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Verärgerter Besitzer: Für seinen neuen Pick-Up wollte George Rauscher ein kleines Kennzeichen beantragen. Das bekam er bei der Zulassungsstelle nur gegen die zeitweise Abgabe seines Fahrzeugbriefs.

Berger will Zulassungsstelle anzeigen

Starnberger Kennzeichen-Not

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George Rauscher liegt mit der Starnberger Zulassungsstelle im Clinch. Sein kleines Kennzeichen habe er nur widerwillig bekommen, sagt er und spricht von Nötigung und Anzeige. Die Behörde widerspricht. Tatsächlich sind die kleinen Kennzeichen rar.

Starnberg – „Grüß Gott, ich möchte gerne ein Fahrzeug anmelden.“ Niemals hätte Georg Rauscher (48) gedacht, dass sich aus seinem Wunsch an die Starnberger Zulassungsstelle eine Auseinandersetzung entwickelt, mit der er seinen Anwalt beauftragen würde. Nun aber steht er mit der Behörde auf Kriegsfuß.

Angefangen hat es mit einem Jugendtraum. Der Berger wollte schon immer einen Pick-Up fahren. „In Deutschland gibt es aber keine Möglichkeit, einen Benziner zu kaufen“, sagt er. Also importierte er einen, gebraucht. Nun hat der Fotograf seinen Dodge RAM 1500 mit 5,7 Liter Hubraum und 401 PS. Einen TÜV-Bericht ließ Rauscher in Würzburg erstellen. Darin heißt es, hinten sei maximal ein Kennzeichen mit 38 Zentimetern Breite und 15 Zentimetern Höhe möglich. Für Rauscher war der Fall klar: Er braucht ein so genanntes kleines Kennzeichen – alleine schon, um seinen Pick-Up nach Starnberg zu überführen. 

Nach dem „Grüß Gott“ ging alles schief, sagt Rauscher

Bei seinem Versuch in der Zulassungsstelle ging nach seinem „Grüß Gott“ allerdings alles schief, erzählt Rauscher. Demnach ging ihn eine Mitarbeiterin scharf an. „Sie sagte, dass sie und nicht der TÜV über das Kennzeichen entscheidet – und dass sie mir die Auflage machen kann, mein Auto für ein größeres Kennzeichen umbauen zu müssen.“ Bis zu zehn Prozent vom Kaufpreis könne das kosten – in diesem Fall 5000 Euro. „Da ist mir das Herz in die Hose gerutscht – ich hatte schon für das Auto alles zusammengekratzt.“

Nach eineinhalb Stunden auf der Behörde habe er sein kurzes Kennzeichen gehabt. Bei einem Termin sollte aber überprüft werden, ob ein größeres Kennzeichen hin passt. „Und das, obwohl ich ein TÜV-Gutachten habe.“ Noch mehr ärgert sich Rauscher aber darüber, dass bis dahin sein Fahrzeugbrief einbehalten werden sollte. „Den haben sie beschlagnahmt. Ich habe nicht mal eine Quittung bekommen. Das ist Willkür.“ Eine Mitarbeiterin habe gesagt: „Den behalten wir, damit Sie wiederkommen.“ Zu einer Überprüfung will er nicht kommen: „Ich werde nie wieder einen Fuß in diese Zulassungsstelle setzen und mich so demütigen lassen.“ Zudem möchte er Anzeige wegen Nötigung erstatten.

Behörde wehrt sich: Es gibt nur 216 solcher Schilder

Und was sagt die Behörde? Kleine Kennzeichen würden selten vergeben, sagt Landratsamt-Sprecher Stefan Diebl. „Es gibt für den Landkreis nur 216 Schilder mit nur einem Buchstaben und einer Zahl.“ Einen Grundstock von 35 solcher Kennzeichen möchte die Behörde jederzeit zur Verfügung haben. Insgesamt sind im Landkreis 90 000 Autos zugelassen.

Dass es im Fall Rauscher etwas nicht rechtens gewesen sei, weist die Behörde indes vehement zurück. Einen Termin zur Vorführung gebe es immer, wenn ein Halter sein Fahrzeug nicht mitbringt, sagt Diebl. Bis dahin könne man für 100 Euro ein Kurzzeitkennzeichen verwenden oder gegen kurzzeitige Hinterlegung des Fahrzeugbriefes gleich ein kurzes Kennzeichen nehmen. „Wir verfahren schon über Jahre hinweg immer wieder entsprechend, bisher ohne jegliche negative Rückmeldung. Wir sehen in dieser Praxis kein Problem“, sagt Diebl, der darin eher eine kostensparende Alternative sieht. Zudem habe sich Rauscher damit „ausdrücklich schriftlich einverstanden“ erklärt. Der Berger sei nicht unter Druck gesetzt worden.

Das sieht Rauscher anders. „Ich wurde übel behandelt – wie ein Verbrecher. Ich konnte es nicht fassen, habe die ganze Nacht nicht geschlafen.“ Den Fahrzeugbrief hat er wiederbekommen, nachdem er mit dem Anwalt drohte. Die Sache ist für ihn damit aber nicht abgeschlossen.

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