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Bahnhofplatz: Ein „Shared Space“, also ein Verkehrsraum, der alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt behandelt, soll zu einem Mehr an Lebensqualität führen. Dazu kommen Bäume und Sitzgelegenheiten für die Menschen.

STAgenda

Corona-Krise als Chance: Aufzeigen, was im öffentlichen Raum möglich ist

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Ein knappes Jahr nach der Grundsatzentscheidung des Stadtrats ruft der STAgenda-Arbeitskreis Verkehr sein Konzept „Lebendiges Starnberg“ wieder in Erinnerung. Im Juli soll es erneut im Stadtrat diskutiert werden.

Starnberg – Es ist ruhig geworden um das Konzept „Lebendiges Starnberg“. Nachdem der Stadtrat im Juli 2019 die Überlegungen des STAgenda-Arbeitskreises Verkehr durchweg für gut befunden und eine Weiterverfolgung beschlossen hatte, gibt es bis jetzt noch keine weiterführenden Beschlüsse. Die Sprecherin des Arbeitskreises, Irmgard Franken, sieht nun ausgerechnet die Corona-Krise als Chance, die Überlegungen zur Verkehrsthematik wieder in den Fokus zu rücken.

„Keiner braucht die Corona-Krise, die unseren Alltag komplett verändert und die auch viele Sorgen und Nöte verursacht hat“, erklärte Franken am Wochenende gegenüber dem Starnberger Merkur. „Aber wir können daraus auch Positives mitnehmen, zum Beispiel neue Chancen für die Gestaltung unserer Stadt.“ Diese lauten in Kurzform: „Tempo raus, aufeinander aufpassen, Gesundheit geht vor, Region neu schätzen, hör auf die Wissenschaft.“

Immer mehr schwingen sich aufs Rad

So hätten Radfahren und zu Fuß gehen in Zeiten der Ausgangsbeschränkungen auch in Starnberg eine Renaissance erlebt. „Auf den Straßen war wochenlang plötzlich angenehm viel Platz dafür“, sagt Franken. Genau das will die STAgenda dauerhaft erreichen, zum Beispiel auf der Kaiser-Wilhelm-Straße. Dort könne der Platz vor der evangelischen Friedenskirche aufgeweitet werden, lautet ein Vorschlag. Zudem können sich die Bürger dort eine Einbahnregelung in Richtung See vorstellen.

Am Bahnhofplatz will die STAgenda einen sogenannten „Shared Space“ einrichten, also einen Straßenraum, den alle Verkehrsteilnehmer gleichberechtigt nutzen dürfen – „für mehr Miteinander und Sicherheit“, wie Franken sagt. Überhaupt sei dort eine Umgestaltung nötig – spätestens dann, wenn der B 2-Tunnel fertig ist. „Man weiß schon lange, dass man am Bahnhof etwas tun muss“, sagt sie. Den bei Autofahrern beliebten Schleichweg über Possenhofener Straße, Bahnhofplatz und Kaiser-Wilhelm-Straße soll es dann nach Wunsch der STAgenda nicht mehr geben. „Wer durch Starnberg durch will, soll den Tunnel nutzen“, sagt Franken. In die Innenstadt sollten dann nur noch diejenigen mit dem Auto fahren, die dort auch etwas zu erledigen hätten oder dort wohnten. Auch die Wittelsbacherstraße hat die STAgenda im Blick, favorisiert dort ebenfalls eine Einbahnregelung in Richtung See, dazu mehr Grün und mehr Sitzgelegenheiten.

Kaiser-Wilhelm-Straße: Die Aufweitung des Platzes vor der evangelischen Friedenskirche führt nach Ansicht der engagierten Bürger zu mehr Platz für Fußgänger und Radfahrer.

All das schaffe auch mehr Aufenthaltsqualität in der Innenstadt. Viele Bürger hätten in der Corona-Krise wirtschaftliche und kulturelle Angebote in Stadt und Umland vermisst und neu schätzen gelernt, vom Angebot der Starnberger Geschäftsleute über die Kinos bis zur Gastronomie, sagt Franken. Genau dafür könne das Konzept „Lebendiges Starnberg“ ein schönes Einkaufserlebnis ermöglichen.

Wittelsbacherstraße: Hier kann sich die STAgenda unter anderem eine Einbahnregelung vorstellen, wodurch die Aufenthaltsqualität steigen soll.

Weckruf an neue Stadträte

Ob alles so oder so ähnlich kommt, wie es sich die STAgenda vorstellt, steht derzeit in den Sternen. „Das sind Ideen, die zeigen, was man machen könnte, ohne alles neu machen zu müssen“, sagt Irmgard Franken. Ihre Mitteilung vom Wochenende versteht die Sprecherin auch als Weckruf an die Stadträte. Immerhin habe es in der Zwischenzeit ein Gespräch mit der städtischen Bauverwaltung gegeben. Demnach soll die STAgenda im Juli im Stadtrat ihr Konzept noch einmal vorstellen, auch damit die vielen neuen Stadträte die Informationen aus erster Hand bekommen.

Für Franken ein positives Zeichen, dass wieder Bewegung in die Sache kommt. Aufgrund der festgefahrenen politischen Situation in der vergangenen Wahlperiode hatte sie schon die Befürchtung, dass das Konzept an „Gegnerschaften aus Prinzip“ hätte scheitern können. Auch die noch vor der Kommunalwahl erhoffte „Zwischenentscheidung“ war nicht zustande gekommen. Nun hat Franken wieder Hoffnung, zumal es aus Teilen von Stadtverwaltung und Stadtrat positive Signale gebe. „Möge der neue Bürgermeister gemeinsam mit dem neuen Stadtrat eine nachhaltige Gestaltung des Verkehrs und die Umsetzung des Gesamtkonzepts beherzt angehen.“

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