Besorgt über den Umgang: Claudia Roth, Vizepräsidentin des Bundestages.
+
Claudia Roth (Grüne) machte vor der Bundestagswahl Station in Starnberg.

Bundestagsvizepräsidentin und Merkel-Parodie

Claudia Roth zu Besuch in Starnberg

  • Stephan Müller-Wendlandt
    VonStephan Müller-Wendlandt
    schließen

Das Grüne Urgestein Claudia Roth hat in Starnberg bei einer Veranstaltung mit Bundestagskandidatin Martina Neubauer vor weniger Zuhörern als erwartet gesprochen.

Starnberg – Für Claudia Roth war es ein Wahlkampfmarathon kurz vor der Zielgeraden: Die Vizepräsidentin des Berliner Parlaments war am Samstag in heimischen Gefilden unterwegs. Nach einigen Terminen kam sie gegen Mittag im Wahlkreis und bei Bundestagskandidatin Martina Neubauer an. Der Tag endete am Abend mit einer „Townhall“-Veranstaltung in Starnberg.

Bundestagswahl 2021: Claudia Roth (Grüne) besucht Starnberg - Merkel-Parodie sorgt für Lacher

Von Müdigkeit konnte bei der 66-Jährigen keine Rede sein. „Mit 66 Jahren fängt das Leben ja erst an“, meinte sie. Ihr Elan wurde auch nicht durch die Tatsache gebremst, dass die Erwartungen des Grünen-Ortsverbands Starnberg hinsichtlich der Publikumsresonanz enttäuscht wurden. 120 Personen hätten die Veranstalter in dem großen Saal begrüßen dürfen. Diese Quote wurde nicht einmal zur Hälfte erfüllt. „Das lässt sich leider nicht beeinflussen“, meinte die Kreisvorsitzende Kerstin Täubner-Benicke achselzuckend.

Claudia Roth vor der Bundestagswahl kämpferisch

Roth präsentierte sich in ihrem mittlerweile elften Bundestagswahlkampf eloquent und kämpferisch wie eh und je. Das Publikum dankte es mehrfach mit begeistertem und zustimmendem Beifall. Dem Redefluss musste Kreisvorsitzender Reinhard von Wittken als Moderator einige Male mit Blick auf die fortgeschrittene Zeit Einhalt gebieten. Für Stimmung sorgte auch das Musikkabarett „Zum blauen Veilchen“. Das Trio mit Songschreiberin Sybille Engels, Gitarrenvirtuose Jank Jankovic und Monica Calla reizte die Lachmuskeln der Zuhörer mit Ausschnitten aus seinem abendfüllenden Programm. Zwischenapplaus erntete Calla mit ihrer Angela-Merkel-Parodie. Darin bandelt die verrentete Kanzlerin mit den Grünen an, „weil ich in einer Partei sein möchte, die die Frauen fördert“.

+++ Alle Infos zur Bundestagswahl, Bayern-Umfragen vor der Wahl und Ergebnisse am Wahltag finden Sie in unserem großen Überblicksartikel zur Bundestagswahl in Bayern. Alle Direktkandidaten und den genauen Zuschnitt des Wahlkreises Starnberg hier. Wie der Wahlkreis gewählt hat, erfahren Sie am Wahl-Sonntag auf einen Blick +++

Klimaschutz: Grüne sehen Bundestagswahl als Richtungsentscheidung

Thematisch lieferte Neubauer die Steilvorlagen. Der anstehende Urnengang sei eine Klimawahl: „Wer besetzt dieses Thema besser und glaubwürdiger als die Grünen?“ Ihren Fokus richtete Neubauer auch auf die „lange in Vergessenheit geratene Kultur- und Kreativwirtschaft.“ Das kulturelle Leben sei eine Pflichtaufgabe und keine freiwillige Leistung, wie viele Kommunalpolitiker argumentierten. Roth untermauerte Neubauers Aussagen. In der Klimakrise seien „unvorstellbare Szenarien, die uns in Katastrophenfilmen als Illusionen vor Augen geführt werden, wahr geworden“, sagte sie: „Wir haben keine Sekunde mehr Zeit zum Handeln.“

(Übrigens: Alle Entwicklungen und Ergebnisse zur anstehenden Bundestagswahl aus Ihrer Region sowie alle anderen wichtigen Geschichten aus der Region Starnberg gibt‘s jetzt auch in unserem regelmäßigen Starnberg-Newsletter.)

Claudia Roth (Grüne) zitiert Brecht: Demokratie ist nicht immun, findet sie

Die Bundestagsvizepräsidentin erinnerte an einen Satz von Bertolt Brecht, den sie bei einer früheren Wahlkampf-Kampagne auf ihren Plakaten verwendet habe und der heute aktueller sei als damals: „Ändere die Welt, die braucht es.“ Sorgen bereitet Roth der Umgang der Menschen untereinander. „Unsere Demokratie ist nicht immun“, behauptete sie. Als Beleg führte sie nicht nur den „unfassbaren Anschlag auf das Capitol in Washington“ ins Feld. Verwerfungen hätten auch im Bundestag Platz gegriffen, „der Herzkammer unserer Demokratie“. Roth meinte damit konkret die AfD und deren „Strategie der Entgrenzung der Sprache“. Diffamierungen und sprachliche Entgleisungen seien auch im aktuellen Wahlkampf festzustellen. Ihrem Starnberger Publikum rief Claudia Roth zu: „Wählen Sie demokratisch“, und fügte nach einer kurzen Pause hinzu: „Am besten Grün.“  (mül)

Auch interessant

Mehr zum Thema

Kommentare