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Vierte Welle und die Folgen

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Ein Bild mit Seltenheitswert: Chefarzt Dr. Lorenz Nowak steht an einer Maschine eines leeren Intensivbettes in der Gautinger Asklepios-Klinik. Nach wie vor sind keine oder nur wenige Intensivbetten frei.
Ein Bild mit Seltenheitswert: Chefarzt Dr. Lorenz Nowak steht an einer Maschine eines leeren Intensivbettes in der Gautinger Asklepios-Klinik. Nach wie vor sind keine oder nur wenige Intensivbetten frei. © Peter Kneffel/dpA

Die Corona-Situation verschärft sich täglich, auch im Landkreis, der nun Hotspot ist. Die Inzidenz stieg gestern zwar nur wenig, aber mit 109 Neuinfektionen meldete das Landratsamt eine sehr hohe Zahl.

Landkreis – Nachdem der Landkreis von der vierten Corona-Welle bisher nicht ganz so stark betroffen war wie einige seiner Nachbarn, verschärft sich die Situation nun massiv.Der Wechsel auf die Krankenhaus-Ampel der Stufe Rot sorgen derweil für einige Verwirrung und viele Umstellungen. Antworten auf die wichtigsten Fragen.

Wie ist die Lage aktuell im Kreis?

Gestern meldete das Landratsamt 109 Neuinfektionen, 101 mehr als vor einer Woche. Die Sieben-Tage-Inzidenz lag bei 256,9 und wird durch die Neuinfektionen auf etwa 328 steigen. Damit liegt der Kreis über der Hotspot-Grenze von 300, was aber ohne große Bedeutung ist – die für diese Stufe vorgesehenen Regelungen gelten bereits. An Ausbruchsgeschehen kam nichts dazu, dafür neue Fälle im Caritas-Heim Maria Eich (einer, siehe Seite 4), in der Munich International School (MIS) in Buchhof (fünf) und in der Montessori-Schule Biberkor (zwei). Ein knappes Viertel der Neuinfektionen stammt aus Gilching (26), Wörthsee und Inning meldeten keine neuen Fälle. Mehr als 570 Menschen sind aktuell infiziert.

Mit Stand gestern Nachmittag waren im Kreis wenige Intensivbetten verfügbar, die Patientenzahl sank auf fünf (drei beatmet). Durch Verlegungen ändert sich das aber teils schnell wieder. Die Asklepios-Klinik in Gauting verschärfte ihre Besuchsregeln auf 2G. Alle Mitarbeiter, auch die geimpften, werden regelmäßig getestet. „Eine Vorgehensweise, die sich auch für alle Bürgerinnen und Bürger derzeit empfiehlt“, erklärte eine Sprecherin.

Wie ist die Lage in Pflegeheimen?

In den Einrichtungen des Rummelsberger Stifts in Starnberg und Söcking ändern die verschärften Corona-Regeln kaum etwas. „Wir waren vorher schon strenger als vorgeschrieben“, sagt Dienststellenleiterin Edith Maruska. So lassen sich dort bereits seit geraumer Zeit alle Mitarbeiter dreimal pro Woche testen, ebenso trägt jeder eine FFP2-Maske. Dies geschieht unabhängig vom Impfstatus der Angestellten. Bei Besuchern gilt 3G-plus.

„Wir wollen Vorbilder sein“, betont Maruska, die hofft, dass sich immer mehr ihrer Mitarbeiter für den Piks in den Oberarm entscheiden. „Wir zwingen selbstverständlich niemanden zu etwas, aber wir suchen schon gezielt das Gespräch und werben für einen Impfschutz.“ Aktuell seien 68 Prozent der Angestellten im Rummelsberger Stift vollständig geimpft. Von den Bewohnern hat der Großteil sogar schon seine dritte Dosis erhalten. „Darüber sind wir sehr froh“, sagt Maruska.

Wie schnell es mit einer Ansteckung gehen kann, hat sich erst letztens im Starnberger Stift gezeigt. Sechs Bewohner sowie drei Pflegekräfte infizierten sich dort mit dem Coronavirus. Die Senioren befinden sich seither auf einer isolierten Pandemiestation. Ihnen geht es laut Maruska den Umständen entsprechend gut. „Sie sind zum Glück geimpft und haben nur leichte Symptome.“ Anders als die drei infizierten Angestellten, die noch bis morgen in häuslicher Quarantäne ausharren müssen. Von den geimpften Mitarbeitern hat sich niemand angesteckt.

Beim BRK, das im Landkreis Seniorenheime in Garatshausen und Gilching betreibt, müssen sich fortan alle Mitarbeiter täglich auf den Covid-Erreger testen lassen. Zuvor hieß die Vorgabe: Nicht-Geimpfte dreimal pro Woche, Geimpfte einmal. Auch Besucher brauchen nun einen Testnachweis, bei geimpften und genesenen genügt ein Schnelltest, alle anderen benötigen einen PCR-Test. „Wir wollen unserer Verantwortung uns selbst und vor allem den uns anvertrauten Bewohnern gegenüber bestmöglich gerecht werden“, sagt Marcus Wicke, BRK-Bereichsleiter Pflege und Senioren.

Dass sich die Impfquote der Angestellten, die er aktuell auf etwa 75 Prozent verortet, weiter erhöht, wäre ganz in seinem Sinne. „Der Impfschutz ist unser stärkstes Instrument“, stellt Wicke klar. Die angezogenen Maßnahmen seitens der Regierung erachtet er dabei durchaus als hilfreich. „Je mehr 3G-plus oder 2G gilt, desto mehr Menschen werden sich das Ganze noch mal überlegen.“

Wie ist die Situation in Kulturstätten?

