Das private Testzentrum in den Räumen des „Undosa“ war Mitte April in Betrieb gegangen. Die Pächter hatten die Räume einem externen Anbieter zur Verfügung gestellt.
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Das private Testzentrum in den Räumen des „Undosa“ war Mitte April in Betrieb gegangen. Die Pächter hatten die Räume einem externen Anbieter zur Verfügung gestellt.

Vermehrte Beschwerden über Einrichtung im „H‘ugo‘s Beach Club“

Landratsamt entzieht Testzentrum in Starnberg Beauftragung: Betreiber verärgert

  • Tobias Gmach
    vonTobias Gmach
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Das Starnberger Landratsamt hat einem Testzentrum in Starnberg die sogenannte Beauftragung entzogen. Die Einrichtung ist nun geschlossen. Zuvor hatte es Beschwerden von Bürgern gegeben. Der Betreiber, ein Münchner Arzt, kann die Entscheidung nicht nachvollziehen.

+++ Update vom 8. Juni +++

Starnberg – Etwa 6000 Menschen ließen sich zwischen 21. April und 4. Juni im „H’ugo’s Beach Club“ an der Seepromenade testen, manche mehrmals. Insgesamt erfolgten laut Betreiber 5474 Schnell- und 2892 PCR-Tests. Weitere wird es nicht mehr geben, das Landratsamt zog die Beauftragung wegen Ungereimtheiten zurück.

Der Münchner Dermatologe und Chirurg Dr. Boris Bill, der die Station gemeinsam mit dem Dienstleistungsunternehmen H&E betrieben hatte, kann die Entscheidung der Behörde überhaupt nicht nachvollziehen. Bei so einer Menge an Tests seien einzelne „Übertragungsfehler“ – Bill spricht von maximal 200 – „tolerabel“. Ja, es sei passiert, dass etwa Anfangsbuchstaben von Vornamen verwechselt wurden und einzelne Testergebnisse deshalb nicht zugestellt wurden. Aber gerade vor Pfingsten sei „die Hölle losgewesen. Wir sind gar nicht mehr hinterhergekommen mit dem Leute-Einstellen“. Bill spricht allgemein von einer „Hexenjagd“ auf Testzentren. „Bis die Fälle aus Nordrhein-Westfalen in den Medien waren, hatten wir keine Probleme“, sagt er und betont: „Bei uns gab es null Betrug.“

Keine, unvollständige oder verspätete Testergebnisse: Mindestens 20 Beschwerden erreichten das Landratsamt laut Sprecher Christian Kröck. Nach der Berichterstattung in der lokalen Presse seien weitere derartige E-Mails eingegangen. Der Knackpunkt für den Entzug der Beauftragung waren englischsprachige Reisezertifikate, für die Bill und seine Subunternehmer zehn Euro verlangten. Man wolle ausschließlich kostenlose Angebote wie in den anderen Testzentren, betont Kröck.

Vizelandrat Matthias Vilsmayer, der Stefan Frey zuletzt vertrat, machte sich selbst ein Bild im H’ugo’s. Er habe sich zunächst nicht zu erkennen gegeben und nach einem Test für eine Reise nach Italien gefragt. Die Antwort habe „alles kostenlos“ gelautet. Im Anschluss habe er aber mitbekommen, wie eine Starnbergerin zehn Euro für ein Reisezertifikat zahlen musste. „Eine Rechnung hat sie nicht bekommen“, so Vilsmayer. Arzt Boris Bill sagt, der Vizelandrat habe sich aufgespielt und seine Angestellten beleidigt, was der wiederum weit von sich weist.

Bill stellt neben den Schnelltests, für die ihn das Landratsamt beauftragt hatte, nun auch die PCR-Tests in Starnberg ein. „Ich bin unerwünscht. Ich habe keine Lust mehr“, sagt er. Seine zwei Teststationen in München, am Odeonsplatz und am „Backstage“, sind noch in Betrieb. Das Kreisverwaltungsreferat habe am Dienstag am Odeonsplatz kontrolliert. Das Ergebnis laut Bill: „Alles okay, weitermachen.“

Das Starnberger Landratsamt will nun alle Corona-Teststationen im Landkreis überprüfen. Mitarbeiter des Gesundheitsamtes werden dort unangemeldet erscheinen. Beschwerden über andere Einrichtungen gebe es bisher nicht, sagt Amtssprecher Kröck.

+++ Erstmeldung vom 7. Juni +++

Starnberg - Das Starnberger Landratsamt hat einem Testzentrum in Starnberg die sogenannte Beauftragung entzogen, was zur Schließung der Einrichtung geführt hat. Betroffen ist das Testzentrum an der Seepromenade in den Räumen des „Undosa“. Grund seien „vermehrt Beschwerden“ gewesen, sagte ein Landratsamtssprecher am Montagabend.

In der vorigen Woche kamen bei der Behörde offenbar zahlreiche Beschwerden von Bürgern an. Diese hätten sich unter anderem auf die Information über Testergebnisse bezogen, die entweder gar nicht oder nicht im erforderlichen Maß erfolgt sei. Andere Hinweise bezogen sich auf die Kosten. So sei in der Testverordnung geregelt, dass Bürger Anspruch auf kostenlose Tests hätten inklusive Nachweis. Es habe dabei offenbar doch Kosten für die Bürger gegeben, sagte Sprecher Christian Kroeck. In welcher Art und Form, ist nicht bekannt.

Das Landratsamt hat laut Kroeck den Betreiber zu den Beschwerden angehört, jedoch nicht gesehen, dass die Gründe behoben worden seien. Deswegen habe man die Beauftragung widerrufen, was dem Betreiber am Wochenende vorab per E-Mail mitgeteilt worden sei. Dieser habe sich danach entschlossen, das Testzentrum zu schließen. Terminvereinbarungen sind über die Internetseite nicht mehr möglich. „Dort kann man sich nicht mehr testen lassen“, sagte Kroeck.

Das Landratsamt hat in seiner Liste der Testmöglichkeiten dieses Testzentrum bereits entfernt.

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