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Brigitta Biermanski im Garten des Rummelsberger Stifts in Söcking: Stolz präsentiert sie Goldmedaille und Siegerurkunde von der Bayerischen Marathon-Meisterschaft.

Porträt

Das Abenteuerleben von Bayerns schnellster Seniorin

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Bayerns schnellste Seniorin kommt aus Söcking. Brigitta Biermanski (68) hat bei der Bayerischen Marathon-Meisterschaft Gold geholt. Ein Titel mehr, nachdem sie schon im Himalaya und in der Sahara, in Mumbai, Moskau und auf der Chinesischen Mauer gelaufen ist. Treffen mit einer außergewöhnlichen Frau.

Söcking – Zwei Zimmer, Bad, West-Balkon, dazu ein Blick über Teich und Felder – dort, im Seniorenwohnen des Rummelsberger Stifts in Söcking, ist Brigitta Biermanski seit einem knappen Jahr daheim. Zu Hause ist die 68-Jährige aber in der ganzen Welt: auf den steinigen Wegen des Himalaya genauso wie auf den steilen Stufen der Chinesischen Mauer, in der Fränkischen Schweiz ebenso wie in der Weite der Sahara. Seitdem Brigitta Biermanski vor 30 Jahren nämlich in Berlin ihren ersten Marathon gelaufen ist, seitdem lässt sie dieses Virus nicht mehr los. Und so läuft sie und läuft und läuft ...

Kürzlich hat sie im oberfränkischen Forchheim die Bayerische Marathon-Meisterschaft in ihrer Altersklasse gewonnen: 42 Kilometer in 4 Stunden, 35 Minuten und 15 Sekunden. Stolz zeigt Brigitta Biermanski Goldmedaille und Urkunde – Zuwachs für ihre Trophäensammlung, die weit über die Grenzen Söckings hinaus einmalig sein dürfte.

„Ich habe von klein auf Leichtathletik und Geräteturnen gemacht“, erzählt Brigitta Biermanski, aufgewachsen in Ostpreußen und Nordrhein-Westfalen, Banklehre, Beamtin, vom Westerwald nach Söcking gezogen. „Und als ich beim Laufen dann Gott und die Welt kennen lernte, wollte ich immer weiterlaufen.“ Gott und die Welt kennen lernen – selten passt das auf die Passion eines Menschen so sehr wie in ihrem Fall.

In Nepal hat ihr die Enkeltochter von Mount-Everest-Erstbesteiger Sir Edmund Hillary die Medaille für den zweiten Platz der Frauenwertung beim höchsten Marathon der Welt umgehängt (Start im Basislager auf 5356 Metern Höhe). Beim Marathon des Sables, einem Ultramarathon in Marokko über insgesamt 230 Kilometer auf mehreren Etappen, lief sie Seite an Seite mit Extremsportler Joey Kelly. „Bei diesem Lauf muss man auch seine Matratze, sein Kochgeschirr und alles mitnehmen, was man benötigt“, erklärt Brigitta Biermanski. „Der Rucksack darf nicht schwerer als 20 Kilo sein.“

Kalifornien, Neuseeland, Usbekistan, Rom, Biel in der Schweiz, China – über jeden dieser Läufe kann die 68-Jährige Anekdoten erzählen, etwa, wie sie mit einer roten Rose in der Hand das Ziel beim Mumbai Marathon erreicht hat. Über den 64 Tage dauernden und mehr als 4000 Kilometer langen „Lauf für Verständigung und Frieden“ von Lissabon nach Moskau hat Brigitta Biermanski gleich ein Buch geschrieben („Der härteste Lauf der Welt, 9,80 Euro). „Da sind wir auf dem Roten Platz empfangen worden“, erinnert sie sich. Und wenn sie nicht läuft, dann erklimmt sie so eben mal den Kilimandscharo – übrigens auch schon im Alter von 62 Jahren. „Ich wollte mal Afrika von oben sehen.“

Wenn es also noch eines Beweises bedurft hätte, dass Sport und Bewegung jung halten: Brigitta Biermanski ist der beste Beweis dafür. „Man wird gesund beim Laufen“, sagt sie. „Man muss so lange laufen, bis nix mehr wehtut. Dann merkt man das Alter auch nicht“ Und außerdem: „Man kann überall trainieren.“ Etwa jeden Tag von Söcking zum Starnberger See und wieder zurück.

Ihre Leidenschaft und ihre Begeisterung gibt die 68-Jährige längst auch an andere weiter: an Jüngere als Trainerin des TSV 1880 Starnberg, wo sie Kinder zwischen fünf und zwölf Jahren in der Leichtathletik betreut. Aber auch an Ältere: Im Rummelsberger Stift macht Brigitta Biermanski „mit einer Handvoll Leute“ funktionelle Gymnastik, ein Bewegungsprogramm mit Bällen, Stäben und Therabändern.

Ob sie überhaupt noch weiß, wie viele Rennen sie gemacht, wie viele Kilometer sie absolviert hat? „Unzählige“, sagt Brigitta Biermanski und lacht ihr ansteckendes Lachen. „Medaillen und Urkunden habe ich Hunderte.“ Und wie viel sie insgesamt gelaufen ist? „Dreimal um die Welt ist eher noch bescheiden.“

Und doch bleibt da ein Traum, der bislang unerfüllt geblieben ist – und der bei neutralem Zuhören sich auch unerfüllbar anhört. „Ich wollte schon immer auf den Mond und dort einmal laufen“, sagt Brigitta Biermanski. Bitte? „Ich habe mich sogar bei dem Projekt ,Erste deutsche Astronautin’ beworben. Die Organisatoren haben mir geschrieben, dass ich die wahrscheinlich fitteste Bewerberin überhaupt bin.“ Fürs Finale gereicht hat es aber nicht.

Der Traum vom All ist also erst einmal geplatzt. Aber wenn ihn jemand realisiert, dann darf sich keiner wundern, wenn diejenige Brigitta Biermanski heißt.

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