegebietes nach Abschluss des Ausbaus der Münchner Straße und die Petersbrunner Straße. Dieter Krausnick (Creativcenter) etwa oder Carl Baasel sind mit der Zusammenarbeit mit der Stadt beim Ausbau der Petersbrunner Straße höchst unzufrieden. Sie warfen dem Rathaus vor, zu wenig Einsatz – auch personell – zu zeigen. Stadträte wie Rieskamp oder Stefan Frey widersprachen, boten aber Gespräche zu den Problemen an.

Andere Unternehmer machen sich Sorgen, ob ihre Mitarbeiter während der Bauzeit nicht noch mehr Zeit im Stau verbringen. Uwe Fritsch: „Wir können das Verkehrsproblem in Starnberg nicht mit einer Baustelle wegzaubern, deswegen bauen wir ja den Tunnel.“ Ziel sei, die Lage durch den Bau nicht zu verschlechtern. Ludwig gab ein Ziel aus: Maßstab sei, wie die Verkehrsführung am Luise-Kiesselbach-Platz während des Baus dort gelaufen sei. Diese Baustelle hatte Autofahrer nur wenige Nerven gekostet.

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