Minimalistisch, aber gekonnt: Das P-Seminar „Theater“ zeigte Klasse mit „Die Räuber“. Foto: Andrea Jaksch

P-Seminar

Brillante Räuber

Das P-Seminar „Theater“ am Starnberger Gymnasium beeindruckt mit dem Werk von Friedrich Schiller.

Starnberg – Erst vor einem Jahr wurde das Stück für die diesjährige Theaterschulaufführung des P-Seminars „Theater“ des Starnberger Gymnasiums ausgesucht. „Die Räuber“ sollten es sein, Schillers hitzköpfiges Drama um die beiden ungleichen Brüder Karl und Franz von Moor, dessen komplexe Handlung im Internet von ein paar Schlümpfen in kurzweiligen zehn Minuten erklärt wird. Die Gymnasiasten bringen die Quintessenz des Stückes im Besetzungszettel auf den Punkt. Sie schreiben, dass „das erbarmungslos verfolgte Ziel der Freiheit in den unentrinnbaren Teufelskreis von Unrecht und Gewalt“ führt, „in dem das Gewissen nicht mehr als eine lästige Larve ist“. Guter Stoff für junge engagierte Menschen, die die Gesellschaft gestalten wollen.

Die „Räuber“ sind nicht umsonst bei Schulaufführungen gerne gespielt, und das Stück wird um so besser, je souveräner, so wie in Starnberg geschehen, der Text gekürzt wird, ohne die Sprache zu verhunzen. Für diese großartige Leistung waren Nina Endres und Leonhard Schweighöfer verantwortlich. Katja Böhm, die Leiterin der Theatergruppe, versteht es aber auch zusammen mit der Regisseurin Nina Endres, feinfühlig die Talente der Schüler rauszukitzeln – und das alles mit einer Regie, die viel Tempo ins Spiel bringt. Dankbar wurde auch das Angebot des Schuldirektors Josef Parsch angenommen, den Schauspielern ein paar Stunden professionellen Sprachunterricht zu gönnen. Keiner ist durch den Text geholpert, alleine sprachlich waren alle Darsteller dem Sturm-und- Drang-Drama mehr als gewachsen.

Auch sonst lässt diese in den Bildern auf Minimalismus setzende Inszenierung keinerlei Wünsche offen. Die Truppe hat sich für ein karges Bühnenbild entschieden, „weil es so bar jeder Interpretation ist“, wie von Leonard Schweighöfer beabsichtigt. Der Bühnenraum ist ausgelegt mit weißer Folie, ab und zu taucht ein Scheinwerfer das Ganze in farbiges Licht. Damit wird die Aufmerksamkeit auf die Kunst des Schauspiels gelenkt. Das ist mutig und funktioniert nur, weil die Schauspieler ihre Charaktere facettenreich leben. Schweighöfer spielt den fiesen Franz auf dem schmalen Grat zum Wahnsinn furios, seine Emotionen kippen, ein bewundernswertes fiebriges Flattern zwischen rührseeligem Selbstmitleid und grausamer Kaltschnäuzigkeit. Lucia Loibl überzeugt als Karl mit aufrichtiger revolutionärer Gesinnung. Großartig auch Daniel Schlaffer in der Rolle des begeisterungsfähigen Spiegelberg, der sich zu einem gewissenlosen, mordlüsternen Gegenspieler Karls entwickelt. Dazu noch Amalia (Emma Reynolds, Lisa Fohrmann), die als ehrlich liebendes Mädchen angelegt ist.

In den Nebenrollen brillierten neben den vielen ungenannten Darstellern Julia Groß als alter Moor und Julian Engelbrecht als Diener Daniel. Schön war auch die Idee, Anna-Theresa Buxbaum mit ins Boot zu holen, die Lehrerin für das P-Seminar Musikalische Gestaltung. Deren Schüler haben mit eigenen Kompostionen das Bühnenspiel musikalisch begleitet. Fiebrige Geigen und romantisches Klavier zur Steigerung der ohnehin schon starken Emotionen. Rauschender Applaus war der Lohn für dieses große Engagement.

Astrid Amelungse-Kurth

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