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Viele Interessierte kamen am Stand des Bund Naturschutz an der Wittelsbacherstraße in Starnberg vorbei. Hier informieren Rudi Fuchs (Mitte) und Wolfgang Röthig (rechts) Dr. Hans Gutsch

Unterschreiben ist seit Donnerstag möglich

Bienen-Kostüme und Missverständnisse zum Start des Volksbegehrens

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Für die einen ist die Unterstützung eine Selbstverständlichkeit, andere ringen mit sich: Das Volksbegehren „Rettet die Bienen“ begann im Landkreis mit kreativen Kostümen, Schlangen vor den Rathäusern und dem einen oder anderen Missverständnis.

Landkreis – Ein Campingtisch, eine Decke mit Bildern von bunten Vasen und Lampen, ein Aufsteller: Fertig ist der Info-Stand zum Volksbegehren „Rettet die Bienen“. Die Starnberger Ortsgruppe des Bund Naturschutz (BN) hat sich am Donnerstagvormittag auf das Wesentliche konzentriert, um für den Artenschutz zu trommeln. Die freiwilligen Helfer Rudi Fuchs und Wolfgang Röthig müssen oder dürfen dort an der Wittelsbacherstraße fast durchgehend reden. Trotz der Kälte sind viele Menschen unterwegs. Manche halten selbst an, andere bringen die beiden Männer höflich dazu.

Ihre Hauptaufgabe: Missverständnisse aufklären. „Und ich dachte, sie ersparen mir den Gang zur Stadt“, sagt die Starnbergerin Stefanie Reinhard-Kufer. Auch andere wollen direkt am Campingtisch unterschreiben. Fuchs und Röthig schicken sie ins Rathaus und geben ihnen gleich noch ein Zettelchen mit den Öffnungszeiten und Info-Flyer mit. Stefanie Reinhard-Kufer bleibt noch kurz stehen: „Es ist doch schrecklich, dass es für den Artenschutz eines Volksbegehrens bedarf“, sagt sie.

Seit gestern können Bayerns Bürger in den Gemeinden unterschreiben. Wenn sich zehn Prozent der Wahlberechtigten in die Listen eintragen, kann der Landtag die vorgeschlagenen Gesetzesänderungen annehmen oder ablehnen. Im letzteren, wahrscheinlicheren Fall käme es dann zum Volksentscheid. Das von der ÖDP initiierte Begehren fordert unter anderem mehr Ökolandbau und weniger Pestizid-Einsatz.

Plüschtiere, Kunststoff-Fühler und Imkerschleier: Einige Unterstützer aus Stockdorf und Gauting um die Grünen-Landtagsabgeordnete Anne Franke (l.) waren kreativ.

Dr. Hans Gutsch kommt auf dem Rückweg von der Bank am BN-Stand vorbei. Dass er unterschreibt, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit: „Es kleben überhaupt keine Insekten mehr an der Windschutzscheibe. Es muss sich was bewegen“, findet der 75-jährige Starnberger.

Korina Freyberg-Kavan wohnt in Unering. Sie wollte gerade im Starnberger Rathaus zur Tat schreiten – durfte aber nicht. „Ich bin in Seefeld gemeldet, arbeite aber schon ewig in Starnberg. Das ist so bürokratisch“, ärgert sie sich. Rudi Fuchs klärt das Missverständnis auf: Sie könne in Seefeld einen Eintragungsschein beantragen, um auch in anderen Gemeinden unterschreiben zu dürfen.

Lesen Sie auch: Volksbegehren „Rettet die Bienen“: Darum geht es - Pro & Contra

Sein Partner Wolfgang Röthig, Diplom-Landwirt und mittlerweile Rentner, ist positiv überrascht von der großen Resonanz: „Die Leute wirken alle sehr interessiert.“ Manche machen auch einen Bogen um den Campingtisch oder um den zweiten BN-Stand im Sparkassen-Foyer. Andere rufen im Vorbeigehen zu: „Hab ich schon.“

In einigen Rathäusern des Landkreises bildeten sich morgens um 7.30 Uhr Schlangen vor den Einwohnermeldeämtern. Der eine oder andere Erstunterzeichner setzte den Stift öffentlichkeitswirksam im Bienen- oder Imker-Kostüm an. 140 Bürger zählten die Mitarbeiter zum Beispiel in Starnberg alleine bis Mittag. Manche kamen allerdings ohne Ausweis und durften sich vorerst nicht eintragen. Ihre Berechtigung hatte die Aufklärungsarbeit des BN also auf jeden Fall. In der ganzen Region sind während des Begehrens weitere Info-Stände und Aktionen geplant.

Die ersten Unterzeichner in Tutzing (v.l.): Udo Hahn (Evangelische Akademie), Dr. Thomas Mitschke-Collande (CSU), Priorin Ruth Schönenberger, Heinrich Reiter (FW), Claus Piesch (Kreisjugendring Starnberg), Willi Neuner (ÖDP) und Bernd Pfitzner (Grüne).

Die Starnberger BN-Vorsitzende Irmgard Franken ist optimistisch, sagt aber auch: „Gerade in Starnberg gibt es viele, die nur hier wohnen und denen der Rest egal ist. Aber wer ein bisschen wach ist, kriegt mit, dass etwas passieren muss.“ So höre man vor der eigenen Haustür weniger Vögel singen.

„Man darf nicht nur auf die Bauern draufhauen“, sagt Joachim Deutschenbaur, nachdem er länger am Campingtisch diskutiert hat. Auch Gartenbesitzer würden Flächen und damit Lebensraum für Insekten versiegeln. Dass sich der Großteil der Forderungen gegen Landwirte richte, kritisiert auch Georg Zankl, Kreisobmann des Bauernverbands: „Wir sind nicht gegen Bienenschutz. Aber das Volksbegehren ist populistisch und nicht sachlich begründet.“ Michael Friedinger, Kreisvorsitzender des Bunds Deutscher Milchbauern, ist noch unschlüssig. Ein Umdenken sei nötig, aber bei allen, sagt er. Die Milchbauern stecken laut Friedinger in einer Zwickmühle. „Wenn man Blühwiesen oder Ackerrandstreifen anlegt, muss man woanders wieder intensivieren. Sonst hat man Ertragsausfälle.“

Alle Öffnungszeiten

Alle Öffnungszeiten der Rathäuser während des Volksbegehrens finden Sie auf rathausfinder.volksbegehren-artenvielfalt.de.

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