Auch bei Kulturveranstaltungen greift ab sofort die 2G-Regel. Was das für die Breitwand-Kinos in Starnberg, Gauting und Seefeld bedeutet, vermag Betreiber Matthias Helwig noch nicht einzuschätzen. „Fest steht, dass unsere Besucher zuletzt zu 95 Prozent geimpft oder genesen waren“, sagt er. Allerdings richtet sich sein Blick vor allem auf die Zwölf- bis 17-Jährigen, von denen ein Großteil noch nicht geimpft ist. „Die müssen nun schon wieder leiden“, betont Helwig. Selbst wenn diese nun versuchen sollten, sich schnellstmöglich mit einem Vakzin versorgen zu lassen, sei aufgrund der Dauer eines entsprechenden Prozederes ein Kinobesuch in diesem Jahr wohl kaum noch möglich. „Das finde ich einfach traurig – mir tun die Jugendlichen leid.“

Große Umstellungen zieht die rote Ampel im Bosco in Gauting nach sich. Vor den Herbstferien galt dort noch 3G. „Dabei wollten wir eigentlich bis Jahresende bleiben“, sagt Leiterin Amelie Krause. Nun herrscht Klärungsbedarf. So wisse sie nicht, ob die 2G-Regel auch für die Künstler auf der Bühne und deren Mitwirkenden gilt. Auch wie es um das Barpersonal bestellt ist, da in der Gastronomie ja eigentlich 3G-plus angewandt wird. „Umsetzbar ist am Ende sehr vieles“, sagt sie. „Aber immer wieder neue Regeln aufzustellen, ohne klare schriftliche Vorgaben rauszugeben –das macht es einfach extrem schwierig und anstrengend.“

Wer im Übrigen ein Ticket für eine Veranstaltung im Bosco unter Annahme der 3G-Regel gekauft hat, kann diese bei Bedarf zurückgeben. „Wir erstatten den vollen Betrag“, verspricht Krause. Wer über einen Zweitanbieter gebucht hat, kann womöglich auf Bearbeitungsgebühren sitzenbleiben.

Bürgerversammlung: Was gilt wo?

Diese und nächste Woche stehen mehrere Bürgerversammlungen an. Während beispielsweise die Stadt Starnberg noch nicht entschieden hat, wie sie mit der neuen Lage umgeht, ist Gauting schon weiter. Für die Bürgerversammlung nächsten Montag in Stockdorf wurde 3G-plus verhängt. In der Gemeinde Wörthsee wird sich an den Regularien für die Bürgerversammlung am morgigen Donnerstag nichts ändern.

„Weil es sich um eine politische Veranstaltung handelt, können wir bei der 3G-Regel bleiben“, sagt Bürgermeisterin Christel Muggenthal. Die Geschäftsleitung habe ihr das bestätigt. Muggenthal rechnet in der Aula der Grundschule allerdings auch nicht mit einem großen Ansturm. „Am gleichen Abend spielt die Nationalmannschaft. Und die Leute haben ohnehin keine Lust auf große Veranstaltungen.“ Auch die Gemeinde Seefeld, die gestern Abend ihre Bürgerversammlung in der Hechendorfer Turnhalle ausrichtete, hielt an der 3G-Regel fest. „Wir haben die ganze Zeit 3G für die Veranstaltung ausgeschrieben. Es macht keinen Sinn, das jetzt noch zu ändern“, sagte Bürgermeister Klaus Kögel kurz vor der Veranstaltung. Das gelte auch die Bürgerversammlung heute in Oberalting (19 Uhr, Pfarrhaus Peter & Paul).

Nach Einschätzung des Landratsamtes haben sich die Regelungen nicht grundlegend geändert, jedoch haben die Gemeinden als Veranstaltermehr Möglichkeiten zu 3G-plus oder auch 2G.

Welche Änderungen gibt es schon?

Eine ganze Menge. Zuerst eine für ganz Bayern: Die 2G-Regel ist für Jugendliche zwischen zwölf und 17 Jahren beim Sport, Musikgruppen oder bei Theatergruppen ausgesetzt, wenn sie in den Schulen regelmäßig getestet werden. Wie berichtet, hatte die Ur-Vorgabe der Staatsregierung den Jugendsport praktisch zum Erliegen gebracht. Die Ausnahme gilt aber nicht für Besuche in Stadien, Clubs, von Konzerten und dergleichen.

3G-plus: Wo sind PCR-Tests möglich?

Seit die Corona-Ampel auf Rot steht, gilt in Cafés, Restaurants, Hotels, Kosmetikstudios und bei Friseuren die 3G-plus-Regel: Ungeimpfte brauchen einen negativen PCR-Test. Dieser ist mit rund 100 Euro nicht nur teuer, sondern derzeit auch schwer zu bekommen. „Grundsätzlich ist ein PCR-Test bei Ärzten möglich“, sagt Dr. Bernhard Junge-Hülsing, Ärztlicher Koordinator für den Landkreis. „Wir testen in unserer Praxis auch, wenn wir die Zeit dafür haben.“ Grundsätzlich halte sich sein Verständnis für „Luxustests“, wie sie Junge-Hülsing nennt, jedoch in Grenzen. „Es gibt keinen Grund, sich nicht impfen zu lassen.“ Derzeit arbeitet er daran, auf der Webseite des Landratsamtes eine Liste mit allen Arztpraxen, die PCR-Tests anbieten, zu veröffentlichen. „Ende der Woche sollte es soweit sein.“ nutz/ike/lf/hvp/ps

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