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Gegen den Flächenverbrauch: Kreisvorsitzender Günter Schorn, Landesvorsitzender Richard Mergner und die Gautinger Ortsvorsitzende Jutta Kreuzer protestieren inmitten von Mitgliedern des Bund Naturschutz gegen das Gewerbegebiet ím Unterbrunner Holz. 

Bund Naturschutz

„Anschlag auf die Kulturlandschaft“

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Im kommunalen Wettkampf um Gewerbesteuereinnahmen schießen Gewerbegebiete aus dem Boden, wohin man nur sieht. Dagegen will der örtliche Bund Naturschutz vorgehen. Er hofft dabei auf das Volksbegehren gegen Flächenverbrauch.

Landkreis – Blühende Wiesen, prächtige Wälder und zwitschernde Vögel – solche Eindrücke werden angesichts des grassierenden Flächenverbrauchs in Bayern nach Ansicht des Bund Naturschutz (BN) immer seltener. Auch im Landkreis schießen zahlreiche Gewerbegebiete aus dem Boden, etwa das Gewerbegebiet Wieling bei Feldafing oder der Astopark in Gilching. Am Pöckinger Schmalzhof und im Unterbrunner Holz bei Gauting sind zudem zwei weitere Gewerbegebiete geplant. Während die Erschließung des Grundstücks am Pöckinger Schmalzhof schon beschlossene Sache ist, müssen die Grundstückseigentümer am Unterbrunner Holz, einige Landwirte sowie die Bayerischen Staatsforsten, dem Verkauf ihrer Grundstücke an die Investoren erst noch zustimmen. Das versucht der Bund Naturschutz im Landkreis Starnberg zu verhindern.

„In den letzten Jahrzehnten wurde der Flächenverbrauch ein stetig wachsendes Problem“, erklärt Constantia Rosendorfer vom BN Gauting. Die zunehmende Umwandlung von Landschaftsflächen in gewerblichen Baugrund hänge einerseits mit dem Bevölkerungswachstum und Zuzug zusammen. „Der Flächenverbrauch ist auch deshalb so extrem, weil versucht wird, in einem regelrechten kommunalen Kannibalismus Gewerbesteuereinnahmen zu bekommen“, erklärt Richard Mergner, seit Kurzem bayerischer BN-Landesvorsitzender. Weil die Gemeinden auf Gewerbesteuereinnahmen hoffen, genehmigen sie die Errichtung der Gewerbegebiete, obwohl dadurch sowohl Erholungsraum für die Bevölkerung als auch wichtiger Lebensraum für Tiere und Pflanzen zerstört wird. So geschehen aus Sicht des BN zum Beispiel im Feldafinger Gewerbegebiet Wieling. Inmitten von Wiesen und Feldern störe ein etwa acht Hektar großes Gebilde aus Betonbauten die ländliche Idylle. „Es ist ein Anschlag auf die bayerische Kulturlandschaft“, sagt Mergner.

„Diese Bodenfläche ist unsere Heimat“

So wie in Wieling soll es am Unterbrunner Holz in Gauting nicht aussehen, sind sich die Mitglieder des Bund Naturschutzes einig. Auch dort ist, direkt neben dem Gilchinger Astopark, ein neues Gewerbegebiet geplant. Dafür würden etwa 60 Hektar Boden versiegelt werden, heißt es in einer Mitteilung des BN – davon seien mindestens 30 Hektar Wald. „Wir appellieren an die Grundstückseigentümer, hier nicht zu verkaufen“, erklärt Mergner. „Wir werden auch eine Petition an den Landtag nutzen, um dieses Gewerbegebiet aufzuhalten“, ergänzt Günter Schorn, BN-Kreisvorsitzender. In offiziellen Angaben der Gemeinde Gauting ist ebenfalls von 60 Hektar die Rede, allerdings auch von 34 Hektar Bannwaldersatzfläche. Der BN jedoch hat generell Zweifel, dass Ausgleichsflächen in vollem Umfang realisiert werden.

Beide hoffen außerdem, dass das von der Partei Bündnis 90/Grüne initiierte Volksbegehren „Betonflut eindämmen – damit Bayern Heimat bleibt“ vom Verfassungsgerichtshof anerkannt wird und danach genügend Unterschriften gesammelt werden. „Diese Bodenfläche, die hier versiegelt werden soll, ist unsere Heimat. Wir zerstören sie, ohne darüber nachzudenken“, sagt Jutta Kreuzer, Vorsitzende des BN Gauting. „Aber mit allen Gewerbesteuereinnahmen der Welt können wir uns keine gute Luft, keine Gesundheit und kein Heimatgefühl kaufen.“

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