+
Graffiti-Schmierereien fallen unter Sachbeschädigung – und die haben im Kreis zugenommen. Ein Grund: Rund 60 Taten eines jungen Pöckingers.

Kriminalität 2017

Polizeistatistik: Betrug und Randale nehmen zu

Die Kriminalität im Landkreis Starnberg ist im Jahr 2017 leicht angestiegen – die Zahl der Einbrüche jedoch ist rapide gesunken. Das geht aus der gestern veröffentlichten Statistik des Polizeipräsidiums Oberbayern Nord hervor. Der Kreis gehört weiter zu den sichersten in Oberbayern.

Landkreis– Die Zahl der Straftaten im Landkreis Starnberg ist im Jahr 2017 leicht angestiegen. Das Polizeipräsidium Oberbayern Nord in Ingolstadt gab gestern die Zahlen für seine Landkreise bekannt, und Starnberg sticht etwas heraus.

4970 Straftaten registrierte die Polizei im Jahr 2017 in den 14 Landkreisgemeinden. Das sind 60 Fälle oder 1,2 Prozent mehr als 2016. Geklärt werden konnten 2913 Taten, was einer Aufklärungsquote von 58,6 Prozent entspricht. Auch dieser Wert sank um 1,2 Prozent. Der Landkreis Starnberg ist der einzige im Bereich des Präsidiums, in dem die Zahl der Straftaten zugenommen hat. In allen anderen ging sie um zwischen 1,4 und 9,8 Prozent zurück. Die Aufklärungsquote sank hingegen in vielen der zehn Kreise und der Stadt Ingolstadt, in einigen stieg sie.

Warum gerade der Landkreis sich dem oberbayern- und bayernweiten Trend sinkender Kriminalität widersetzt, ist schwer zu ermitteln. Es gab 2017 einige Serien, etwa eine Grafitti-Reihe mit allein mehreren Dutzende Fällen. Und: In einigen Bereichen sind die Zahlen deutlich gestiegen.

Razzia bei Psycholyse-Seminar in Weßling

Zugenommen haben Betrug und dergleichen – auch eine Folge von Internetbetrügereien und Kreditkartenvergehen, aber nicht nur. Erheblichen Teil des Anstiegs machen versuchte Enkeltrick-Betrügereien oder Anrufe falscher Polizisten aus. Auch wenn diese zumeist scheitern, zählen sie als Tat im Sinne eines Versuchs. Das erklärt diese Daten: 845 Betrugsfälle wurden 2017 im Landkreis aktenkundig – 29,4 Prozent mehr als im Vorjahr.

Zugenommen haben die Sachbeschädigungen um 20,9 Prozent auf 895 Fälle. In den meisten Segmenten sind es jährliche Schwankungen, nächstes Jahr können die Zahl schon wieder ganz anders sein.

In einigen Hauptbereichen sind die Fallzahlen im Landkreis aber zurückgegangen. Die Wichtigste: Die Zahl der Einbrüche im Jahr 2017 hat sich gegenüber 2016 mehr als halbiert. 2016 waren es 194, im vorigen Jahr nur 93. Dabei muss man auf die Methodik der Statistik hinweisen: Erfasst werden für ein Jahr die abgeschlossenen Fälle, was dazu führt, dass beispielsweise Einbrüche vom Dezember 2016 noch in die Statistik einfließen, welche vom Dezember 2017 jedoch nicht mehr. Beim einfachen Diebstahl gab es einen Rückgang um zwölf Prozent auf 745 Fälle, beim schweren Diebstahl einen um fast 29 Prozent auf 415. Einen leichten Rückgang gab es bei den Rauschgiftdelikten (- 4,1 Prozent auf 257). Nahezu konstant blieben die so genannten Rohheitsdelikte wie Raub und Körperverletzung mit 808 Fällen (2016: 809), die Zahl der Körperverletzungen jedoch hat deutlich zugenommen (+ 7,3 Prozent).

Als herausragenden Einsatz wertet das Präsidium die Razzia Anfang November 2017 bei einem Psycholyse-Seminar im „Haus der reinen Seele“ in Weßling. Im Bericht heißt es dazu: „Rund 50 Beamte waren bei der Razzia im Einsatz. Der Seminarleiter, ein 81-jähriger Berliner, wurde festgenommen. Gegen ihn wird u. a. wegen Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt.“

Polizeiinspektionen geben Angaben aus Gemeinden bekannt

Grund zur Beunruhigung ist die Sonderstellung des Landkreises in dieser Statistik nicht. Die Abweichung ist gering, zudem ist der Landkreis laut Präsidium im Zehn-Jahres-Vergleich 2017 etwa bei den Straftatenzahlen von 2008 gelegen. Indikator für die Sicherheit ist die so genannte Häufigkeitszahl, die die Zahl der Straftaten auf 100 000 Einwohner angibt. Der Wert für den Landkreis Starnberg liegt für 2017 bei 3689, der Durchschnitt für das Präsidium bei 4132 und der für Bayern bei etwa 4533. Nachbarlandkreise weisen geringere Häufigkeitszahlen aus – einen Beitrag dazu leistet, dass Touristen und Tagesgäste unberücksichtigt bleiben, die Seen jedoch viele Menschen und damit auch Gauner anziehen.

Asylbewerber waren nach der Statistik für 331 geklärte Taten verantwortlich, das entspricht 11,36 Prozent und damit etwas weniger als der Durchschnitt. Die Zahl stieg 2017 jedoch laut Bericht um 35,7 Prozent. In vielen Fällen handelt es sich um Körperverletzungen unter Asylbewerbern, aber auch um schwere Taten wie eine versuchte und eine vollzogene Vergewaltung in Starnberg. Beide Täter – ein Syrer und ein Iraker – wurden geschnappt; der Iraker, der eine junge Frau vergewaltigt hatte, ist zu sieben Jahren Haft verurteilt worden. Das Verfahren gegen den zweiten Verdächtigen steht noch aus.

Detaillierte Angaben aus einzelnen Gemeinden geben die Polizeiinspektionen erst noch bekannt – in Starnberg ist dies beispielsweise am heutigen Donnerstag der Fall.

Auch interessant

Mehr zum Thema

Meistgelesene Artikel

Dicker Ast fällt auf 71-Jährige
Eine 71-jährige Germeringerin ist am Sonntag gegen 15.30 Uhr im Herrschinger Kurpark von einem herabfallenden Ast getroffen und verletzt worden.
Dicker Ast fällt auf 71-Jährige
Homejacking: Audi S7 gestohlen
Unbekannte sind in Weßling in ein Haus eingebrochen und haben dann einen Audi S7 gestohlen.
Homejacking: Audi S7 gestohlen
Französische Woche in Starnberg fällt heuer aus
Die Französische Woche auf dem Starnberger Kirchplatz fällt heuer aus. Das hat Organisator Ralf Mansour-Agather mitgeteilt.
Französische Woche in Starnberg fällt heuer aus
Auf Streife am Ammersee: Seeadler soll Jagd auf Gänse machen
Wird bald ein Seeadler in Herrsching Jagd auf Gänse machen? Bürgermeister Christian Schiller verfolgt diesen Plan, stößt jedoch auf Skepsis. Von der Starnberger …
Auf Streife am Ammersee: Seeadler soll Jagd auf Gänse machen

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion