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Ein 45 Jahre alter Mann aus dem Landkreis Starnberg hat sich mit dem neuartigen Coronavirus angesteckt. Aktuell wird der Mann in einer Klinik betreut. (Symbolbild)

Gesundheitsamt prüft mögliche Kontaktpersonen

Neuer Coronavirus-Fall im Landkreis Starnberg: 45-Jähriger in Klinik

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Ein 45-Jähriger aus dem Landkreis Starnberg hat sich mit dem Coronavirus infiziert. Nach Angaben des Landratsamtes wird er in einer Klinik betreut.

  • Im Landkreis Starnberg ist der erste Coronavirus-Fall bestätigt worden.
  • Nun soll die Kontaktperson des Erkrankten ausfindig gemacht werden.
  • Wie reagieren die öffentlichen Einrichtungen auf diese Entwicklung?

Starnberg - Ein Bewohner des Landkreises Starnberg ist mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Das teilte das Bayerische Gesundheitsministerium am Sonntagmittag mit. Es ist der erste Fall im Landkreis Starnberg, nachdem das Virus Anfang Februar bei Mitarbeitern des Autozulieferers Webasto in Stockdorf aufgetreten war.

Bei dem aktuellen Patienten handelt es sich um einen 45 Jahre alten Mann, wie die Sprecherin des Landratsamtes, Barbara Beck, am Nachmittag auf Anfrage des Starnberger Merkur erklärte. Der Mann lebe allein und arbeite von zu Hause aus. Nähere Angaben zum Wohnort machte sie nicht.

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Coronavirus-Fall in Landkreis Starnberg: 45-Jährige in Klinik isoliert

„Es geht ihm soweit gut“, sagte Beck. Aktuell befinde er sich in einem Krankenhaus und werde dort isoliert betreut. Um welche Klinik es sich handelt, sagte Beck nicht. Dafür steht fest, wie sich der Mann infiziert hat. 

Er habe sich seit vergangenen Donnerstag unwohl gefühlt, aber zunächst keinen Verdacht geschöpft, sagte Beck. Erst nachdem er erfahren habe, dass eine geschäftliche Kontaktperson am Coronavirus erkrankt sei, habe er sich auch testen lassen. Das Ergebnis war positiv. Die Kontaktperson stamme nicht aus dem Landkreis Starnberg und befinde sich derzeit im Krankenhaus Schwabing, erklärte Beck.

Coronavirus-Fall in Landkreis Starnberg: Zahl der Kontakte des Infizierten wohl eher gering

Seit Vorliegen des Testergebnisses sind Mitarbeiter des Kreisgesundheitsamts damit beschäftigt, die Kontaktpersonen des 45-Jährigen zu ermitteln. „Die Kollegen sind den ganzen Tag am Telefonieren“, sagte Beck. Da er aber die meiste Zeit des Tages zu Hause verbringt, hoffen die Behörden, dass die Zahl der Kontakte eher gering ist.

Unabhängig von dem aktuellen Fall bereiten sich Arbeitgeber und öffentliche Einrichtungen im Landkreis auf mögliche Coronavirus-Fälle vor. Das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) in Oberpfaffenhofen hat bereits vor vier Monaten Vorkehrungen getroffen. Unter anderem sei ein Team zusammengestellt worden, welches sich mit Fragen rund um die Sicherheit aller Mitarbeiter befasse, berichtet Pressesprecher Andreas Schütz. „Wir sind auch damit beschäftigt, unseren Mitarbeitern das mobile Arbeiten zu ermöglichen.“ Den Mitarbeitern werde zudem geraten, Überstunden abzubauen, Urlaub zu nehmen oder von zu Hause aus zu arbeiten. „Wir bewahren Ruhe und arbeiten daran, die Arbeitsprozesse im DLR weiter zu gewährleisten“, sagt er.

Coronavirus-Fall in Landkreis Starnberg: Landratsamt trifft keine besonderen Maßnahmen

Ruhe ist auch beim Landratsamt angesagt. Die Behörde setzt auf Aufklärung ihrer Mitarbeiter und hat in ihr internes Informationssystem den Katalog des Robert-Koch-Instituts mit den Antworten auf häufig gestellte Fragen zum Coronavirus gestellt. Ansonsten sei „ganz normaler Dienstbetrieb“, sagt Barbara Beck. „Aber das kann sich laufend ändern.“ Für jene, die dieser Tage aus dem Urlaub zurückkehren, seien keine besonderen Maßnahmen geplant. Dienstbesprechungen und andere Veranstaltungen fänden wie gehabt statt. Behördenintern gebe es „momentan keine Veranlassung“, besondere Maßnahmen zu ergreifen.

