Großeinsatz am Schliersee - Schwimmer offenbar vermisst

Großeinsatz am Schliersee - Schwimmer offenbar vermisst
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Joachim Schlicht gibt jährlic h etwa 1000 Euro aus, damit seine bis zu 35 Meter hohen Bäume in Schuss bleiben und bei Stürmen keine Äste herabfliegen. Die Pflege wird von der Stadt gefördert.

Baumpflege

Die Förderung, die keiner kennt

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Der Aufschrei war groß, als der Stadtrat vor drei Jahren die Baumschutzverordnung aufhob. Es gibt einen Ersatz: Bürger können sich ihre Baumpflege mit bis zu 4000 Euro fördern lassen – nur weiß das kaum jemand.

Starnberg – Wenn Joachim Schlicht (74) vom Arbeitsalltag in seiner Starnberger Pension abschalten möchte, setzt er sich auf die Granit-Bank. Die steht am Rand seines Gartens in Percha. Dort sitzt er gerne mal eine halbe Stunde und schaut auf seinen 3400 Quadratmeter großen Garten. Moos, 35-Meter-Bäume, Vogelgezwitscher: Schlicht hat seinen eigenen kleinen Wald. Den lässt er pflegen – auf Kosten der Stadt.

Förderprogramm als Anreiz für Baumerhalt

Seit zwei Jahren können Bürger bei der Stadt eine Förderung für ihre Baumpflege beantragen. Städtische Experten prüfen Bedarf und Maßnahmen, dann können innerhalb von fünf Jahren bis zu 4000 Euro erstattet werden. Das Förderprogramm dient als Ersatz für die Baumschutzverordnung. Die hatte der Stadtrat 2015 nach 23 Jahren aufgehoben. Die Folge: Bürger können seitdem Bäume ohne Genehmigung fällen – auch wenn deren Stammumfang mehr als einen Meter beträgt. Daher sagt Bürgermeisterin Eva John: „Für die Bäume auf Privatgrund haben wir mit dem Förderprogramm einen Anreiz für deren Erhalt geschaffen.“

Schlicht ist einer von 20 Bürgern, die die Förderung bislang in Anspruch genommen haben. Sein Baumpfleger habe ihm den Tipp gegeben, sagt er. Jedes Jahr stecke er etwa 1000 Euro in die Gartenpflege. Schlicht ist stolz auf seinen Garten und erzählt, wie er aus einer Steinwüste über die Jahre einen kleinen Wald gemacht hat. Am liebsten sind ihm die etwa 35 Meter großen Bäume: Edeltannen, Ahorn, Buche, Linde, Eiche. „Es sind schöne massive Bäume, die herrlich aussehen“, sagt Schlicht. 

„Auf einmal schaust hin, und der Baum ist weg“

Nur wenn es stürmt, werden die 80 bis 100 Jahre alten Bäume zum Problem. Sein Garten liegt in Hanglage, der Wind pfeift durch. „Dann rappelt’s“, sagt Schlicht und zeigt auf den Hang. „Dann ist da alles übersät mit Ästen.“ Ein Ast landete fast auf der Garage des Nachbarn. Damit das nicht mehr passiert, lässt Schlicht angeschlagene Äste entfernen. Seile verbinden die Stämme in der Höhe und sollen dafür sorgen, dass im Ernstfall nichts passiert.

Sind Bäume im Bebauungsplan nicht als geschützt ausgewiesen, dürfen sie ohne Genehmigung gefällt werden. Das passiert in Starnberg relativ oft, wie Schlicht sagt. „Auf einmal schaust hin, und der Baum ist weg.“ Alte Bäume einfach ersatzlos umzumachen, kann sich Schlicht für seinen Garten aber nicht vorstellen. „Ein Grundstück ohne Baum? Da kann ich gleich alles betonieren und grün streichen.“

Die Förderung? „Besser als nichts“

Dass es eine städtische Baumförderung gibt, war Irmgard Franken, Starnberger Ortvorsitzende des Bund Naturschutz, gar nicht bewusst. „Wahrscheinlich war ich nach dem Ende der Baumschutzverordnung so frustriert, dass ich es gar nicht wahrgenommen habe“, sagt sie. Eines beobachte sie aber: „Wenn Grundstücke den Besitzer wechseln, wird das Maximale herausgeholt.“ Heißt: Bäume werden beseitigt. „Der Wert der Bäume wird in der Bevölkerung nicht gesehen“, kritisiert Franken. „Da werden irgendwelche seltsamen Gartenkataloge umgesetzt.“

Die Baumschutzverordnung habe schon ihren Sinn gehabt. „Es hieß ja nicht, dass man gar nicht fällen darf. Man konnte mit der Stadtverwaltung verhandeln. Heute wird nicht darüber diskutiert, ob ein Baum erhalten bleiben kann.“ Es gehe nicht um 30 oder 40 Jahre alte Bäume, sondern ältere, die erhaltenswert seien. Reicht die Baumförderung da aus? „Bei großen Bäumen ist die Pflege teuer – da ist es gut, wenn es einen finanziellen Anreiz gibt“, sagt Franken. „Die Förderung ist besser als nichts.“

So fördert die Stadt Baumpflege:

Seit dem 1. Januar 2016 können sich Bürger bei der Stadt ihre Baumpflege fördern lassen. Es können bis zu vier Bäume pro Grundstück gefördert werden, sagt Stadtsprecherin Lena Choi. Maximal gebe es 4000 Euro innerhalb von fünf Jahren. 

Der Ablauf: Baumsachverständige der Stadt Starnberg untersuchen und prüfen jeden Baum, für den eine Förderung beantragt wurde, und klären, ob dieser ein ökologisch wertvoller und ortsbildprägender Baum ist und ob die geplante Maßnahme wirksam und nachhaltig ist. 

20 Bürger haben seit 2016 nach Auskunft der Stadt einen Antrag für Pflegemaßnahmen von insgesamt rund 70 Bäumen gestellt. Die ausgezahlten Fördermittel beliefen sich demnach auf rund 34 000 Euro. Im Haushalt seien jährlich 30 000 Euro eingeplant, sagt Choi. Das Interesse der Bürger an der Förderung steige: Im Jahr 2016 gab es sechs Anträge, 2017 bereits 14.

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