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Gut besucht trotz Backofenhitze: Zum Glück ist der kleine Saal der Schlossberghalle klimatisiert. Rund 150 Zuhörer waren gekommen, um die Debatte mit den meisten Bundestagskandidaten zu verfolgen. 

Bundestagswahl 2017

Der Tunnel und der unbedeutende Rest

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Die STAgenda 21 hatte die Bundestagskandidaten eingeladen, sich den Fragen der Zuschauer zu stellen. Die Resonanz auf und vor dem Podium war gut, nur das Konzept der Veranstaltung überzeugte leider nicht.

Starnberg – Im Wahlkampf alle Kandidaten fair zu behandeln, ist keine triviale Angelegenheit. Deswegen hatten sich Moderatorin Erika Schalper und Barbara Winkler von der STAgenda im Vorfeld der Fragerunde mit den Bundestagskandidaten am Dienstagabend in der Schlossberghalle auch viele Gedanken gemacht. Alle sollten zu Wort kommen, keiner einen Vor- oder Nachteil haben.

Zumindest diese Ziele erreichten sie mit der gewählten Form der Veranstaltung. Allerdings auf Kosten eines echten Erkenntnisgewinns bei den Zuschauern. Man hatte sich im Vorfeld darauf verständigt, dass die Besucher ihre Fragen schriftlich festhalten und in einen Korb werfen. Aus diesem Korb konnten die Kandidaten dann im Wechsel eine Frage ziehen, die sie beantworten konnten, aber nicht mussten. „Wenn Sie nicht mögen, können sie auch über ein Thema reden, das Ihnen am Herzen liegt“, sagte Erika Schalper zu Beginn der Veranstaltung. Das sorgte nicht nur bei den rund 150 Zuschauern im kleinen Saal der Schlossberghalle für Verwunderung. Immer wieder fischten Kandidaten Fragen aus dem Korb, die an andere Bewerber gerichtet waren. Immer wieder wurden spannende Themen angeschnitten, zu denen man durchaus gern die Meinung aller gehört hätte, die dann allerdings schnell versandeten.

Vieles blieb inhaltlich beliebig

So blieb bei der Podiumsdiskussion vieles inhaltlich sehr beliebig. Da erklärte der Kandidat der Freien Wähler, Harald von Herget, dass man „Bäume, Wiesen und Gräser nicht digitalisieren“ könne und dass er die gleichgeschlechtliche Ehe ablehne, „weil ich als Markenrechtler weiß, dass unterschiedliche Dinge unterschiedliche Namen brauchen. Wenn Homosexuelle heiraten wollen, dann sollen sie sich dafür einen eigenen Namen überlegen“. Auch AfD-Kandidat Martin Hebner erntete ungläubiges Kopfschütteln, als er sich öffentlich von den rechtsextremen Umtrieben des Thüringer AfD-Landeschefs Björn Höcke distanzierte. Und dabei mit keinem Wort erwähnte, dass er selbst mit André Poggenburg den anderen Vordenker des rechtsnationalen und völkischen Flügels der AfD erst vor wenigen Wochen nach Gilching eingeladen hatte.

Einige Erkenntnisse konnten die Zuschauer aber dann doch gewinnen. Zum Beispiel die, dass ausschließlich die FDP-Kandidatin Britta Hundesrügge deutlich Front gegen die AfD und ihren Bewerber Hebner machte. Was in der Folge zu einigen Kabbeleien zwischen den beiden Politikern führte, die direkt nebeneinander saßen.

Natürlich ging es wieder um den B2-Tunnel

Statt dessen wurde – auch weil zahllose nahezu gleichlautende Fragen ins Körbchen geworfen worden waren – wieder einmal sehr umfassend über den B2-Tunnel in Starnberg gesprochen. So war Hundesrügge die einzige, die klar einräumte, dass „ich gegen den Bau des Tunnels bin, weil er den Verkehr in die Stadt zieht, statt ihn wie in den meisten anderen Gemeinden um sie herumzuführen“.

Ganz anders der CSU-Kandidat Michael Kießling. der Starnbergs Bürgermeisterin Eva John, die kurz im Saal vorbeischaute, ins Gebet nahm: „Wenn eine demokratische Entscheidung getroffen wurde, dann ist der Bürgermeister auch gezwungen, diesen Weg zu Ende zu gehen.“ Er sei selbst Bürgermeister und müsse auch ab und an Entscheidungen umsetzen, hinter denen er nicht stehen würde: „So ist halt die Demokratie.“ Auch Kerstin Täubner-Benicke von den Grünen sprach sich für den Tunnel aus: „Es ist keine optimale Lösung, aber die einzige, die wir den Starnbergern anbieten können.“ Ähnlich äußerte sich auch der SPD-Kandidat Christian Winklmeier aus Gilching.

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