1. Startseite
  2. Lokales
  3. Starnberg
  4. Starnberg

„Nichts auszuschließen“: Bayerns Landkreise rüsten sich für den Blackout

Erstellt:

Von: Stefanie Zipfer, Stefan Reich, Veronika Ahn-Tauchnitz, Dominik Stallein

Kommentare

Ein mehrtägiger Stromausfall könnte Bayern vor nie dagewesene Probleme stellen. Die Behörden wappnen sich.

Dachau/Starnberg – Schwarzmalerei will sich Michael Holland, Leiter der Abteilung für öffentliche Sicherheit und Ordnung am Dachauer Landratsamt, nicht vorwerfen lassen. Aber seine Besuche in Elektromärkten haben ihn nachdenklich gemacht. Trotz Hitze kauften die Menschen mehr Elektroheizgeräte als Klimaanlagen. Viele sorgen sich, wie kalt und teuer der Winter wird.

Und Michael Holland sorgt sich manchmal, dass neben dem Gasmangel und den steigenden Kosten noch andere Probleme auftauchen könnten. Zum Beispiel ein totaler Blackout. Ein mehrtägiger Stromausfall in Bayern sei zwar unwahrscheinlich, betont er. Es sei aber „nichts auszuschließen“. Ähnlich sieht das der Dachauer Landrat Stefan Löwl (CSU). Er ist überzeugt: Wenn das Gas nicht mehr reicht, werde auf Strom umgestellt. Und dann könne auch dieses „Elixier unserer Gesellschaft“ erstmals seit 70 Jahren knapp werden.

Mond über Kloster Andechs
Dunkle Nacht über dem Kloster Andechs: Im Falle eines totalen Blackouts würden auch die letzten Lichter ausgehen. © picture-alliance / dpa/Peter Kneffel

Blackout in Bayern: Landkreise überprüfen Gasabhängigkeit

Nicht nur der Landkreis Dachau versucht, sich auf dieses Szenario vorzubereiten. In vielen oberbayerischen Landratsämtern tagen aktuell Krisenstäbe. Es geht um Fragen, wer wie sehr von Gas abhängig ist und welche kurzfristigen Alternativen es gäbe. Dachau fragt aktuell Krankenhäuser, Pflegeheime, Rettungsdienste, Schulen sowie Strom- und Gasversorger ab. Das Berchtesgadener Land hat sogar bei einer Fachfirma eine Studie in Auftrag gegeben.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Dachau finden Sie auf Merkur.de/Dachau.

Auch die Bürgermeisterrunde im Kreis Starnberg befasst sich mit der Frage, wie der Landkreis für einen totalen Blackout gerüstet wäre. Für viele Szenarien gibt es im Landratsamt bereits Pläne: für das Auftreten von Pocken, für einen Vogelgrippeausbruch, für Zwischenfälle in Kliniken, für Schäden an der Nato-Kerosin-Pipeline, die durch den Landkreis Starnberg verläuft. Es gibt einen Autobahn-Alarmplan und einen für Zugunglücke. Sogar die Verteilung von Jodtabletten im Falle eines Störfalls im Atomkraftwerk Isar 2 ist in einem Katastrophenplan festgelegt. Doch was bei einem totalen, mehrtägigen Stromausfall passiert nicht.

Vorbereitung auf Blackout: Wie viele Notstrom-Aggregate gibt es?

„Die Frage ist alles andere als banal“, sagt Landrat Stefan Frey (CSU). Deshalb will der Landkreis nun die Zahl der Notstrom-Aggregate ermitteln. Und die Menge Fahrzeuge, die Treibstoff an die richtige Stelle zu bringen, um die Notstrom-Aggregate zum Beispiel in Krankenhäusern am Laufen zu halten. Im Starnberger Landratsamt wird sich nun ein Mitarbeiter bis zu zwei Jahre nur noch mit Katastrophenschutzplänen befassen, um für einen Total-Blackout besser aufgestellt zu sein.

Noch mehr aktuelle Nachrichten aus dem Landkreis Starnberg finden Sie auf Merkur.de/Starnberg.

Ein großes Problem bei einem mehrtägigen Stromausfall wäre die Kommunikation. Nach 72 Stunden geht auch den Akkus in den Masten für den Behördenfunk der Saft aus. Genau wie den Handys. Auch der Digitalfunk, über den Rettungskräfte kommunizieren, braucht Strom. Auch dafür werden gerade Pläne erarbeitet, berichtet Florian Streidl, der im Landratsamt Bad Tölz-Wolfratshausen für den Katastrophenschutz zuständig ist. Man wolle sich einfach für den schlimmstmöglichen Fall rüsten, betont er, fügt aber ehrlicherweise an: „Praktisch erprobt wurde das noch nie.“

Bayern wappnet sich: Anlaufstellen für Bürger werden eingerichtet

Das Innenministerium rät Landkreisen, in allen Gemeinden Anlaufstellen aufzubauen, wo es auch im Fall von mehrtägigen Blackouts Informationen über die Krisenlage gibt und eine Notversorgung mit Lebensmitteln oder Medikamenten. Auch das Aufladen lebenswichtiger akkubetriebener Alltagsgegenstände wie etwa ambulanter Beatmungsgeräte solle dort möglich sein.

Die Einsatzleitung würde bei diesem Katastrophenszenario bei den örtlichen Behörden bleiben, erklärt ein Ministeriumssprecher. Die Bezirksregierungen und das Innenministerium würden aber koordinierend tätig werden. Die wichtigsten Maßnahmen werden die Aufrechterhaltung der Wasserversorgung und Abwasserentsorgung, der medizinischen Versorgung sowie der öffentlichen Sicherheit und Ordnung. Um die Kommunikation auch bei mehrtägigen Blackouts aufrechtzuerhalten, werde bereits die Anschaffung von Satellitentelefonen vorbereitet, sagt der Ministeriumssprecher.

Knifflig ist aber auch die Kommunikation mit der Bevölkerung im Vorfeld. Die Landkreise wollen keine Panik verbreiten. Aber es helfe natürlich, wenn jeder informiert und vorbereitet ist – zum Beispiel durch einen Blick auf die Internetseite des Bundesamts für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (www.bbk.bund. de), sagt der Dachauer Landrat Löwl. „Außerdem ist es ein Anfang, wenn jeder im Keller einen Kasten Wasser in Reserve hat, über ein funktionierendes Radio verfügt und ein paar Kerzen und Streichhölzer besitzt.“ - zip/sr/dst/va/kwo

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Starnberg-Newsletter.

Auch interessant

Kommentare