Am Klinikum Starnberg herrschen strenge Sicherheitskontrollen sowie Besuchsverbot.
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Am Klinikum Starnberg herrschen strenge Sicherheitskontrollen sowie Besuchsverbot.

Coronavirus Starnberg

Neue Teststation am Kloster Andechs - Gesundheitsamt mit ernüchternden Worten zur Ausgangsbeschränkung

  • Peter Schiebel
    vonPeter Schiebel
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Das Coronavirus hat auch den Landkreis Starnberg im Griff. Am Kloster Andechs gibt es nun eine neue Teststation. In Bezug auf die Ausgangsbeschränkung gab es ernüchternde Worte.

  • Das Coronavirus wütet auch im Landkreis Starnberg.
  • Hier war der deutschlandweit erste Fall des Virus aufgetreten.
  • Für schnellere Tests gibt es nun ein Drive-In am Kloster Andechs.

Landkreis – In einer kurzfristig anberaumten Pressekonferenz haben Landrat Karl Roth, Klinikchef Dr. Thomas Weiler und der Leiter des Gesundheitsamts, Dr. Lorenz Schröfl, am späten Dienstagnachmittag über den aktuellen Stand der Corona-Pandemie im Landkreis Starnberg informiert. Die wichtigsten Fakten.

Corona Starnberg: Infizierte und Geheilte

Stand gestern waren im Landkreis 153 Menschen mit dem neuartigen Coronavirus infiziert. Bei den Patienten sei „grundsätzlich jedes Lebensalter“ dabei, erläuterte Schröfl. Nach Angaben Weilers war die jüngste bislang positiv getestete Person ein drei Jahre altes Kind. Der jüngste Patient im Klinikum war 36 Jahre alt.

Klinikchef Dr. Thomas Weiler, Gesundheitsamtsleiter Dr. Lorenz Schröfl und Landrat Karl Roth (v.l.) am Dienstag bei der Pressekonferenz im Starnberger Landratsamt zur Corona-Pandemie.

Stand gestern wurden 16 Patienten stationär in den zur Klinik-Holding gehörenden Häusern in Starnberg, Herrsching und Penzberg betreut. 10 bis 15 Personen hätten seit Ausbruch der Pandemie die Klinik geheilt wieder verlassen können, sagte Weiler. Während Kinder und junge Menschen oft mit leichten Symptomen davon kämen, würden Über-80-Jährige deutlich schwerer erkranken, erklärte Schröfl. 95 Prozent litten zu Beginn an erhöhter Temperatur, 75 Prozent an trockenem Husten, 40 bis 70 Prozent an grippeähnlicher Abgeschlagenheit, erklärte Weiler.

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Die Verdachtsfälle in der Gemeinschaftsunterkunft in Krailling sind mittlerweile alle negativ getestet worden. Die Isolationsmaßnahmen dort konnten wieder aufgehoben werden. Noch keine Ergebnisse liegen von den Verdachtsfällen in den Unterkünften Berg und Percha vor.

Roth rechnet damit, dass die Zahlen weiter ansteigen werden, was auch mit der Drive-in-Teststation in Andechs zusammenhängt. „Je mehr Personen wir testen, umso mehr positive Befunde werden wir bekommen“, sagte er.

Corona-Teststationen am Kloster Andechs

Am heutigen Mittwoch soll die Drive-in-Teststation in Andechs in Betrieb gehen. Diese ist ausschließlich für Patienten, die von ihren Hausärzten dorthin geschickt werden, betonte Roth. Zeigen sie Krankheitssymptome, meldet der Arzt sie in einem Callcenter im Landratsamt an. Dieses vergibt schriftliche Termine für den Test – inklusive PIN-Nummer für den Patienten. „Damit schlägt er in Andechs auf“, sagte Roth.

Partner des Landkreises dort ist die Aicher Ambulanz. Vor Ort sind ein Arzt und zwei Assistenten – sowie Sicherheitskräfte, die Personen ohne Termin wieder wegschicken. Bis zu 90 Abstriche täglich können in Andechs vorgenommen werden. „Jeden Abend werden die Proben ins Labor gefahren“, erklärte Roth. Ziel sei es, die Hausärzte durch die Station zu entlasten.

Ein zweiter Drive-in ist in Krailling geplant. Dieser soll unter Federführung der Gemeinde vermutlich nächste Woche starten.

Coronavirus in Starnberg: Folgen des Tests für Infizierte

Wer positiv auf das Coronavirus getestet wird, muss nicht automatisch in einer Klinik behandelt werden. 80 Prozent der Patienten zeigten wenige bis gar keine Krankheitssymptome, die übrigen 20 Prozent Symptome, die behandelt werden müssen, erklärte Weiler. Von dieser Gruppe wiederum fünf Prozent müssten intensiv therapiert werden.

