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Den Darm beruhigen: Diese Heilungsmethode favorisiert Prof. Dr. Martin Storr vom Starnberger Klinikum.

Hypnose-Behandlung

Sanfte Hilfe für den Darm

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Menschen reden nicht gerne über Probleme mit ihrem Darm – sie reden überhaupt nicht gerne über dieses Organ. Für sie hat der Starnberger Arzt Dr. Martin Storr eine Methode: ohne Medikamente, mit Schlaf.

Starnberg – Bauchschmerzen, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall – und das bis ans Lebensende. Wer unter einer Darmreizung leidet, wird die Beschwerden ohne Behandlung meist nicht los. Das weiß Professor Dr. Martin Storr vom Zentrum für Endoskopie am Klinikum Starnberg aus Erfahrung. Er hat mit Betroffenen zu tun – viele von ihnen sind zwischen 20 und 40 Jahre alt. „Mein ältester Patient ist 90 Jahre alt“, sagt Storr. „Das sind die, die es im Alter von 30 Jahren bekommen haben.“

Vor fünf Jahren wurde Storr auf eine Methode aufmerksam, die Professor Peter Whorwell aus Manchester entwickelt hat: die Darmhypnose. Patienten sollen sich über drei Monate jeden Tag zwanzig Minuten lang eine beruhigende Stimme mit sanften Klängen anhören. Storr hat die Erzählungen auf der CD aus dem Englischen ins Deutsche übersetzt, in einer klinischen Studie getestet und heuer mit einem Handbuch auf den Markt gebracht („Darmhypnose: Den Reizdarm dauerhaft beruhigen“, im Handel für 17,95 Euro inklusive Begleitbroschüre).

Viele dürften schnell einschlafen: „Das ist auch gut so“

Er nehme sich viel Zeit für Gespräche mit den Betroffenen, sagt der Mediziner. Für einen Reizdarm gibt es verschiedene Ursachen: Ernährung, Stress, Umwelt oder Vererbung. Ein häufiger Fall ist Stress. „Zwischen 20 und 40 kommen viele Stressoren zusammen“, erklärt Storr. „Als Jugendlicher hatte man das Gefühl von ewiger Stärke – auf einmal kommt man mit seinem Körper auch mal an Grenzen.“ Viele würden in dieser Phase ihr eigenes Leben auf die Beine stellen, Zukunftsängste sind da inbegriffen. Nicht alle passen aber in dieses Schema: Storr hat auch 15-Jährige mit Reizdarm behandelt.

Nach einem Gespräch mit dem Arzt sollen Patienten dann alleine in die Behandlung einsteigen. Ein Teil des Prinzips: Die Betroffenen sollen mit Beginn der Behandlung nicht mehr über ihre Beschwerden sprechen. Die beruhigenden Worte und Klänge von der CD können sie im eigenen Heim anhören. Danach sollen sie noch eine Weile liegen bleiben und das Gehörte nachwirken lassen. Vielen dürfte es schwer fallen, überhaupt wach zu bleiben. „Das ist auch gut so“, sagt Storr. Es brauche diesen Zustand der Trance, um einen positiven Effekt zu spüren. „Das beruhigt die Darmnerven – und genau dort spielt sich die Krankheit ab. Es ist die einzige Therapie, die an die Ursachen herangeht.“ Tabletten würden eher die Auswirkungen wie Bauchschmerzen lindern.

Dr. Storr: 15 Prozent der Menschen können es nicht

Während die Darmhypnose im englischsprachigen Raum eine Standarttherapie sei, setzten Deutsche eher auf Medikamente. Storr: „Wir möchten gerne etwas Schluckbares, wenn wir krank sind. Hinzu kommt die große Sorge, in die Psycho-Ecke gestellt zu werden. Auch wenn es keiner hören will: Der Reizdarm ist oftmals eine Art Depression des Darms.“ 80 Prozent der Patienten könne die Darmhypnose helfen.

Manche sollten zusätzlich Medikamente nehmen, empfiehlt Storr. Das hänge von der jeweiligen Ausprägung ab – oftmals ist es ein schmaler Grat zwischen Lebensmittelunverträglichkeit und Darmreizung. Für jeden sei die Darmhypnose auch nicht geeignet. „Es gibt Menschen, die sind für so etwas nicht zugänglich. Man muss sich darauf einlassen können, um in einen Halbdämmer-Zustand zu kommen.“ 15 Prozent der Menschen könnten das nicht, schätzt Storr.

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