Das gab es 2020 kaum: Übungen der Jugendfeuerwehr konnten pandemiebedingt nicht stattfinden. Wie es heuer weitergeht, wissen die Verantwortlichen noch nicht.
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Das gab es 2020 kaum: Übungen der Jugendfeuerwehr konnten pandemiebedingt nicht stattfinden. Wie es heuer weitergeht, wissen die Verantwortlichen noch nicht.

Kreisbrandinspektion

Corona-Krise bremst Feuerwehren und Jugend aus

Die Corona-Pandemie hat massive Auswirkungen auf die Feuerwehren im Landkreis Starnberg. Nicht, dass die Einsatzzahlen gestiegen wären, sie sind gesunken. Die Unterbrechungen bei der Ausbildung bereiten den Ehrenamtlichen Sorgen, und die Jugendarbeit steht praktisch still.

Landkreis - Ausbildungen und Übungen sind ein wichtiger Punkt im Alltag der Feuerwehren – nur durch Üben sitzen die Handgriffe, die im Einsatzfall nötig sind. Vieles organisieren die Wehren selbst, konnten aber monatelang faktisch nicht normal üben. Auch die Kreisausbildung war betroffen: „Um die Einsatzbereitschaft der Feuerwehren sicherzustellen, musste der Ausbildungsbetrieb der Kreisbrandinspektion bereits früh im Jahr 2020 eingestellt werden. Ein Infektionsgeschehen während einer Ausbildungsveranstaltung hätte im schlimmsten Fall zu einer Quarantäne ganzer Wehren führen können“, schreibt Kreisbrandmeister Tom Schade im Jahresbericht. Gab es 2019 noch 55 Ausbildungsveranstaltungen auf Kreisebene, konnte 2020 keine einzige abgeschlossen oder auch nur durchgeführt werden. „Am Härtesten traf es einen Atemschutzkurs, der bereits zu Beginn der Pandemie aus Infektionsschutzgründen abgebrochen wurde und ein zweites Mal im Herbst, als ein erneuter Anlauf unternommen wurde, zumindest diesen Kurs im Jahr 2020 abschließen zu können.“ Inzwischen ist es gelungen. Viele Wehren haben sich darauf verlegt, in kleinen Gruppen zu üben und Theorieabende per Video abzuhalten.

Die fehlenden Ausbildungsmöglichkeiten haben weitreichende Folgen. Schlossen 81 neue Feuerwehrleute 2019 die Grundausbildung ab, waren es 2020 gerade ein mal acht. Dauert die Zwangspause noch länger, könnte es zu Personalengpässen kommen – abgesehen davon, dass junge Leute zur Feuerwehr wollen, aber kaum ausgebildet werden können. Kurse an Feuerwehrschulen fanden 2020 auch kaum statt. Ähnliches gilt für die Leistungsprüfungen: 2019 waren es 54, 2020 gerade ein mal fünf.

Kreisbrandrat Peter Bauch sieht derzeit noch kein Problem für die Einsatzbereitschaft und Einsatzfähigkeit der Wehren im Kreis. Dauere das Übungsdefizit an oder könnte wegen der dritten Welle ab einer Inzidenz von 100 gar in einen neuerlichen, längeren Stillstand übergehen, könnte es kritisch werden. Es gebe Rettungsmittel, an denen müsse man laufend üben, „sonst verlernt man es“. Die aktuelle Regel erlaubt Übungen mit bis zu neun Aktiven. Das nutzten die Wehren auch. Derzeit geht die Kreisbrandinspektion davon aus, nach Ostern wieder in Ausbildungen einsteigen zu können.

Gebeutelt ist auch die Jugendfeuerwehr. „Da die Übungen und Aktivitäten der Jugendfeuerwehren nicht einsatzrelevant sind, mussten auch diese im vergangenen Jahr meist abgesagt werden“, heißt es im Jahresbericht. Bisher ist die Zahl der Jugendfeuerwehrler im Kreis kaum gesunken (um zehn auf 436), doch treffe Schade zufolge auch das die Wehren hart, weil zukünftige Einsatzkräfte meist aus der Jugendarbeit gewonnen werden könnten. Ganz zum Erliegen ist die Jugendarbeit nicht gekommen, sagt Kreisjugendwart Dr. Franz Matheis: „Wir machen sehr viel online.“ Trotz der Hürden 2020 kamen mehr als 80 neue Jugendwehrler dazu, allerdings traten kreisweit auch 19 wegen Interessenmangel aus. Ein Problem sieht Matheis durch die fehlende Möglichkeit kommen, dass man keine Aktionen für Neumitglieder organisieren konnte und kann. Er hofft, dass sich die Lage nach Ostern bessert. Allerdings warte man noch auch klare Aussagen des Landesfeuerwehrverbandes dazu.

Die Einsatzzahlen 2020 waren rückläufig. 3646 Alarmierungen gab es, 572 weniger als 2019. Der Rückgang allerdings ist eine Folge der zweitweisen Aussetzung der First-Responder-Dienste (829 Einsätze, -230) und einer Abnahme der sonstigen Tätigkeiten (76, -242) – Letzteres hat mit den Veranstaltungsverboten zu tun. Bei Brandeinsätzen inklusive Brandmeldeanlagen gab es einen Anstieg um 54 auf 909, bei Technischen Hilfeleistungen verzeichnete die Kreisbrandinspektion einen Rückgang um 43 auf 1535. Die Zahl der ABC-Einsätze (Gasaustritte, Ölspuren und dergleichen) blieb fast konstant (90).  ike

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