Der gesperrte Steg am Undosa in Starnberg ist ein Grund für den Anwalt, juristisch dagegen vorzugehen.
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Der gesperrte Steg am Undosa in Starnberg ist ein Grund für den Anwalt, juristisch dagegen vorzugehen.

Landrat reagiert gelassen

Corona am Starnberger See: Anwalt zieht wegen Sperrung der Stege vor Gericht - „Maßnahme bringt nichts“

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Die Stege im Landkreis Starnberg sind gesperrt, weil es dort an warmen Tagen eng zugeht. Ein Anwalt will sich das nicht mehr länger bieten lassen - und zieht für seine Mandantin vor Gericht.

Landkreis – Die seit gut zwei Monaten gesperrten Stege an den Seen im Landkreis Starnberg sind nun ein Fall für das Verwaltungsgericht. Der Starnberger Anwalt Hans-Peter Tauche hat im Namen einer Mandantin einen Antrag auf einstweilige Anordnung eingereicht. Darin fordert er, die Absperrungen der von öffentlichem Grund erschlossenen Steganlagen am Starnberger See zu entfernen. Namentlich führt er die Stege am Undosa und am Steininger Badegelände in Starnberg an.

Stege am Starnberger See gesperrt: Mandantin muss jeden Tag schwimmen - „Erhebliche Belastung und Verletzungsrisiko“

Tauche hatte sich bereits Anfang März an Landrat Stefan Frey gewandt (wir berichteten). Nachdem sich seitdem an der Situation nichts geändert hat, „haben wir uns entschlossen, gerichtlich gegen die Maßnahme vorzugehen“, erklärt der Anwalt gegenüber dem Starnberger Merkur. Seine Mandantin schwimme jeden Tag und müsse – da die Treppen an den Stegen nicht mehr zu erreichen sind – „mühsam vom Ufer in den See waten, was gerade bei den geringen Temperaturen eine erhebliche Belastung und ein Verletzungsrisiko darstellt“.

Unabhängig vom Einzelfall sieht Tauche aber auch generell keine Notwendigkeit für die Sperrung der Stege im Zuge der Pandemiebekämpfung. Führende Aerosolforscher Deutschlands hätten erklärt, dass eine Ansteckung mit dem Coronavirus im Freien äußerst selten sei, sagt Tauche und bezeichnet die Maßnahme als sinnlos. Anstatt auf den Stegen würden die Menschen nun halt anderweitig am Seeufer sitzen. Auch auf die Sieben-Tage-Inzidenz habe die Sperrung keine positive Auswirkung. „Niemand kann verstehen, warum der Landkreis Starnberg ohne jede Not seine Bürger mit Maßnahmen belastet, die ersichtlich nichts bringen“, schreibt Tauche in einer E-Mail an Landrat Frey.

Starnberg: Anwalt zieht wegen Corona-Maßnahme vor Gericht - Landrat betont „Stege sind nicht unser dringendstes Problem“

Der zeigt sich im Gespräch mit dem Starnberger Merkur gelassen. „Wir werden zu dem Antrag Stellung nehmen. Die Stege sind aktuell aber nicht unser dringendstes Problem“, sagt Frey – und rückt von seiner Position nicht ab. So lange die dritte Welle der Pandemie noch nicht vorbei ist, werde sich an der Sperrung der Stege nichts ändern, erklärt er.

Bei schönem Wetter seien die Stege Anfang des Jahres so voll gewesen, dass ein Durchkommen kaum noch möglich gewesen sei und Abstandsregeln nicht hätten eingehalten werden können. Diese Situation gelte es, in der aktuellen Lage zu verhindern. Eine Maskenpflicht für die Stege auszusprechen, hält Frey für „problematisch“ – auch vor dem Hintergrund der Durchsetzbarkeit.

„Emotional mag das ein Eingriff in die Grundrechte sein“, sagt der Landrat, verweist aber gleichzeitig darauf, dass die Erholungsgebiete an den Seen weiterhin jedem zugänglich sind. Wie lange die Sperren noch gelten, wollte Frey gestern nicht sagen. Allerdings geht er davon aus, dass sich die Lage insgesamt „bis zum Sommer entspannt“. Anwalt Tauche hofft derweil auf einen Entscheid des Gerichts in den nächsten zwei Wochen.  

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