Genaue Richtlinien unklar

Starnberg: Biergärten dürfen ab Montag öffnen - doch es lohnt nicht für jeden

  • Tobias Gmach
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Mit Test, Termin und nur bis 22 Uhr: Viele Gastronomen im Landkreis Starnberg sind bereit, unter diesen Bedingungen ab Montag wieder zu öffnen. Für manche lohnt sich’s nicht.

Landkreis Starnberg – Es ist ein passendes Bild, gerade am Starnberger See: Alexander Urban vergleicht seinen Betrieb, das Tutzinger Midgardhaus, mit einem großen Dampfer. „Wenn wir den einmal in Gang gebracht haben, dann aber wieder Vollgas rückwärts fahren und die Anker setzen, weiß ich nicht, ob der Motor das übersteht.“ Was Urban damit sagen will: Wenn er den Biergarten, wie von der bayerischen Regierung bei einer Pressekonferenz verkündet, ab Montag öffnet, sollte er auch geöffnet bleiben. „Es wäre eine Katastrophe, wenn wir jetzt einkaufen, produzieren, unsere Leute zurückholen und dann kurz darauf wieder schließen müssen. Dann gibt es uns bald nicht mehr.“

In den Biergarten, auf die Restaurant- oder Café-Terrasse darf man im Landkreis Starnberg, dessen Corona-Inzidenz unter 100 liegt, ab kommender Woche wieder – bis 22 Uhr, mit negativem Test, Termin und Maske bis zum Platz. Einziger bürokratischer Vorbehalt: Der Freistaat muss noch dem Antrag des Landkreises zustimmen. Bedingung für die Öffnung ist eine Sieben-Tage-Inzidenz, die exakt fünf Tage unter 100 bleibt, stellte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums in München klar. Dann folgt ein Puffertag für die Bekanntgabe, am siebten kann geöffnet werden. Die Grundstimmung bei den meisten Wirten ist positiv, trotz aller Auflagen, die gestern noch nicht final bekannt waren. Der Tenor: Hauptsache, es geht wieder los.

Starnberg: Biergärten dürfen öffnen - Corona-Test nur für Gastro-Besuch?

Heinz Preiß vom Landgasthof zum Brückenwirt in Percha hat einen Parkplatz zum Gastronomiebereich umfunktioniert und ist auf plötzlichen Regen mit Schirmen und Unterstellmöglichkeiten vorbereitet. Preiß vertraut darauf, dass zumindest seine Stammgäste bereit sein werden, sich vorher testen zu lassen. Zudem hofft er auf Gäste auch aus München und Umgebung. „Ich weiß noch nicht, ob sich das Geschäft lohnt“, sagt der Wirt. Es sei offen, wie lange er unter diesen Bedingungen öffnen kann. Kleinere Karte, eventuell Selbstbedienung: Mit diesen Überlegungen trägt sich Preiß. Aber er fragt sich, ob sich die Leute wirklich nur für einen Biergarten-Besuch testen lassen und ob die Kapazitäten dafür ausreichen.

Optimale Voraussetzungen in dieser Hinsicht hat Mathias Scheffel vom „H’ugo’s Beach Club“ an der Starnberger Promenade geschaffen – mit einem Testzentrum im eigenen Haus. Er würde am liebsten „den Sonntag schon mitnehmen. Wir scharren mit den Hufen“, sagt er. 400 statt sonst 800 Plätze kann er mit dem bestehenden Hygienekonzept draußen anbieten. „Wir rechnen nicht damit, dass uns die Leute überrennen, aber wir sind vorbereitet“, so Scheffel.

Biergärten in Starnberg: Einkehren nur mit Termin - Spontanbesuche sind schwierig

Rothtraut Falk will ihren „Froschgartl“ am Ammersee zwischen Wartaweil und Aidenried auf jeden Fall wieder öffnen, und das ganz nach dem Motto „Wenn schon, denn schon“. Genug Platz, um trotz Abstand etwa 80 Sitzplätze anzubieten, hat sie. „Irgendwann muss das Leben ja weitergehen“, sagt sie. Das einzige Problem sieht Falk darin, dass ihr Gasthof eigentlich eher ein Durchlaufbiergarten ist, in dem die Menschen spontan auf einem Spaziergang oder einer Radtour vorbeikommen. „Der Radlfahrer, der will schnell ein Bierchen trinken, die Familie mit Kindern will schnell ein Eis essen. Ich weiß auch noch nicht, wie ich das dann mit dem Test machen soll“, sagt sie. Mit Termin kommt normalerweise die wenigste Kundschaft ins „Froschgartl“.

Auf genaue staatliche Vorgaben warteten gestern noch sämtliche Gastronomen. Sie kennen es seit Beginn der Pandemie, dass sie erst nach der Öffentlichkeit informiert werden. Etwa ob „wir unseren Gästen auch Selbsttests anbieten dürfen“, wusste Alexander Urban vom Tutzinger Midgardhaus gestern noch nicht. Im Andechser Bräustüberl fiel gestern noch keine Entscheidung. „Wir freuen uns sehr, es geht in die richtige Richtung“, sagte Sprecher Martin Glaab. „Aber wir wollen die maximale Sicherheit gewährleisten.“ Und dafür gelte es, die Richtlinien abzuwarten und sich daran auszurichten.

Der Maisinger Seehof bleibt beim To-Go-Geschäft. „Wir sind ein klassischer Selbstbedienungsbiergarten. Es lässt sich nicht kontrollieren, wer sich zu wem an den Tisch setzt“, sagt Wirt Michael Smolka. Aber genau das „Mal-vorbei-schauen“, das Ungezwungene mache einen Biergarten aus. Und das sei mit Tests und Terminen eben nicht vereinbar.

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Mitarbeit: Ada Wassmann, Christian Deutschländer

Rubriklistenbild: © Andrea Jaksch

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