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Buchsbaumzünsler selten: „Inzwischen fressen Spatzen die Larven“

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Von: Stefan Reich

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Heuer kaum gesichtet: die Raupen des Buchsbaumzünslers. Ein Grund könnte sein, dass es kaum noch Buchsbaum gibt.
Heuer kaum gesichtet: die Raupen des Buchsbaumzünslers. Ein Grund könnte sein, dass es kaum noch Buchsbäume gibt. © Peter Kneffel/dpa

Der Buchsbaumzünsler, der immense Schäden verursachen kann, wird heuer selten im Landkreis gesichtet. Über die Tierchen und die Pflanze, auf der sie zugange sind.

Landkreis – Oft sind sie winzig, doch der Schaden kann immens sein: Wenn eingeschleppte Insektenarten beginnen, sich breit zu machen, läuten bei Naturschützern, Forstwirten und Gärtnern die Alarmglocken. Das war so, als sich in oberbayerischen Wäldern der asiatische Laubholzbockkäfer ausbreitete und auch, als der Buchsbaumzünsler auftauchte. Doch obwohl das Wetter in diesem Jahr eigentlich ideale Vermehrungsbedingungen für den in den 2000er-Jahren aus Asien eingeschleppten Falter bietet, scheint der Landkreis verschont zu bleiben.

„Es ist trocken und warm, also eigentlich ideal für die Verpuppung der Larven“, sagt Jürgen Ehrhardt, Fachberater für Gartenkultur und Landespflege im Starnberger Landratsamt. „Aber ich gehe davon aus, dass es kein erhebliches Potenzial für Schäden gibt.“ Sonst hätte er jetzt wohl schon etliche Anrufe von betroffenen Gartenbesitzern erhalten.

Der Buchsbaumzünsler legt seine Eier in Buchsbaum-Hecken ab, an der Unterseite der Blätter. Die Raupen fressen dann nach dem Schlüpfen Blätter und Triebe ab, bevor sie sich verpuppen. 2006 wurde der Zünsler erstmals in Deutschland beobachtet. 2010 gab es in Franken die erste Sichtung in Bayern. Im Jahr 2018, damals gab es ebenfalls einen heißen und trockenen Sommer, richteten die Raupen des Zünslers auch im Landkreis Starnberg Schäden an – in Tutzing und Herrsching, im nördlichen Fünfseenland, im westlichen Landkreis und im Würmtal.

Zahlreich wandten sich Betroffene damals ratsuchend an Ehrhardt, ebenso im Jahr 2019. Nun, drei Jahre später, ist der Experte fast ein wenig überrascht, dass der Zünsler offenbar höchstens punktuell auftritt. Den einen oder anderen geschädigten Buchs hat er gesehen. Anfragen von betroffenen Gartenbesitzern habe er heuer aber noch gar nicht erhalten. „Populationsdynamiken sind nicht wirklich vorhersagbar“, stellt Ehrhardt lapidar fest. Ein paar Erklärungsansätze hat er aber zumindest.

„Der Buchsbaumzünsler hatte in Europa zunächst keine Fressfeinde“, sagt Ehrhardt. „Inzwischen gehen aber Spatzen in den Buchs und fressen die Larven.“ Und, vielleicht entscheidender: „Es gibt auch schlicht immer weniger Buchsbaum, in den die Zünsler ihre Eier legen können.“ Auf vielen Friedhöfen sind die Buchsbaum-Einfassungen inzwischen durch andere Pflanzen ersetzt. „Da werden beschädigte Pflanzen schon aus ästhetischen Gründen gleich rausgenommen“, berichtet Ehrhardt. Und auch viele private Gartenbesitzer haben sich vom Buchsbaum verabschiedet.

Aber nicht alle können sich vom geliebten Buchs trennen, auch nicht bei Zünslerbefall. Ehrhardt kann das verstehen. „Der Buchsbaum ist ein wichtiges Ziergehölz. Er hat als Einfassung in Bauerngärten seinen Reiz. Er lässt sich gut in Form schneiden, etwa zu imposanten Kugeln. Einen teils über Generationen gewachsenen Buchsbaum-Garten zu ersetzen, ist schwer und teuer.“

Entdeckt man den Befall frühzeitig, besteht auch noch die Chance auf Rettung. „Wenn nur die Blätter angefressen sind, kann sich der Buchs erholen“, sagt Ehrhardt. Zuerst müssen aber die Raupen raus, sie müssen entweder von Hand abgesammelt oder mit einem scharfen Wasserstrahl rausgespritzt werden. Am besten breitet man vorher eine Folie unter den Pflanzen aus. „Alle zu erwischen, ist aber nicht ganz einfach. Sie sitzen oft tief drin in der Pflanze.“ Gift sei keine Option, sagt Ehrhardt. Für Haus- und Kleingärten gebe es gar keine zugelassenen Präparate mehr.

Sind die Raupen raus, braucht die Pflanze viel Wasser und ordentlich Laubholz-Dünger. Sind bereits die Triebspitzen angefressen, hilft aber in der Regel alles nichts mehr. Zerkleinern und dann über die Grüngutsammelstellen auf den Wertstoffhöfen entsorgen, lautet der Expertenrat. Auf den Kompost dürfen die Pflanzenreste nicht, das würde die Vermehrung nur befördern.

War nach der überraschend geringen Verbreitung in diesem Sommer der in den vergangenen Jahren vielfach zu hörende Abgesang auf den Buchsbaum vielleicht etwas verfrüht? Vielleicht, sagt Ehrhardt. „Aber Unsummen würde ich in Buchs nicht mehr investieren.“ Denn Trockenheit vertrage die Pflanze auch nicht besonders gut. Aufgrund des sich verändernden Klimas müsse man „leider in vielen Punkten im Garten“ langsam umdenken.  

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