Weder schön noch groß: Die Unterführung an der Ludwigstraße soll erneuert werden – in welcher Größe, ist allerdings unklar. Die Stadt müsste mitbezahlen, kann sich das nach Ansicht vieler Stadträte aber nicht leisten.
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Weder schön noch groß: Die Unterführung an der Ludwigstraße soll erneuert werden – in welcher Größe, ist allerdings unklar. Die Stadt müsste mitbezahlen, kann sich das nach Ansicht vieler Stadträte aber nicht leisten.

Kann sich Starnberg das leisten?

Neubau einer Unterführung: Breite eine Frage des Geldes

Die Bahn will die Unterführung zwischen Ludwigstraße und Bucentaurpark erneuern. Die Stadt könnte sie größer bauen lassen, kann sich das aber nicht leisten – findet ein Teil der Stadträte. Ein anderer will einen größeren Durchgang. Wie das ausgeht, ist noch nicht absehbar.

Starnberg – In der Unterführung zwischen Ludwig- und Dampfschiffstraße unmittelbar neben dem Bürgerpark haben Menschen mit Klaustrophobie Probleme: eng, keine zwei Meter breit, nicht einmal zwei Meter hoch. Menschen über 1,80 Meter müssen den Kopf einziehen. Unterführung ist da fast schon eine Übertreibung, schön ist der Durchgang nun auch nicht – und in gutem Zustand gleich zweimal nicht. Schon vor Jahren hatte eine Brückenprüfung ergeben, dass die Unterführung erneuert werden muss. Das Vorhaben lag wegen der Mediation zur Seeanbindung auf Eis, nun will die Bahn bauen. Die Stadt kann Wünsche äußern, wenn sie mitbezahlt. Ein Streitpunkt für den Stadtrat.

Bereits im Sommer 2017 hatte die Bahn der Stadt die Neubau-Absicht mitgeteilt und auch, dass diese bei Änderungswünschen mitbezahlen muss. Das ist keine Idee der Bahn, sondern eine Regelung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes. Ende 2017 teilte die Stadt der Bahn mit, sie wolle eine breitere Unterführung, nämlich vier Meter breit für Begegnungsverkehr unter Radfahrern und drei Meter hoch. Auf dieser Basis plante die Bahn eine neue Unterführung und will nun langsam konkret beginnen.

Deswegen sei in den laufenden Gesprächen zur Seeanbindung der Wunsch an die Stadt herangetragen worden, die Frage nun zu entscheiden, erklärte Stadtbaumeister Stephan Weinl vorige Woche im Bauausschuss. Die Bahn plane den Neubau für die Jahre 2023 oder 2024 – wenn die Bahnstrecke zwischen Bahnhof Nord und Bahnhof See wegen des Neubaus der Bahnbrücke über die Münchner Straße nahe McDonald’s sowieso gesperrt werden muss. Diese neue Brücke ist nötig, weil die Straße als Zulauf für den B 2-Tunnel breiter wird.

Genaue Kosten unklar, Förderung auch

Alle Ausschussmitglieder finden eine breitere Unterführung an der Ludwigstraße schön und sinnvoll – nur Kosten bis zu zwei oder 2,5 Millionen Euro schrecken ab. Das wäre wohl der Anteil der Stadt ohne Fördermittel, denn sie muss 40 Prozent der Kosten tragen, wenn wegen ihr die Unterführung größer gebaut wird. Die Kosten beziffert die Bahn mit etwa 4,9 Millionen Euro inklusive Planung. Weinl hob die Bedeutung der Achse vom Seebad über Bucentaurpark und die Ludwigstraße in die Innenstadt hervor, empfahl aber, keinen Ausbau anzustreben. Die Stadt habe dafür schlicht kein Geld.

Eva Pfister (BMS), die in ihrer Zeit als Bürgermeisterin zum einen den Ausbauwunsch unterschrieben, aber auch die heutigen Rampen an dem Durchlass hatte bauen lassen, wollte so einfach nicht aufgeben. Es habe gerade eine Änderung des Eisenbahnkreuzungsgesetzes für genau solche Fälle – Förderung des Radverkehrs – gegeben, die hohe Förderungen bringe. Das hatten sich auch Weinl und Bürgermeister Patrick Janik schon angesehen, jedoch: Es gebe Juristen, die dieses Projekt als förderfähig ansehen und andere, die es für nicht förderfähig halten. Janik, selbst Jurist, tendiert nach einer Grobprüfung zu Letzterem. Eva Pfister will das aber genau geklärt sehen und beantragte erfolgreich eine Vertagung in den Stadtrat.

Der Rat muss nun entscheiden, ob die Stadt ihren Ausbauwunsch von 2017 zurückzieht und damit die Unterführung laut Bahn in der heutigen Form erneuert wird. Überlässt die Stadt den Neubau allein der Bahn, muss sie auch nichts zahlen.

Ob im Stadtrat allerdings eine Mehrheit für den Ausbau zusammenkommt, ist offen. Es gibt Befürworter, sich finanziell zu engagieren – zum Beispiel Franz Heidinger (BLS), der schon an eine mögliche Landesgartenschau denkt. Oder Ludwig Jägerhuber (CSU), der den Zeitpunkt ausgesprochen günstig findet, finanziell gesehen. Und natürlich Eva Pfister, die es für ein schlechtes Signal auch für die Barrierefreiheit hält, sollte die Unterführung nicht größer werden. Oder Dr. Johannes Glogger (WPS), der auf das Ziel verwies, den Radverkehr zu stärken – und ein Schandfleck sei die Unterführung sowieso. Man wisse ja auch gar nicht, wie teuer es für die Stadt tatsächlich wäre.

Dann gibt es die Gegner. Zum Beispiel Dr. Franz Sengl (Grüne), selbst Dauer-Radfahrer, der die Kosten für unverhältnismäßig hoch hält, auch wenn man sie letztlich nicht im Detail kennt. Dr. Thorsten Schüler (UWG) findet, das Geld könne man auch für andere Wege sinnvoll einsetzen. Und Patrick Janik, denn der Bürgermeister findet, die Unterführung habe Jahrzehnte funktioniert und sei für die Gartenschau eher nachrangig. Sein Appell: „Wir müssen mit dem Wunschdenken aufhören.“ Nun soll geklärt werden, was die Stadt tatsächlich beisteuern müsste, falls sie doch eine größere Unterführung will. Ob das schon am Montagabend im Stadtrat (18.30 Uhr, Schlossberghalle) der Fall sein wird, war am Wochenende noch nicht geklärt.

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