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Nette Gespräche im Speisesaal und Harmonie in der Küche: Eva-Maria Eckart, Christine Dröse, Olga Mey und Marianne Pohlus (v.l.) lassen sich den Schweinsbraten mit Knödeln schmecken.

Seit 25 Jahren in Starnberg

Besuch beim Senioren-Mittagstisch: „In Gesellschaft schmeckt’s einfach besser“

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Als Begegnungsstätte ist er zur Institution geworden: Den Mittagstisch des Starnberger Seniorentreffs gibt es seit 25 Jahren. Ein Besuch zum Jubiläum.

Starnberg – Griesnockerl-Suppe, Schweinsbraten mit Knödeln und zwei verschiedene Cremes als Nachtisch: Das Jubiläumsessen kommt in großen gelben Kisten. Metzger Robert Scholler, weißer Kittel, schwarzer Schnauzer, schleppt sie in die Küche der Seniorentreff-Cafeteria. Die Damen, die dort Orangensaft und Sekt in Gläser gießen, haben sich schick gemacht, Halsketten um- und Make up aufgelegt. Schließlich feiert der Mittagstisch des Starnberger Seniorentreffs 25. Jubiläum.

Krücken lehnen an den Wänden, Blumen stehen auf den Tischen. Der Speisesaal ist gut gefüllt, 35 Gäste sind gekommen. Nicht nur wegen des Jubiläums, sondern auch weil die Menüs der Metzgerei Scholler so beliebt sind. Künftig gibt es nur noch Scholler-Essen, von Montag bis Donnerstag, jeweils um 12 Uhr, für 5,50 Euro pro Person.

Christine Dröse ist mit dem Fahrdienst gekommen. Der Kleinbus hält direkt an der Tür und kostet nur einen Euro pro Fahrt. „Ich kenne weit und breit keinen so guten Seniorentreff“, schwärmt Dröse, während sie auf die Suppe wartet. Tischnachbarin Olga Mey kommt direkt vom Gedächtnistraining nebenan. „Ich bin hauptsächlich hier, um mich zu unterhalten“, sagt sie. So geht es den meisten. Ein Smalltalk-Gesprächsfetzen von einem anderen Tisch: „In Gesellschaft schmeckt’s einfach am besten.“

Diesen Satz – er ist so etwas wie das inoffizielle Motto des Mittagstischs – wiederholt Seniorentreff-Leiter Helmut Kilian später in seiner kurzen Ansprache. Und er sagt: „Dieses Angebot steht und fällt mit Ehrenamtlichen.“ Zum Beispiel mit Hannelore Uffelmann. Sie trägt ein schwarz-weiß-geflecktes Oberteil, ist 79 Jahre alt und hilft seit 16 Jahren mit. Immer Mittwochs. Früher arbeitete sie im Landratsamt, im Ruhestand wollte sie sich betätigen. „Ich bin gebürtige Starnbergerin und kenne viele Leute hier. Außerdem hat meine Oma früher im Anbau gewohnt. Dadurch entsteht eine gewisse Verbundenheit“, sagt sie und lächelt. „Es macht einfach Spaß.“

Versorgen die Senioren: Hannelore Herrmann, Metzger Robert Scholler, Renate Krautloher, Margarete Hofer, Seniorentreff-Leiter Helmut Kilian, Hannelore Uffelmann, Sponsorin Margrit Nekouian und Marianne Gilgenrainer (v.l.).

Das war aber nicht immer so. Erst seit 2011 sitzt der Seniorentreff im Ilse-Kubaschewski-Haus an der Hanfelder Straße. Davor war die Einrichtung in einem städtischen Gebäude am Schlossberg untergebracht. Es gab nur eine Küchenzeile, die Fahrdienstler mussten – damals noch mit Privatautos – einen schmalen Weg hinauffahren. „Ich wundere mich heute noch, wie das geklappt hat“, sagt Kilian. Mittlerweile saßen in einem Vierteljahrhundert rund 450 Gäste am Mittagstisch.

Jetzt klopft Paula Klinge an ihr Glas und steht auf: „Wir wollen uns bedanken“, sagt sie. „Wir haben viele schöne Jahre erlebt – es möge so weitergehen.“ Klinge ist Stammgast. Selbst kochen mag sie nicht mehr. Es gibt Komfortableres, wenn man auf den Rollator angewiesen ist. Oder um es mit Klinges Worten auszudrücken. „Es reicht.“ Sie ist 95 Jahre alt.

Willi Reimann ist einer der wenigen Männer beim Mittagstisch. Seit seine Frau gestorben ist, lebt er in einem kleinen Apartment im Seniorenheim. „Der Arzt hat gesagt, ich soll mich bewegen“, berichtet der 84-Jährige. Und dafür ist ein Spaziergang zum Mittagessen genau das Richtige. Reimann trocken: „So muss ich nicht sinnlos in der Gegend herumlaufen.“

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