Genau diese Herausforderung, allen Patienten die adäquate Therapie zukommen zu lassen, sei „der Stresstest für unser Gesundheitssystem“, betonte Weiler. Um Kapazitäten vorhalten zu können, könne er die Entscheidung von Ministerpräsident Markus Söder für Ausgangsbeschränkungen nur begrüßen. „Es ist jede Maßnahme dringend geboten, um die Ausbreitung zu verlangsamen.“ Ob die Beschränkungen den gewünschten Effekt zeigten, lasse sich aber erst frühestens nach einer Woche sagen. „Es bleibt zu hoffen“, sagte Weiler.

Corona Starnberg: Drive-In für Verdachtsfälle 

Wird eine Person positiv getestet, bekommt das Gesundheitsamt eine Meldung. „Wir schauen uns die Situation dann genau an, vor allem das private Umfeld und engere Kontaktpersonen“, sagte Schröfl. Zu letzten gehörten Personen, die mindestens 15 Minuten lang in weniger als zwei Meter Abstand mit dem Patienten verkehrt hätten. Diese Personen würden für 14 Tage in häusliche Quarantäne gesteckt. „Die Kontaktpersonen werden aber nicht mehr abgestrichen“, sagte Schröfl. Das sei nicht nötig, da sich innerhalb der 14 Tage ohnehin herausstellen werde, ob auch sie infiziert seien oder nicht. „Wenn sie Symptome bekommen, sind sie ein begründeter Verdachtsfall“ – und seien nach Rücksprache mit dem Hausarzt damit ein Fall für den Drive-in.

Coronavirus: Infektionswege nachvollziehen

Lässt sich eigentlich noch nachvollziehen, wer sich wann bei wem angesteckt hat? „Bis zwei Wochen nach Webasto haben wir das gut gekonnt“, sagte Schröfl mit Blick auf die ersten Corona-Fälle in Deutschland. Jetzt lasse sich das nur noch für einen geringen Prozentsatz feststellen. „Die meisten Fälle sind nicht mehr nachvollziehbar, weil sich die Erkrankung in der Fläche ausgebreitet hat.“

Coronavirus Starberg: Situation am Klinikum

Unter den positiv Getesteten seien mittlerweile auch zwei Mitarbeiter des Starnberger Klinikums, sagte Weiler. Sie befänden sich in häuslicher Quarantäne. Die Fälle hätten keine Auswirkungen auf den Klinikbetrieb, betonte er. Unabhängig davon erfahre das Klinikum derzeit „einen sehr hohen Zuspruch von der Bevölkerung“. So habe sich allein auf den Aufruf an Ärzte, Medizinstudenten und Pflegekräfte, sich für den Notfall als Helfer registrieren zu lassen, „eine hohe zweistellige Zahl“ an Menschen gemeldet. Darunter seien Studenten genauso wie pensionierte niedergelassene Ärzte, sagte Weiler.

Der Live-Ticker zur Corona-Krise in Starnberg

Alle Informationen rund um das Coronavirus und die Auswirkungen im Landkreis Starnberg lesen Sie auch immer aktuell in unserem Corona-News-Ticker auf merkur.de

Für das von der Staatsregierung erlassene Besuchsverbot am Klinikum würden die Menschen viel Verständnis aufbringen. Dessen Einhaltung wird auch von einer Sicherheitskraft überwacht. Besuche sind derzeit nur aus dringenden Gründen möglich.

Schutzmaterial gegen Corona-Infektion in Starnberg

Das Landratsamt hat bis gestern Mittag 768 Liter Desinfektionsmittel, 500 Schutzanzüge, 5480 FFP2-Masken, 4000 Handschuhe und 50 Pflegekittel geliefert bekommen. Hört sich viel an, aber: „Damit kann man nicht viel zerreißen“, sagte Roth. Warum, erläuterte Weiler an einem Beispiel. Für einen Corona-Patienten, der im Krankenhaus behandelt wird, müssten pro Tag etwa sechs Schutzmasken verbraucht werden. Das gelieferte Material geht unter anderem an Kliniken, Hausärzte, Rettungsdienste und Pflegeeinrichtungen. „Wir gehen davon aus, dass die nächsten Tage Nachschub kommt“, sagte Roth.

Coronavirus in Starnberg: Verlängerung der Ausgangsbeschränkungen „ist zu begrüßen“

„Wir gehen davon aus, dass das Virus erst Ruhe gibt, wenn es 60 bis 70 Prozent der Bevölkerung erreicht hat“, sagte Weiler. Die Mediziner können sich von daher gut vorstellen, dass die vorläufig für zwei Wochen erlassenen Ausgangsbeschränkungen bestehen bleiben. „Aus rein medizinischer Sicht ist eine Verlängerung zu begrüßen“, sagte Schröfl.

Lesen Sie hier die aktuellen Entwicklungen zur Corona-Pandemie im Landkreis Starnberg.

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