Kommt ein Schiff um die Kurve: Fast 40 Meter maß der mehr als 200 Tonnen schwere Schwertransporter mit dem 8,2 Meter breiten Rumpf der „MS 2020“. 
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Kommt ein Schiff um die Kurve: Fast 40 Meter maß der mehr als 200 Tonnen schwere Schwertransporter mit dem 8,2 Meter breiten Rumpf der „MS 2020“. 

Erste Ausfahrt an Ostern 2021

Neues Schiff angeliefert: Das ist der Bausatz für den ersten E-Dampfer am Starnberger See

  • Michael Baumgärtner
    vonMichael Baumgärtner
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Das neue Fahrgastschiff für den Starnberger See ist eingetroffen. Auf der Helling der Bayerischen Seenschifffahrt am Nepomukweg wird das rein mit Ökostrom betriebene Schiff nun zusammen- und ausgebaut. An Ostern 2021 soll es erstmals auf Rundfahrt gehen.

Starnberg – Nur wenige Schaulustige haben sich am Freitagvormittag am Werftgelände der Bayerischen Seenschifffahrt eingefunden, um das neue Schiff für den Starnberger See in Empfang zu nehmen. Keine zehn Personen beobachten vom Bucentaurpark aus, wie zwei riesige Lastenkräne den 35 Meter langen und 8,20 Meter breiten Rumpf von einem Tieflader auf das Trockendock am Nordende des Sees hieven. In der Nacht waren die meisten Einzelteile des Schiffes auf Spezialtiefladern von Passau nach Starnberg transportiert worden, einige kamen direkt von der Lux-Werft per Lkw. An die 40 Zuschauer hatten sich nach 1 Uhr den Transport am Seebad vorbei nicht entgehen lassen – er lief reibungslos.

Die Arbeit, an der rund 30 Beschäftigte der Spedition Kübler, der mit zwei Schwerlastkränen angerückten Gräfelfinger Firma Schmidbauer und der Lux-Werft aus Niederkassel, die das Schiff gebaut hat, beteiligt sind, verläuft relativ unspektakulär. Mit einer Seelenruhe manövrieren die Männer den rund 110 Tonnen schweren Schiffsrumpf und später auch das 40 Tonnen wiegende Oberdeck von den bis zu 50 Meter langen Spezial-Lkw auf die Helling. Es ist kurz nach 11 Uhr, als das Oberdeck passgenau auf dem Rumpf liegt. Nun fehlen nur noch die Aussichtsplattform und das Steuerhaus. „Bis es dunkel ist, müssen wir damit fertig sein“, sagt Elmar Miebach-Oedekoven, einer der Geschäftsführer der Lux-Werft. Und das sollte kein Problem sein, denn das Wetter spielt glücklicherweise mit. Anschließend werden die Einzelteile verschraubt und in den kommenden Tagen verschweißt.

Gewissermaßen eine „Hochzeit“: Werden Bauteile zusammengesetzt, sprechen Techniker nicht selten von Hochzeit. Am Freitagvormittag setzten Arbeiter mit großen Autokränen das Oberdeck auf den Rumpf.

Bis das neue Schiff, künftig nach der „Seeshaupt“ (60 Meter lang), der „Starnberg“ (56 Meter), der „Bayern“ (48 Meter) und der „Bernried“ (34 Meter ) mit seinen 35 Metern das zweitkleinste auf dem Starnberger See, wieder Wasser unterm Kiel haben wird, wird es aber noch eine ganze Weile dauern. „Den ganzen Winter über läuft der Innenausbau“, erklärt Michael Grießer. Bis Ostern, also zum offiziellen Saisonstart, soll dann alles fertig sein. „Ob wir da dann auch starten können, dahinter steht noch ein Fragezeichen“, sagt der Geschäftsführer der Bayerischen Seenschifffahrt. Das hängt natürlich vom weiteren Verlauf der Corona-Pandemie ab.

Der Freistaat Bayern lässt sich das neue Schiff, das künftig die bereits ausgemusterte „Phantasie“ und die „Berg“ ersetzen wird, etwa fünf  Millionen Euro kosten. Darin sind sämtliche Ausstattungsmerkmale enthalten. „Wir haben das Schiff praktisch schlüsselfertig bestellt“, sagt Grießer. Er geht davon aus, dass das offiziell noch namenlose Schiff „eine Lebensdauer von mindestens 50 Jahren hat“. Bis dahin sollten auch die Kosten längst erwirtschaftet sein. „Die Bayerische Seenschifffahrt ist kein Zuschussbetrieb. Die Investitionen werden alle wieder reingeholt“, versichert Grießer.

So wird es aussehen: Die Ansicht der Lux-Werft zeigt, wie das Schiff aussehen wird. 

Die „MS 2020“ – so der bis zur Taufe provisorische Name – wird zu 100 Prozent elektrisch mit Ökostrom angetrieben. Die Energieversorgung des Schiffes, das für 300 Personen (100 Innen- und 100 Außensitzplätze) zugelassen ist, erfolgt über ein Batteriesystem mit einer Leistung von rund 1600 kWh. „Die Gäste an Bord können sich auf ein topmodernes Schiff freuen – bis hin zu einer Ladestation für Elektrofahrräder“, kündigt Finanz- und Heimatminister Albert Füracker zum Liefertag des Schiffes per Pressemitteilung an. „Das neue Schiff setzt ein großartiges Zeichen für Umwelt- und Klimaschutz: als erstes Schiff dieser Größe wird es 100 Prozent elektrisch und mit Ökostrom angetrieben. So können die Schönheiten des weltberühmten Sees noch umweltfreundlicher erlebt werden“, erklärte Füracker. Und einen Superlativ hatte er auch noch parat, was am Starnberger See beinahe Pflicht ist: Es sei das größte Elektro-Seenschiff Deutschlands.

Zentimeterarbeit: An manchen Stellen hatte der überbreite Transport wenig Platz, aber immer genug. 

Bleibt die Namensfrage. Wie das Schiff heißen wird, erfährt die Welt erst bei der Taufe kurz vor Saisonbeginn nächstes Frühjahr. Möglichkeiten gibt es einige, etwa Leoni; Interesse wird auch Münsing, Possenhofen, Berg und Tutzing nachgesagt.

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