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Die Eröffnungsfeier erlebt Kira Weidle am TV in der Redaktion des Starnberger Merkur. Die Olympionikin startet erst am Montag in Richtung Südkorea, um im Super G und der Abfahrt an den Start zu gehen.

Olympische Winterspiele

Daumendrücken für Kira

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Daumendrücken ist angesagt: Zum ersten Mal seit Lillehammer 1994 ist mit Ski-Ass Kira Weidle wieder eine Sportlerin aus dem Landkreis Starnberg bei Olympischen Winterspielen am Start.

Starnberg – Zimt hilft. Ganz viel Zimt. Kira Weidle rührt in ihrem Frühstück herum. Der Müsli-Frühstücksbrei wird mit Wasser aufgegossen. Schnell Zimt drauf, ein paar Beeren und Nüsse. „Das gibt genug Energie, um bis Mittag durchzuhalten“, sagt der Starnberger Skistar. Nebenan werden Pfannkuchen serviert. Egal. Kira Weidle (21) hat einen Traum. Und dieser Traum wird gerade wahr.

Am Montag um 16 Uhr steigt sie ins Flugzeug. Nonstop 10,5 Stunden von München nach Seoul. „Ausnahmsweise Business-Class“, verrät sie und strahlt. So kann sie die Beine ausstrecken, hat die reale Chance, ein paar Stunden Schlaf zu bekommen, halbwegs ausgeruht in Pyeongchang anzukommen.

Das ist bitter nötig, denn der Zeitplan ist extrem knapp. Während ein Teil der deutschen Delegation gerade bei der Eröffnungsfeier am Freitag in das Olympiastadion marschiert, sitzt Kira Weidle noch in der Redaktion des Starnberger Merkur. Vorher war sie in München. Ein letztes Mal Konditionstraining. Die Beine brennen, wenn sie für das Foto in die Hocke gehen muss. Alles für Pyeongchang.

Der Traum von Olympia wird heuer schon wahr

Nun hat sie noch zwei Tage zum Ausruhen zu Hause in Starnberg. Ruhe finden, Kraft tanken. Dann geht es los. Am Dienstag wird sie zum ersten Mal im olympischen Dorf übernachten. Zwei Nächte und ein Tag bleiben, um zu genießen, was selbst für viele Experten überraschend kam: Kira ist dabei. Gleich zu Beginn der Saison schaffte sie mit einem hervorragenden achten Platz beim Weltcuprennen in Lake Louise (Kanada) die Olympianorm. Später bestätigte sie das Ergebnis in Cortina d’Ampezzo.

„An olympischen Spielen teilzunehmen war immer mein Ziel. Dass es jetzt schon in Pyeongchang klappt, war für alle überraschend“, verrät sie und lacht wieder. Vielleicht schafft sie es, den Slalom am Mittwoch als Zuschauerin im Stadion zu erleben. Dann steht bereits der Umzug an. Aus dem Olympischen Dorf ins Hotel in direkter Nähe zur Abfahrtsstrecke, wo alle Speedfahrer untergebracht sind. Sie wird sich ein Appartement mit Viktoria Rebensburg teilen. Zwei Zimmer, gemeinsame Küche, ein Bad. Rebensburg, die Olympiasiegerin, die Vizeweltmeisterin. Die Sportlerin, von der Kira Weidle bereits viel gelernt hat und die sie immer fragen kann, wenn sie sich unsicher ist.

Mädchengespräche mit Viktoria Rebensburg

Sie freut sich auf die Zeit im Appartement. Auch deshalb, weil abends, wenn die Besichtigungen, die Trainingsläufe, die Physio, die Teambesprechungen und Videoanalysen vorbei sind, nicht die Olympiasiegerin und die Newcomerin zusammen sitzen und ratschen, sondern zwei junge Frauen. „Über den Sport reden wir da fast nie“, sagt Kira Weidle. Es gibt noch andere Dinge im Leben. Nagellack und TV-Serien zum Beispiel, all das, worüber auch andere junge Frauen reden.

Am 17. Februar wird es zum ersten Mal ernst. Dann startet sie im Super G – gemeinsam mit den besten Skifahrerinnen der Welt. Vier Tage später das Abfahrtsrennen. Dann zählt es. All die Mühen, all der Schmerz, all die Anstrengungen, der Verzicht, der Frühstücksbrei – all das für die rund anderthalb Minuten, in denen sie in halsbrecherischem Tempo den Hang herunterrast.

Das Rennen mitten in der kalten deutschen Winternacht

Wenn sie das tut, ist es zu Hause in Deutschland 3 Uhr nachts. „Natürlich ist es schade, dass wahrscheinlich nicht besonders viele Leute zuschauen werden“, sagt sie. Ihre Eltern und ihr Onkel fahren mit nach Pyeongchang, ihr Bruder hat versprochen, sich das Laptop mit ans Bett zu nehmen und den Wecker zu stellen, damit er live dabei ist. Aber Kira Weidle wäre nicht die, die sie ist, wenn sie sich davon die gute Laune verderben lassen würde. „Da habe ich wenigstens noch Zeit, alles zu verarbeiten, bevor der Starnberger Merkur anruft“, witzelt sie.

Direkt nach dem Abfahrtsrennen steigt sie wieder ins Flugzeug und jettet nach Hause. Die Saison geht weiter. Auch die Abschlussfeier findet ohne Kira Weidle statt. „Kann man nicht ändern“, sagt sie. Es ist wie mit dem Frühstücksbrei. Es sind keine Pfannkuchen, aber es ist ein Traum, der für sie in Erfüllung geht. Da braucht sie keinen Zimt, um ihn zu genießen.

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