Naturschützer wandern: Dr. Ursula Lauer (2. v. r), Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen das geplante Gewerbegebiet in Schorn, und Günter Schorn (r.), Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, informierten die Interessierten über ihre Kritikpunkte.
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Naturschützer wandern: Dr. Ursula Lauer (2. v. r), Vorsitzende der Bürgerinitiative gegen das geplante Gewerbegebiet in Schorn, und Günter Schorn (r.), Kreisvorsitzender des Bund Naturschutz, informierten die Interessierten über ihre Kritikpunkte.

Geführte Wanderung

„Campus Schorn ist ein Klimakiller“: Naturschützer bündeln Argumente gegen Gewerbegebiet

Ihre sämtlichen Kritikpunkte am geplanten Gewerbegebiet in Schorn kamen nun bei einem Ortstermin von Naturschützern zur Sprache. Ein Fazit: „Der Campus Schorn ist ein Klimakiller.“

Schorn – Es war ein heißer Tag, an dem eine Gruppe von Umweltschützern kürzlich durchs Schorner Tal wanderte. Aber es sei dennoch erträglich für die Engagierten gewesen, berichtet Organisatorin Dr. Ursula Lauer – wegen des kühlen Luftstroms, erzeugt von den umliegenden Wäldern. Ein Phänomen, das es laut der Diplom-Biologin und Vorsitzenden der Bürgerinitiative Schorn (BI) nicht mehr gibt, wenn das auf 47 Hektar geplante Gewerbegebiet „Campus Schorn“ gebaut wird.

„Die Gebäude und Flächenversiegelungen würden den Kaltluftstrom zum Erliegen bringen, und das durch Rodung von Laubwald freigesetzte CO2 sowie die erwarteten Emissionen in der späteren Betriebsphase würden den Klimawandel weiter anheizen“, schrieb Lauer in einer Pressemitteilung kurz nach der Wanderung. Ihr Fazit: „Das Vorhaben Campus Schorn ist ein Klimakiller!“

Die BI hatte den politischen Ausflug unter dem Motto „Wandern gegen Flächenfraß“ gemeinsam mit dem Bund Naturschutz (BN) veranstaltet. In jener landschaftlichen Idylle, wo mindestens 3000 Arbeitsplätze entstehen sollen. Vor Ort sprachen die Naturschützer sämtliche damit einhergehende Umweltprobleme an, die sie schon lange beschäftigen. Da wäre das Thema Grundwasser: „Das Vorhaben liegt im abstromigen Bereich des Grundwasserleiters, der die Brunnen im Forstenrieder Park der Stadt München speist“, schreibt Lauer in der Mitteilung. Versickerung von Oberflächenwasser gefährde das Grundwasser, und beim Bauen würde Oberboden abgetragen, abtransportiert, umgelagert und somit zerstört. Auch die umliegenden Brunnen Wangen und Schäftlarn wären betroffen.

„Der biologischen Vielfalt und dem Artenschutz wird nicht Rechnung getragen.“

Der nächste Kritikpunkt laut Lauer: „Der biologischen Vielfalt und dem Artenschutz wird nicht Rechnung getragen.“ Gutachter von BI und BN hätten 179 Brutvogelpaare aus 39 Arten im Plangebiet nachgewiesen. 31 Prozent davon seien als gefährdet oder prekär einzustufen. Dazu kämen Blindschleichen, Zauneidechsen, Fledermäuse oder Schmetterlinge, für die Schorn Lebensraum ist.

Die Planung stehe der Neufassung des Bayerischen Naturschutzgesetzes entgegen, in dem in Artikel eins von der „dauerhaften Sicherung und Entwicklung der Artenvielfalt in Flora und Fauna“ die Rede ist. Deshalb halten Lauer und ihre Mitstreiter wie BN-Kreischef Günter Schorn auch nichts von der angedachten Aufforstung als Ausgleich für den Bannwald. Dies sei aus ökologischer Sicht unsinnig. Denn offenes Grünland sei ein Nahrungsbiotop für Vögel inklusive Raubvögel, Fledermäuse oder etwa den Feldhasen.

Abgesehen davon solle das bestehende Starnberger Gewerbegebiet an Moos- und Petersbrunner Straße erst einmal komplett ausgenutzt werden, bevor man in Schorn plane. „Es gibt bisher weder eine Verkehrsanbindung noch irgendeine Erschließung. Alles müsste extra neu geschaffen werden“, so Lauer. Darüber hinaus kritisierte die Gruppe auf der geführten Wanderung die Wirtschaftlichkeit des geplanten Projekts. Lauer: „Die Firmen, an die gedacht wird, sind keine Starnberger Unternehmen, das heißt ein ,return of invest‘ ist äußert fraglich. Am Ende zahlen die Starnberger auf Jahrzehnte hinaus die Folgekosten dieser Fehlplanung mit ihren Steuergeldern.“

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