Diese Skizze beinhaltet die Ideen der Grünen: Der neue Bayerische Hof (r.) und die Villa Beierlein (VHS, unten, jeweils schraffiert) bleiben die dominanten Gebäude und werden baulich nicht miteinander verbunden, Neubauten mit bis zur vier Geschossen sind im hinteren Bereich vorgesehen.
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Diese Skizze beinhaltet die Ideen der Grünen: Der neue Bayerische Hof (r.) und die Villa Beierlein (VHS, unten, jeweils schraffiert) bleiben die dominanten Gebäude und werden baulich nicht miteinander verbunden, Neubauten mit bis zur vier Geschossen sind im hinteren Bereich vorgesehen.

Neues Zentrum statt „Bettenburg“

  • Peter Schiebel
    VonPeter Schiebel
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Nach der FDP haben nun auch die Grünen ihre Überlegungen zur Zukunft des Bayerischen Hofs vorgelegt. Zusammen mit Kulturbahnhof und VHS stellen sie sich ein neues, attraktives Zentrum vor. Eine reine Hotelnutzung und Übertragung des Grundstücks an einen Investor lehnen die Grünen ab.

Starnberg – Ein Luxushotel mit 200 oder mehr Betten dort, wo bislang der Bayerische Hof steht – Dr. Franz Sengl schaudert’s schon bei dem Gedanken. Das sei „eine Geschäftsidee von vorgestern“, betont der Fraktionsvorsitzende der Grünen im Starnberger Stadtrat. Und vor allem: „Eine solche Bettenburg trägt überhaupt nicht zur Belebung Starnbergs bei.“ Genau das wollen die Grünen in dem Gebiet zwischen Kulturbahnhof, Bayerischem Hof und Villa Beierlein (VHS) aber erreichen. „Uns schwebt ein Zentrum für Innovationen, Kultur, Technik, Handel, Sozialeinrichtungen, Vereine und Gastronomie vor“, heißt es in der Stellungnahme der Fraktion zur Zukunft des Bayerischen Hofs und der Villa Beierlein. „Es sollen ganz bewusst sehr unterschiedliche Nutzer angezogen werden, damit eine möglichst belebte, interessante Mischung entsteht.“ Gegenüber dem Starnberger Merkur spricht Sengl von einem „neuen Mittelpunkt für Starnberg“.

Nach der FDP sind die Grünen damit die zweite politische Kraft, die sich in der Diskussion um den Bayerischen Hof positioniert. Zuvor hatte der frühere Kreisbaudirektor Helmut Rauscher seine Überlegungen auch in Form einer Skizze dargelegt. Rauscher und die FDP favorisieren eine Hotellösung inklusive Neubau, auch Bürgermeister Patrick Janik hatte Anfang des Jahres im Interview mit dem Starnberger Merkur eine Hotelnutzung als „wünschenswert“ bezeichnet.

Das geht für die Grünen jedoch in die falsche Richtung – zumal ein Luxushotel nach deren Ansicht aufgrund der Nähe zum Bahnhof, des Lärms und der wenig attraktiven Umgebung nicht funktionieren werde. Außerdem warnt die Fraktion davor, das Grundstück einem Investor zu überlassen. „Die Stadt muss mit im Boot sein“, sagt Sengl. Der Bereich dürfe auf keinen Fall exklusiv Hotelgästen vorbehalten sein. Eine kleinteilige Hotelnutzung im Rahmen des Gesamtkonzepts sei aber natürlich vorstellbar. „Unsere Vorstellung hat strukturelle Ähnlichkeit zu Campus-Lösungen, die in vielen Gemeinden sehr erfolgreich umgesetzt wurden“, erklärt Sengl. Die VHS gehöre da selbstverständlich dazu, weil sie Publikumsverkehr garantiere.

Auch was die Zukunft des Gebäudes angeht, legen sich die Grünen fest – selbst wenn ihm bei dem Gedanken das Herz blute, wie Sengl sagt. „Aus bautechnischer Sicht ist eine Sanierung im Bestand weder technisch noch finanziell sinnvoll. Wir plädieren daher dafür, den Bayerischen Hof abzureißen und mit der bestehenden Fassade wieder aufzubauen.“ Ausschlaggebend dafür seien weniger der Brandschutz oder die Haustechnik, sondern die mit hoher Wahrscheinlichkeit statisch nicht mehr nachweisbare Gründung vermutlich aus Holzpfählen.

Entscheidend für viele Starnberger und für die Identität Starnbergs sei aber weniger das historische Gebäude an sich, sondern vielmehr die Fassade und die Wirkung, sagt Sengl. „Man muss beim Hinsehen schon merken, dass man in Starnberg ist und nicht in Wanne-Eickel.“

Nach dem Abriss können sich die Grünen auf dem Gelände eine 4500 Quadratmeter große, einstöckige, öffentlich genutzte Tiefgarage vorstellen. „Damit kommen wir dem einhellig beschlossenen Ziel einer weitgehend autofreien Innenstadt einen großen Schritt näher.“ Anschließend soll das Gelände so bebaut werden, „dass genügend Nutzfläche entsteht“. Vier Etagen seien möglich, sagt Sengl. Die Villa Beierlein und der neue Bayerische Hof sollten allerdings die dominanten Gebäude bleiben und nicht mit einem Zwischenbau zu einer Einheit verschmelzen.

Um das alles zu finanzieren, seien Partner nötig. „Es ist klar, dass die Stadt diese Umgestaltung auf keinen Fall alleine stemmen kann“, sagt Sengl. Eine Möglichkeit sei die Gründung einer GmbH, an der neben der Stadt auch Unternehmen, Banken oder Privatleute Anteile erwerben können. Auch dafür gebe es Beispiele, etwa in Kiel.

Die Grünen wollen mit ihrem Vorschlag die Diskussion um die Zukunft des Bayerischen Hofs ankurbeln. „Der Ruf von Starnberg ist so unermesslich größer als die Wirklichkeit“, sagt Sengl. „Wir könnten ein Juwel sein, wenn wir wollten. Aber wir machen nichts draus.“

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