Menschen sitzen am Starnberger See und missachten zum Großteil Corona-Bestimmungen.
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Corona-Abstand und Maske – oftmals Fehlanzeige: Wie auf diesem Bild, das am Samstag an der Seepromenade in Starnberg entstanden ist, hielten sich am Wochenende viele Menschen nicht an die geltenden Regeln.

„Der Schmusekurs ist vorbei“

Trotz Corona: Hunderte Menschen ohne Maske und Abstand am Starnberger See - Polizei greift härter durch

  • Simon Nutzinger
    vonSimon Nutzinger
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Die Sonne hat die Menschen am Wochenende an den Starnberger See getrieben – und manche offenbar die Corona-Regeln vergessen lassen. Während die Polizei künftig härter durchgreifen will, beklagen Gemeinden den vielen Müll.

  • Das schöne Herbstwetter zog am Wochenende viele Menschen an den Starnberger See.
  • Ohne Maske und mit geringem Abstand tummelten sich die Leute an den Seepromenaden.
  • Die Gemeinden im Kreis Starnberg klagen auch über den vielen Müll, den die Ausflügler hinterließen.
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Landkreis Starnberg – Ja, das Wetter war ein Traum. Und ja, wer flaniert nicht gerne bei strahlendem Sonnenschein und einer leichten Brise am Seeufer entlang. Alles mehr als klar, alles verständlich. Dennoch stimmen die Bilder vom vergangenen Wochenende wohl nicht nur Bernd Matuschek nachdenklich.

Landkreis Starnberg: Menschenmassen säumen ohne Maske und genügend Abstand die Seepromenanden

Hunderte Menschen, die weitestgehend ohne Masken und mit geringem Abstand die Seepromenaden in Starnberg und Herrsching säumen, sind für den Starnberger Polizeichef nur schwer nachvollziehbar. Er betont: „Dass da nicht alle Corona-Regeln eingehalten wurden, liegt nahe.“

Corona in Starnberg: Polizei fehlt das Personal, um alle zu Menschen zu kontrollieren

Eine Strafe haben er und seine Kollegen dennoch nicht ausgesprochen. „Um diese Leute alle zu kontrollieren und zu schauen, ob die einzelnen Gruppen aus mehr als zwei Haushalten bestehen, fehlt mir das Personal“, räumt Matuschek ein. Ähnlich äußert sich Erich Schilling, Polizeichef in Herrsching.

Er könne schließlich nicht den ganzen Tag an der Promenade herumrennen und jeden nach seinem Ausweis fragen. „Das ist in dieser Dimension nicht stemmbar.“ Zudem habe seine Inspektion auch noch andere Aufgaben zu erledigen. „Man glaubt es kaum, aber es gibt nicht nur Corona.“

Corona-Maßnahmen: Polizei will in Starnberg künftig auch bei Einzelfällen durchgreifen

So schwierig es also für die Polizei ist, öffentliche Massenaufläufe wie am Wochenende zu überprüfen, so klar will sie künftig bei Einzelfällen durchgreifen. „Der Schmusekurs ist vorbei“, verdeutlicht Bernd Matuschek. Wer gegen die Corona-Regeln verstößt, dem steht eine Anzeige bevor. „Ohne Ausnahme – wir sind nicht mehr nur als Hinweisgeber unterwegs.“

Vor allem zu Beginn der Pandemie sei dies noch anders gewesen. Da hatten die Polizisten oft Nachsicht walten lassen und bei Verstößen rund um das Thema Corona* erst einmal das Gespräch gesucht – und häufig auf eine Anzeige verzichtet.

Corona-Situation hat sich verändert - früher Gespräche anstatt Anzeigen

„Das war am Anfang auch der richtige Weg“, findet Matuschek. Viele Dinge seien komplett neu gewesen, einige Regeln nicht gänzlich durchschaubar. „Da bringt es nichts, mit dem Holzhammer draufzuhauen, wenn sowieso schon jeder verunsichert ist.“ Mittlerweile habe sich die Situation jedoch verändert.

Im Gegensatz zum Frühjahr sei die Informationslage bezüglich der Corona-Bestimmungen deutlich klarer. „Jeder weiß, was er darf und was nicht.“ Sollte jemand etwas anderes behaupten, hat Matuschek wenig Verständnis. Seine klare Meinung: „Das ist schlichtweg nicht glaubwürdig.“

Vier Männer, die gemeinsam im Auto unterwegs sind, erhalten Anzeige

Jüngstes Beispiel für die neue Linie der Beamten: In der Nacht von Samstag auf Sonntag kontrollierten Kollegen von Matuschek ein Auto, in dem vier junge Männer aus vier verschiedenen Haushalten saßen. Alle erhielten eine Anzeige. „Im Frühjahr wären sie vermutlich nur mündlich verwarnt worden.“

Neben Fragen zum Umgang mit den Corona-Regeln* hat das Wochenende vor allem eines hinterlassen: Müll, Müll und nochmals Müll. Insbesondere die Unmengen an kleinteiligen Verpackungen der Restaurants und Cafés, die gezwungenermaßen alles nur zum Mitnehmen verkaufen, machen sich hierbei bemerkbar. „Überfüllt wie sonst nur im Hochsommer“, seien die Mülleimer in Starnberg gewesen, teilt Rathaussprecherin Lena Choi mit.

Landkreis Starnberg: Besuchersturm vom Wochenende hinterlässt vor allem Müll

Es habe am Sonntag extra ein Müllfahrer eingeteilt werden müssen, um alle Behälter zu leeren. Ähnliches berichten die Bürgermeister Walter Bleimaier aus Inning und Christian Schiller aus Herrsching. In und am Wörthsee sei die Lage entspannter gewesen, sagt Christel Muggenthal. „Es war viel los, aber nicht zu viel“, betont die Bürgermeisterin.

Ausflügleransturm im Kreis Starnberg: Müllfahrer legen Extraschichten ein

Einzig die vielen leeren Bier- und Weinflaschen rund um den See seien ihr negativ ins Auge gestochen. „Aber schon klar. Wo sollen die Menschen auch etwas trinken gehen, wenn alles geschlossen hat?“

Eine richtige Sauerei erlebten hingegen einige Wackersberger am vergangenen Wochenende. Sie stießen auf unangenehme Hinterlassenschaften von Ausflüglern. *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Netzwerks.

(Von Simon Nutzinger)

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