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Eine von sechs Starnberger Mitarbeitern: Melanie Schwaiger ist Auszubildende bei Goldmann und Weigert an der Wittelsbacherstraße, derzeit im zweiten Lehrjahr. Wo sie jetzt ihre Ausbildung beendet, weiß sie noch nicht.

Einzelhandel

Aus für Blumenladen mit Paukenschlag

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Erst die Bäckermeisterei Meier, jetzt Goldmann und Weigert. Das Blumengeschäft an der Wittelsbacherstraße in Starnberg wird geschlossen. Markus Goldmann gibt nicht nur diese Filiale auf, er liquidiert das gesamte Unternehmen.

Starnberg – Goldmann und Weigert bezeichnete sich selbst als größten Blumenfachhandel in und um München. Auf mehr als 60 Jahre Erfahrung baute das 1951 gegründete Unternehmen auf. Zuletzt betrieb Markus Goldmann (67) sechs Filialen – drei in München (Laim, Neuhausen und Moosach), je eine in Buchenau (Landkreis Fürstenfeldbruck), in Planegg und in Starnberg.

An der Wittelsbacherstraße 15 in der Kreisstadt sollen am 1. April die Lichter erlöschen. Aber so genau weiß das Markus Goldmann noch nicht. Sicher weiß er jedoch, dass die Starnberger Filiale sein Sorgenkind ist. Während er für die anderen fünf Filialen bereits Nachfolger gefunden hat, die dort auch künftig mit Blumen und dem passenden Zubehör handeln wollen, muss Goldmann den Standort Starnberg „abwickeln“.

Den Stammkunden des Geschäfts war schon Ende vorigen Jahres aufgefallen, dass bei Goldmann und Weigert etwas im Busch sein muss. Sie vermissten die aus den Vorjahren vertraute opulente Weihnachtsdekoration und die entsprechenden Angebote zum Fest. Und jetzt vor Ostern bietet sich das gleiche eher triste Bild. Was nicht weiter verwundert. Der Vermieter des Ladenlokals hatte im Dezember abgelehnt, den Nachfolger Goldmanns für die Nutzung der Starnberger Filiale zu akzeptieren. Er wünsche dort kein Blumengeschäft mehr. Zugleich hatte er Goldmann eröffnet, er werde den im Mai 2018 auslaufenden Mietvertrag nicht verlängern.

Goldmann ist verständlicherweise enttäuscht, sein einstiges Flaggschiff abtakeln zu müssen. „Ich hatte einen guten Kaufpreis ausgehandelt“, sagt der Unternehmer. „Der Nachmieter wäre ein potenter und solventer Nachfolger gewesen.“ Nun hat Goldmann von sich aus den Mietvertrag gekündigt. Er ist aber noch ratlos, wann tatsächlich Zapfenstreich ist in Starnberg.

Die Ungewissheit quält auch seine sechs Mitarbeiter. Sie wissen zwar, dass das Geschäft geschlossen wird, aber wann? Zur Belegschaft zählt auch eine Auszubildende, die jetzt Ausschau hält, wo sie ihre Lehre zu Ende führen kann. Unter den Mitarbeitern ist auch eine ehemals selbstständige Floristin, die aber noch nicht die erforderlichen zwölf Monate Beschäftigung nachweisen kann, um in den Genuss von Arbeitslosenbezügen zu kommen, wie sie berichtet.

Warum hat Markus Goldmann den radikalen Schnitt gewählt? „Ich bin 67 Jahre alt und meine Kinder waren nicht bereit, das Unternehmen zu übenehmen.“ Für diese Entscheidung zeigt er sogar Verständnis. Ein Filialbetrieb erzeuge zu hohe Personalkosten. Eine wirtschaftliche Betriebsführung sei nicht mehr möglich gewesen. Goldmann: „Jede Filiale für sich ist als inhabergeführter Einzelbetrieb eine lukrative Sache, wenn man es unternehmerisch ordentlich angeht.“

Im Laufe des Gesprächs mit unserer Zeitung überkommt Goldmann der Zorn. „Starnberg war mal ein gutes Pflaster, ein Knüller.“ Dieses Pfund sei leichfertig verspielt worden, schiebt er den schwarzen Peter an die Kommunalpolitik: „Wenn man den Amtstunnel vor 15 Jahren in Angriff genommen hätte, wäre man heute in der Lage, ein taugliches Verkehrskonzept mit Fußgängerzonen in Maximilian- und Wittelsbacherstraße umzusetzen“, ist sich Goldmann sicher. „Die Voraussetzung für urbanes Leben in der Stadt.“ Stattdessen sei der Einzelhandel in Starnberg an seine Grenzen gestoßen, viele hätten die Reißleine ziehen müssen. Goldmann: „Starnberg ist keine Einkaufsstadt mehr.“

Übrigens: Josef Pfister, der Eigentümer des Hauses an der Wittelsbacherstraße, war am Freitag für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

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