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Ärgert sich über die neue Verkehrssituation an der Andechser Straße in Söcking: Anwohnerin Gabi Zimmermann sieht keinen Sinn in der Maßnahme der Stadt, die Bushaltestellen zu verlegen.

Umstrittene Maßnahme der Stadt

Bushaltestelle in Söcking verlegt: Anwohner und Polizei sorgen sich, Geschäftsleute freuen sich

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Die Verlegung der Bushaltestelle „Söcking Mitte“ an der Andechser Straße ist umstritten: Anwohner und Polizei sorgen sich um die Sicherheit von Fahrgästen, Geschäftsleute freuen sich über mehr Parkplätze.

Söcking– Als Gabi Zimmermann eines Tages von der Arbeit nach Hause kam, hatte sie eine Bushaltestelle vor der Nase. Beziehungsweise vor dem eigenen Grundstück. „Keiner hat uns was gesagt, das ist schon dreist“, findet die 53-Jährige. Seit ihrer Geburt lebt sie in einem Haus an der Andechser Straße in Söcking. Die Fakten: Die Stadt Starnberg hat kürzlich die Bushaltestelle „Söcking Mitte“ auf beiden Straßenseiten um etwa 30 Meter in die Richtung der Kreissparkasse verlegt. Die Bucht für den Bus, der Richtung Starnberg fährt, ist weggefallen. Als solche war sie von vielen Busfahrern ohnehin nicht genutzt worden – sondern mehr von Autofahrern als Parkplatz.

Anwohnerin Zimmermann sieht sich nicht nur als Betroffene, die nun beim Ausparken auf Busfahrgäste achten muss oder nicht weiß, wie das jetzt im Winter mit dem Schneeräumen auf dem Gehweg an ihrem Grundstück geregelt wird. Sie sieht auch einfach keinen Sinn in der Maßnahme der Stadt. „Die Haltestelle ist näher an der Kurve und die Verkehrssituation damit unübersichtlicher. Schulkinder stehen bald nicht mehr hinter der Busbucht, sondern direkt an der Straße.“ Die neue Haltestelle auf ihrer Seite liege genau zwischen Ausfahrten einer Garage und einer Tiefgarage.

Verkehrspolizist: „Ich habe mich sehr deutlich dagegen gewehrt.“

Ebenso verärgert wandte sich eine 56-jährige Söckingerin an die Redaktion. Sie sei mit ihrem zweijährigen Enkel im Kinderwagen unterwegs gewesen: „Am Gehsteig wartete ein älterer Herr mit Koffer. Ich musste auf diese megagefährliche Andechser Straße ausweichen“, berichtet sie. Sie habe „fast einen Herzinfarkt“ bekommen und deshalb gleich die Polizei informiert.

Weil die Stadt die Polizei bei derartigen Vorhaben um eine Einschätzung bitten – sich aber nicht daran halten – muss, weiß Verkehrssachbearbeiter Oliver Jauch seit Anfang des Jahres von der geplanten Verlegung. „Ich habe mich sehr deutlich dagegen gewehrt. Es kann nicht sein, dass man alles mit der Schulwegsicherheit begründet – dann aber so eine Maßnahme trifft.“ Ursprünglich habe die Stadt die Haltestellen noch weiter Richtung Luitpoldstraße verlegen wollen.

Stadt-Sprecherin Lena Choi nennt mehrere Gründe für den Schritt. Die Haltestelle in Fahrtrichtung Perchting liege zu nah an der Ampel. Busgäste hätten vor privaten Garagen gewartet. Die Busbucht sei zu schmal und zu kurz, außerdem gebe es keine geeignete Bordsteinkante zum Einstieg. Gefahr für Grundschüler bestehe nicht: Für sie wurde bereits eine eigene Haltestelle direkt vor der Schule an der Kempterstraße eingerichtet.

Wunsch von Anlieger? Bürgermeisterin dementiert das

Die Verlegung der beiden Haltestellen sei in Abstimmung mit Polizei und Landratsamt erfolgt – auch weil ein barrierefreier Zugang zur Kirche St. Stephan angelegt werden soll. Landratsamtssprecher Stefan Diebl kann das so nicht bestätigen: „Wir wussten nur von der Verlegung der Haltestelle gegenüber der Busbucht“, sagt er. Mehr könne er zu der Angelegenheit der Stadt nicht sagen.

Glücklich mit der neuen Situation ist Regine Plochmann-Paulitsch, die in dem Bereich ein Kosmetik-Studio betreibt. Die vielen Geschäftsleute und ihre Kunden könnten jetzt ganz offiziell in der Busbucht parken. Dass in Wahrheit der Wunsch eines Anliegers hinter der Maßnahme steckt, das hat Gabi Zimmermann bei ihren Nachforschungen gehört. „Das geht ja gar nicht“, findet die Anwohnerin. Dass es einen „Antrag aus der Andechser Straße“ gab, sagt auch Verkehrspolizist Oliver Jauch.

Bürgermeisterin Eva John dementiert, dass die Stadt jemandem aus der Bevölkerung einen Wunsch erfüllt. Klar sei, dass ganz Starnberg nach Parkplätzen schreie. Die dafür genutzte Busbucht liege aber auf Privatgrund. Laut Sprecherin Choi sind die Haltestellen im Rahmen einer routinemäßigen Überprüfung als besonders mängelbehaftet aufgefallen.

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