Auch bei der Stadt Starnberg sind keine besonderen Maßnahmen geplant. „Wir haben ja bisher keine Verdachtsfälle“, sagt Rathaussprecherin Lena Choi. Es bestehe auch keine Veranlassung, das Hallenbad oder die Sauna des Seebads zu schließen, da das Virus in dem feucht-warmen Klima nicht anders reagiere als in einem anderem Umfeld. An alle Mitarbeiter hat die Verwaltung eine E-Mail verschickt, in der sie aufklärt, was der Einzelne zu seinem Schutz tun kann: nur in die Armbeuge husten und niesen, Hände waschen, Abstand halten.

Coronavirus-Fall in Landkreis Starnberg: Kultur- und Bürgerhaus Bosco lässt Veranstaltungen stattfinden

Obwohl das Robert-Koch-Institut derzeit rät, größere Menschenansammlungen zu meiden, werden im Gautinger Kultur- und Bürgerhaus Bosco bis auf Weiteres alle Veranstaltungen wie geplant stattfinden. Weder das Theaterforum noch die Gemeindeverwaltung sehen aktuell Handlungsbedarf, betonen Bosco-Leiterin Désirée Raff und Rathaussprecher Maximilian Olberding.

Das auf Softwarelösungen für Apotheken spezialisierte Unternehmen Pharmatechnik hat seine Zentrale in Starnberg. Man beobachte die aktuellen Meldungen und Einschätzungen, sagt Personalleiter Markus Himmelreich. Sollte ein Kollege das Virus aus dem Urlaub mitgebracht haben, solle sich dieser selbst bei den Behörden melden. „Den Mitarbeitern steht es ja frei, in den Urlaub zu fahren, wohin sie wollen“, sagt Himmelreich. Im Falle eines Falles sehe sich Pharmatechnik aber sehr gut vorbereitet, sagt er, ohne Einzelheiten zu nennen.

Coronavirus-Fall in Landkreis Starnberg: Webasto setzt auf Telefonkonferenzen

Bei Webasto in Stockdorf ist das Virus natürlich weiter Thema. Eine Unternehmenssprecherin berichtet, dass die Anweisungen des Robert-Koch-Intistuts und des Gesundheitsministeriums regelmäßig für das Intranet aufbereitet würden. Unter anderem würde den Mitarbeitern empfohlen, Telefonkonferenzen abzuhalten. „Als der erste Fall von Coronavirus in Deutschland bei uns aufkam, hat das Unternehmen einen Lernprozess durchlaufen“, sagt sie.

Für die Kliniken des Kreises hofft derweil Dr. Thomas Weiler, Geschäftsführer der Starnberger-Kliniken-Holding, dass nicht zu viele seiner Mitarbeiter in der Faschingswoche in der Lombardei waren. Es gebe die Empfehlung, dass Heimkehrer aus dieser Region für zwei Wochen zu Hause bleiben. Das betreffe aber nur Personen, die sich über einen längeren Zeitraum dort aufgehalten hätten und nicht nur durchgefahren seien. Bisher gelten nur wenige Regionen Italiens als Risikogebiet. „Aber es ist damit zu rechnen, dass Gebiete hinzukommen“, befürchtet Weiler. 

Viele Schüler in Bayern werden wegen der Epidemie in einen längeren „Zwangsurlaub“ geschickt. Auch der Landkreis Freising meldet den ersten Coronavirus-Fall. Eine deutsche Schülergruppe wurde wegen eines Verdachtsfalls auf dem Weg in den Skiurlaub in Österreich an der Einreise in die Alpenrepublik gehindert.

In einem deutschen Gefängnis ist möglicherweise ein Häftling mit dem Coronavirus infiziert - das Gelände ist komplett abgeriegelt worden. 

Hat das Coronavirus Auswirkungen auf die Kommunalwahl in Bayern? Eine Ministeriums-Sprecherin äußerte sich nun dazu.

Erstmals aufgetreten war das Coronavirus bei der Firma Webasto im bayerischen Stockdorf - der Firmen-Chef hat jetzt im ZDF bei Markus Lanz über die Zeit gesprochen

Mitarbeit: Alice Beckmann-Petey

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