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Leere Praxis: Die Starnberger Ergotherapeutin Jeannette Rutsatz betreut derzeit nur noch ein Viertel der normalen Patientenzahl.

Therapeuten in Not

Corona-Krise: Patienten dürfen sie nicht besuchen, und die Kassen zahlen keinen Ausgleich

  • VonSandra Sedlmaier
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Manche Ergotherapeutin sind trotz Ausgangsbeschränkungen für ihre Patienten da. Doch die bleiben aus. Und mit ihnen auch das Geld.

Landkreis – Wer in einem Therapieberuf arbeitet, ist in diesen schwierigen Tagen für seine Patienten da – zumindest in einem gewissen Umfang. Die Verdienstausfälle durch die Corona-Krise sind allerdings enorm, wie Physio- und andere Therapeuten aus dem Landkreis berichten. Die Starnberger Ergotherapeutin Jeannette Rutsatz fordert deshalb Ausfallhonorare von den Krankenkassen – damit auch nach der Krise die Versorgung mit Therapeuten gewährleistet ist.

Viele therapeutische Praxen haben seit Inkrafttreten der Ausgangsbeschränkung wegen des Coronavirus zu. Die Starnberger Ergotherapeutin Jeannette Rutsatz ist weiter für ihre Patienten da, aber sie hat 75 Prozent weniger Klienten zu behandeln. „Die Kindergärten sind geschlossen, und in die Altenpflegeheime darf keiner mehr rein“, sagt sie. Sie behandelt die Fälle, die medizinisch notwendig sind. In manchen Fällen funktioniere leider auch das nicht. Etwa wenn jemand im Altenheim ist, eine Hand-OP hatte und dringend Ergotherapie bräuchte.

Therapeutischen Praxen haben Zukunftssorgen

Noch mehr als die aktuellen Einschränkungen macht die Zukunft nach der Krise der Starnbergerin Sorgen. Wenn jetzt reihenweise die therapeutischen Praxen wegen des Verdienstausfalls schließen müssten, „ist eine Unterversorgung vorprogrammiert“.

Deshalb schließt sie sich der Forderung ihres Berufsverbandes an, der die Krankenkassen um Hilfe bittet. „Die Kassen könnten ein Ausfallhonorar für die Termine zahlen, die nachweislich wegen Corona nicht stattfinden“, schlägt Rutsatz vor, die andere Krisenhilfsangebote auch nutzen will. Für ihre beiden Mitarbeiterinnen hat sie bereits Kurzarbeit angemeldet.

Kurzarbeit ist für Sebastian Krebs als Selbstständiger kein Thema. „Ich bin allein, in einer Praxisgemeinschaft“, sagt der Starnberger Physiotherapeut. Er stellt nach Durchsicht seiner Zahlen und Pläne fest: „Die nächsten Wochen geht meine Arbeit auf zehn Prozent runter.“ Nachweislich durch Corona. Er arbeitet viel im Rummelsberger Stift und bei MS-Patienten im „Haus der Freunde“. In beiden Häusern herrscht Zugangsverbot. Gerade die MS-Patienten bräuchten dringend seine Hilfe. Wegen der Medikamente sei ihr Immunsystem aber nicht fit – eine Zwickmühle. Das andere Problem ist die finanzielle Seite – und da wäre es sehr hilfreich, wenn die Krankenkassen einen Beitrag leisten könnten. „Ich kann zwar mein Gehalt herunterdrehen – das ist in Ordnung, wenn im April alles wieder normal anläuft“, sagt Krebs.

Physiotherapeut verzeichnet 60 Prozent Einkommenseinbußen

Sein Starnberger Kollege Kurt Gaugler, der etwa 60 Prozent Einkommenseinbußen verzeichnet, sieht das ähnlich. „Zwei bis drei Wochen halte ich das durch. Nach zwei bis drei Monaten wird es kritisch.“ Er wird an seine Rücklagen gehen, die er in 17 Jahren Selbstständigkeit aufgebaut hat.

Mit den Rücklagen rechnet auch Physiotherapeut Dirk Paucke aus Gauting. „Als Selbstständiger weiß man, dass immer was daherkommen kann.“ Um Betriebe über die Zeit zu retten, wäre ein Einspringen der Krankenkassen zumindest mit einem gewissen Betrag eine gute Lösung. „Es ist im Grunde egal, woher das Geld kommt – wichtig ist, dass wir nicht alle pleite gehen.“

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