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Erst war es der Corona-Test, jetzt ist der Antikörpertest: Die Ärzte im Landkreis verzeichnen eine verstärkte Nachfrage. Die Tests sind allerdings meist negativ.

Antikörpertests stark nachgefragt

Corona im Landkreis: Von Durchseuchung weit entfernt

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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Seit sechs Tagen sind keine Neuinfektionen mit dem Coronavirus im Landkreis bekannt geworden, und auch vorher war die Lage schon entspannt. Indes steigt in den Arztpraxen die Nachfrage nach Antikörpertests. Nach aktuellem Stand scheint der Grad der Durchseuchung aber recht niedrig zu sein.

Landkreis– Er selbst habe bereits zahlreiche Antikörpertests durchgeführt, berichtet Dr. Bernhard Junge-Hülsing, niedergelassener HNO-Arzt in Starnberg. „Ich habe aber noch niemanden positiv getestet, der nicht vorher auch Corona-positiv war“, fügt er hinzu. Und die aktuell verfügbaren Bluttests auf Antikörper hätten eine Genauigkeit von über 99 Prozent.

In der Zeit des Katastrophenfalls war Junge-Hülsing Versorgungsarzt für den Landkreis. Als solcher arbeitete er im Landratsamt mit, sein Amt war an die örtliche Katastrophenschutzbehörde angebunden. Ihm oblag es unter anderem, eine ausreichende Versorgung mit ärztlichen Leistungen und entsprechender Schutzausrüstung sicherzustellen. Dadurch bekam Junge-Hülsing auch tiefere Einblicke in den Verlauf der Pandemie. Derzeit schätzt er die Durchseuchung der Bevölkerung im Landkreis, also die Zahl der Menschen, die das Virus bereits hatten und dauerhaft oder vorübergehend Antikörper gebildet haben, auf unter fünf Prozent. Damit tragen – anders ausgedrückt – rund 130 000 Landkreis-Bewohner noch keine Antikörper in sich.

Mehr Antikörpertests als Corona-Abstriche

Drei bis fünf Personen lassen sich täglich bei Junge-Hülsing auf Antikörper testen. Abstriche zum Nachweis des Coronavirus’ seien hingegen kaum noch gefragt, obwohl inzwischen die Krankenkasse dafür zahle, sagt er. Davon mache er vielleicht noch ein, zwei pro Tag. Zu Hochzeiten der Pandemie waren es etwa zehn täglich.

Auch Dr. Stephan Huber, Facharzt für Allgemeinmedizin in Herrsching, beobachtet eine zunehmende Nachfrage nach Antikörpertests. Zu der Selbstzahlerleistung, die mit 40 Euro zu Buche schlägt, entschieden sich die Leute „aus ganz unterschiedlichen Motivationen“, sagt Huber. Auf Corona habe er hingegen seit fünf Wochen niemanden positiv getestet und auch keine Fälle zur Testung vom Landratsamt zugewiesen bekommen. Hubers Gemeinschaftspraxis ist eine derer, die die Testung nach Schließung der Drive-In-Teststationen übernommen haben.

Ähnlich wie eine Drive-In-Teststation testet auch Dr. Felizitas Leitner in Weßling nach der offiziellen Sprechstunde ihre Patienten. Sie oder ihre Kollegin kommen in Schutzkleidung aus der Praxis raus zu den Patienten, die im Auto bleiben können. Am Tag seien es inzwischen jedoch maximal ein bis zwei Fälle. Die Nachfrage nach Antikörpertests sei hingegen mindestens doppelt so hoch. Leitner warnt jedoch davor, sich bei positiven Tests auf Antikörper in falscher Sicherheit zu wähnen. Ein solcher Test sei noch kein Beweis für eine Immunität, auch wenn das wahrscheinlich sei.

Tests können falsch negativ oder falsch positiv ausfallen

Außerdem gebe es Fehler in den Tests, sodass Menschen falsch negativ oder falsch positiv auf Antikörper getestet werden, „weil es eben ein Coronavirus ist“, so Leitner. Der Test könne auch auf andere Viren der Virusfamilie ansprechen. „Das kennt man von anderen Tests.“ Für eine statistische Erhebung im Rahmen einer Studie sei das nicht so schlimm, dort könne man die Fehlerquote rausrechnen. Für den Einzelfall hingegen schon. Testen lassen sich bei Leitner insbesondere „Menschen, die voll im Leben stehen“, also die Altersgruppe 40 bis 60, die etwa aus beruflichen Gründen tagtäglich Kontakt zu anderen Personen hat.

Auch in die Praxis von Dr. Brigitte Krahmer in Gilching kommen pro Woche etwa zehn Personen, die wissen wollen, wie es um ihre Antikörper steht. Auch bei ihr fällt das Ergebnis im Hinblick auf die Durchseuchung ernüchternd aus. Positiv auf Antikörper getestet hat sie bislang nur Personen, „wo es erwartbar war“. Die, die sich an ein bisschen Halsweh im März erinnerten, seien allesamt negativ gewesen.

Aus ihren bisherigen Erfahrungen mit den Tests kommen die Ärzte zu dem Ergebnis: Wer keine Symptome hatte, bekommt in der Regel auch ein negatives Ergebnis auf Antikörper. Umso wichtiger sei es, dass viele die Corona-Warn-App laden, sagt Junge-Hülsing. Das bedeute mehr Sicherheit für alle. Denn die Situation könne sich sehr schnell ändern, auch darin sind sich die Ärzte einig. Krahmer: „Vorsicht ist weiterhin geboten.“

Auch interessant: Alle Neuigkeiten zu Corona im Landkreis Starnberg.

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