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Kenner der Pflanzen: Thomas Lenz (r.) führte mehr als ein Dutzend Interessierte durch die Pflanzenwelt zwischen Wasserwerk und Wildem Kaiser. Ein bisschen Geschichte gab es obendrauf. 

Bund Naturschutz startet wieder Exkursionen

Von Kräutern, Gold und Schmetterlingen

Pflanzen, Kräuter, Schmetterlinge - die Natur rund um Söcking konnten Teilnehmer bei der Führung des Bundes Naturschutz kennenlernen. Es war die erste nach der Corona-Pause. 

Söcking – Brennnesseln zur Blutreinigung, Spitzwegerich gegen Insektenstiche oder Salbei für das perfekte Essen – das klingt ziemlich nützlich. Und das Beste: All diese Pflanzen wachsen direkt vor der Haustür. Bei einer zweistündigen Wanderung durch die Maisinger Schlucht am Sonntag gab der naturkundige Starnberger Thomas Lenz (62) vom Bund Naturschutz (BN) einen Einblick in die heimische Flora und Fauna.

„Das Wetter ist uns hold“, begrüßte Lenz die 14 Teilnehmer jeden Alters. Es war die erste Veranstaltung der Starnberger Kreisgruppe seit der Corona-Krise. „Ich freue mich, dass so viele heute dabei sind. Das Interesse an der Natur wächst, aber die Kenntnis über die Arten schwindet.“ Dass sei besonders schade, da immer mehr Arten vom Aussterben bedroht sind. „Die Hälfte der Wiesenvögel, wie etwa der Kiebitz oder die Wachtel, sind auf der Roten Liste. Sogar die Blumenwiesen selbst stehen mittlerweile unter Naturschutz“, erklärte Lenz. Er ist Lehrer an der Montessorischule in Starnberg und gibt seit sieben Jahren Führungen für den Bund Naturschutz. Seit 40 Jahren ist er Mitglied. Sein Wissen hat er sich selbst beigebracht. „Ich kann Vögel allein durch ihren Klang erkennen“, erzählte Lenz.

Die Führung startete am Wasserwerk, führte durch das Tal des Maisinger Bachs bis hoch zum Söckinger Wilden Kaiser. Einige Teilnehmer hatten Bestimmungsbücher dabei. „Es ist schön zu wissen, was hier wächst“, sagte die 26-jährige Antonia Kreitner. „Man läuft dann viel aufmerksamer durch die Wiesen.“ Ähnlich sieht das Renate Adamietz: „Ich war oft mit meinen Kindern in der Natur unterwegs und wollte schon immer die Pflanzen kennen. Bei dem tollen Wetter ist das eine schöne Wanderung.“ So lernten die Wanderer nicht nur, dass roher Holunder giftig ist und die Brennnessel den Blutzucker senkt, sondern auch Geschichtliches. Vor 4000 Jahren habe man schon Schafgarbe als Grabbeilage verwendet, erzählte Lenz. „Und im Mittelalter haben sie gedacht, dass der Pestwurz gegen die Pest hilft – was sich nicht bewahrheitet hat.“

Ein bisschen Pflanzen-Geschichte schadet nie

Interessant ist auch die Geschichte des Frauenmantels – eine kleine fächerartige Grünpflanze, an deren Spitzen sich Wasserperlen sammeln. „Die Alchemisten haben gedacht, dass man aus dem Frauenmantel Gold machen kann“, sagte Lenz. „Wegen der Wasserperlen.“

Lenz ist froh über die zahlreichen Biotope und die noch vorhandene Artenvielfalt in Starnberg. Dennoch fehlt ihm ein besonderes Insekt: der Schmetterling. „Ich freue mich über jeden, der vorbeifliegt“, sagte er. „Vor sieben Jahren habe ich eine spezielle Schmetterlingsart zuletzt hier gesehen.“ Das Aussterben habe viele Gründe, unter anderem heiße Sommer, die daraus resultierenden Dürreperioden oder die Bearbeitung der Wiesen durch den Menschen. Lenz ist froh, etwas für die Natur machen zu können. Gemeinsam mit den anderen Mitgliedern des BN pflegt er Wiesen, hilft beim Mähen und klärt andere über die Arten auf. „Sonst würde es die Wiesen so nicht mehr geben“, sagte Lenz.

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