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Tunnel Starnberg: Soll Brücke über Maisinger Bach zwischen Söcking und Neusöcking als Feuerwehranfahrt dienen?

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Die Fußgänger-Brücke über den Maisinger Bach.
Bachübergang: Die Fußgängerbrücke liegt auf kleinen Widerlagern – eine große Brücke bräuchte größere, was einige Stadträte sehr kritisch sehen. © Andrea Jaksch

Skeptische Stadträte, Feuerwehr sagt „unverzichtbar“: Heute Abend geht es um eine Brücke über den Maisinger Bach zwischen Söcking und Neusöcking als Feuerwehranfahrt.

Söcking/Starnberg – Bis der B 2-Tunnel freigegeben wird, werden noch mindestens sechs, eher acht Jahre vergehen. Die Feuerwehren, vor allem Starnbergs federführender Kommandant Markus Grasl, zerbrechen sich seit Jahren den Kopf, wie sie Einsätze im Tunnel bewältigen. Es gibt dazu einige Gutachten, aussichtsreiche Forderungen an den Bau wie Löschanlage und Aufzüge – einiges geht dem Feuerwehrreferenten des Stadtrates, Franz Heidinger (BLS), aber zu langsam.

Deswegen hat er beantragt, einige Themen im Rat zu besprechen. Der Antrag steht heute Abend (Montag, 18.30 Uhr, Schlossberghalle) auf der Tagesordnung, konkret dürfte es aber noch nicht werden. Ein Thema dabei: eine Brücke zwischen Söcking und Neusöcking, die schon vor einem Jahr wenig Gegenliebe bei vielen Stadträten gefunden hatte.

Feuerwehrreferent fühlt sich ausgeschlossen

Heidinger will, dass der Stadtrat sich mit bestimmten Aspekten des Brandschutzes bei Bau und Betrieb des Tunnels intensiv befasst. Er beantragt, dass Gutachter im Rat sowohl über das Baustellenrettungs- und Brandschutzkonzept – dabei geht es auch um die Frage einer Werkfeuerwehr in der Bauzeit – als auch über Konzepte für den abwehrenden Brandschutz im Betrieb berichten. Zudem will Heidinger über das Planänderungsverfahren und die Aufstellungs- und Bewegungsflächen der Feuerwehr reden – und über die Maisinger-Bach-Brücke.

Der Feuerwehrreferent fühlt sich ausgeschlossen von den Vorbereitungen, weil er nicht an Besprechungen teilnehmen kann. Die Stadt brauche eine Planung, sowohl für die Bauphase als auch für den Betrieb. Die Gutachten sollten dem Rat vorgestellt werden, damit dieser wisse, was auf die Stadt zukomme. Dabei geht es auch um die finanziellen Folgen. Die Stadtverwaltung will dem Rat wohl vorschlagen, den Antrag im Feuerwehr-Ausschuss Anfang 2021 zu beraten.

Stadträte äußern Bedenken: Brückenstandort im Wasserschutzgebiet

Ein vor allem städtisches Problem ist die Brücke, die Grasl schon vor rund zwei Jahren beantragt hat. „Wir hätten die längst planen können“, findet der Kommandant. Er will die Durchfahrtsmöglichkeit, weil die Wehr Söcking (und andere aus dem Westen) so mehrere Minuten schneller am Südportal wären – und auch am Neubaugebiet Am Wiesengrund und am Waldspielplatz. Derzeit seien die Anfahrtswege sehr lang, die Einhaltung der Hilfsfrist problematisch.

Vor einem Jahr im Feuerwehr-Ausschuss hatten mehrere Stadträte massive Bedenken geäußert, da ein Brückenbau dort die Deckschicht der Grundwasserschichten beschädigen könnte – und aus diesem Grundwasser bezieht die Stadt einen Teil ihres Trinkwassers. Der Brückenstandort – derzeit gibt es dort eine Fußgängerbrücke – liegt im Wasserschutzgebiet.

Furt als Alternative zu Brücke denkbar? Kommandant Grasl lehnt ab

Grasl sieht hingegen im Schutzgebiet kein Problem: Ausnahmen für Rettungsfahrzeuge seien möglich und ausreichend – nicht für einzelne Fahrzeuge, sondern generell. Denn: Sollte es im Tunnel zu einem Brand kommen, müsste nicht nur die Feuerwehr Söcking zum Südportal. Ob eine Brücke das Grundwasser gefährde, hätte man längst prüfen können. Grasl will die Durchfahrt mit einer Schranke sperren, die nur von der Feuerwehr geöffnet werden kann (oder automatisch bei einem Alarm).

UWG-Stadtrat Dr. Thorsten Schüler verfolgt derweil eine andere Idee – eine Furt, also würden die Löschfahrzeuge durch den Bach fahren. Eine solche gebe es neben der Brücke aus früheren Zeiten. „Aufgrund des nahezu ganzjährig niedrigen Wasserstands kommen bei einer Durchfahrt wahrscheinlich nur die Räder der Fahrzeuge mit dem Wasser in Kontakt. Da gleichzeitig der Maisinger Bach vom nahe gelegenen Brunnen wegfließt und auch keine Verbindung zum Grundwasser besteht, sehe ich in Bezug auch auf das in der Nähe gewonnene Trinkwasser keine Gefahren. Ich habe aus den Antworten der Behörden und Fachleute bisher auch keine gegenteilige Aussage mitgenommen“, erklärte Schüler auf Anfrage. Eine Furt wäre auch sehr viel billiger als eine Brücke für Fahrzeuge von 18 Tonnen.

Grasl lehnt diese Idee komplett ab: „Kommt nicht in Frage. Da müssen unter Umständen auch RTW und Notarzt durchfahren.“ Wenn einerseits über Wasserschutz diskutiert werde, könne man Fahrzeuge nicht durch den Bach schicken. Heidinger sieht die Idee ebenfalls kritisch. „Ich weiß nicht, wie man sich das vorstellen soll. Was ist bei Hochwasser?“

Erkundigungen seit der Beratung vor einem Jahr

Seit der Beratung vor einem Jahr im Ausschuss hat die Stadt die Lage eruiert. Es gab Erkundigungen im Landratsamt seitens des Rathauses, was beide Behörden bestätigen. Eine planerische Untersuchung der Durchführbarkeit und wasserrechtlichen Genehmigungsfähigkeit sei durch die Stadtverwaltung angestoßen worden, erklärte Rathaussprecherin Lena Choi.

Dem Stadtrat wollte die Verwaltung die Sache vorlegen, wenn der Feuerwehrbedarfsplan vorliegt – 2021. Der Stadtrat müsste dann auch entscheiden, was Priorität haben soll.

ike

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