Etwa 70 Teilnehmer, darunter knapp 20 Kinder, protestierten gestern Nachmittag in Starnberg gegen die Maskenpflicht an Schulen. Der Zug ging vom Landratsamt über Münchner Straße und Hauptstraße zum Kirchplatz. 
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Etwa 70 Teilnehmer, darunter knapp 20 Kinder, protestierten gestern Nachmittag in Starnberg gegen die Maskenpflicht an Schulen. Der Zug ging vom Landratsamt über Münchner Straße und Hauptstraße zum Kirchplatz. 

Protest mitten in der Stadt

Demo gegen und ohne Masken: Stau auf B 2, aber keine Anzeigen gegen Teilnehmer

  • Katja Brenner
    vonKatja Brenner
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  • Tobias Gmach
    Tobias Gmach
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Etwa 50 Erwachsene und knapp 20 Kinder demonstrierten gestern Nachmittag in Starnberg gegen die Maskenpflicht an Schulen. Aufgerufen hatte dazu das Bündnis „Eltern stehen auf“, das bundesweit aktiv ist. Auf der B 2 kam es wegen des Demonstrationszuges zu Staus.

Starnberg – Auf den Schildern waren Sätze zu lesen wie „Die Triage findet statt“, „Hört auf, unsere Kinder zu quälen“ oder „Deutschland blutet aus – steht endlich alle auf“. Eine Demonstrantin hielt gleich zwei Schilder in den Händen. Auf dem einen stand: „Kinderfolter durch systemtreue Lehrer und Erzieher“, versehen mit mehreren Ausrufezeichen, auf dem anderen in weißen Lettern auf rotem Grund: „Stop“.

Die von dem Bündnis „Eltern stehen auf“ organisierte Demonstration gegen die Maskenpflicht an Schulen begann gestern Nachmittag vor dem Landratsamt. Schon dort waren von Teilnehmern Sätze zu hören wie: „Wir haben unsere eigenen Medien, wir brauchen die SZ und den Merkur nicht.“ Vor diesem Hintergrund wenig verwunderlich: Kaum einer der Protestierenden wollte gegenüber Journalisten seinen Namen preisgeben, auch wenn sie selbst das Gespräch gesucht hatten. In den Gesprächen gaben die Teilnehmer ungefragt Tipps, welche vermeintlichen Virologen sich trauten, die richtigen Fragen zu stellen, boten an zu erzählen, „was in Leipzig wirklich passiert ist“, oder wünschten sich „irgendwann mal wieder objektive Berichterstattung“. Mancher äußerte auch, kein Problem damit zu haben, sollte sich jemand mit Reichskriegsflagge zu ihnen stellen.

Stau auf Hauptverkehrsader

Vom Parkplatz des Landratsamtes zog der Demonstrationszug, angeführt von einem einem Polizeibus nachempfundenen VW Crafter mit angehängtem Boot gegen 16 Uhr über die frisch asphaltierte Münchner Straße in Richtung Kirchplatz. Dafür musste die B 2 im beginnenden Feierabendverkehr zum Teil gesperrt werden. Autofahrer, die hinter dem Demonstrationszug waren, kamen nur in Schrittgeschwindigkeit voran. Der Verkehr staute sich auf der Autobahn bis Percha zurück, auf der Berger Straße bis Kempfenhausen.

Weil an der Demo auch dieses Gespann teilnahm, musste der Protestzug über die B 2 geleitet werden. 

„Die Autofahrer waren nicht wirklich begeistert“, sagte Oliver Jauch, Sachbearbeiter Verkehr der Starnberger Polizei. Die Polizei war mit zehn Beamten und mehreren Fahrzeugen im Einsatz, um die Protestaktion zum Kirchplatz zu begleiten. Während ihres knapp halbstündigen Marsches riefen die Demonstranten immer wieder „Schließt euch an!“. Bei Passanten stieß der Protest, bei dem trotz Auflage Abstände kaum eingehalten wurden und niemand eine Mund-Nasen-Maske trug, hingegen meist auf Kopfschütteln und Unverständnis.

Auf dem Kirchplatz stimmte eine Musikerin die Teilnehmer mit Gitarre und Liedern gegen die Maskenpflicht auf die anschließenden Reden ein. Wie in den Liedern, die mit Zeilen wie „Masken können gefährlich sein“ aufwarteten, kamen auch die Reden daher. Die Sprache war vom „Lügenfass“ der Politik, das bald überlaufe, von „allen als Spielball des Systems“ und davon, dass in Leipzig am vergangenen Wochenende „die Friedlichsten der Friedlichen“ demonstriert hätten. Und natürlich von der traumatisierenden Wirkung eines Mundschutzes.

Keine Anzeigen wegen Verstößen

Die Polizei sah es gelassen. Polizeihauptkommissar Kai Motschmann sagte bei der Demonstration gegenüber dem Starnberger Merkur: „Es ist ein Grundrecht. Das haben wir gewährleistet.“

Mit Anzeigen müssen die Demonstranten nicht rechnen, wie Motschmann am Mittwoch auf Nachfrage erläuterte: „Es waren keine Verstöße gegen die Corona-Regeln feststellbar“, sagt er. Die Beamten hätten einen guten Überblick gehabt. „Es haben sich Grüppchen von zwei bis drei Leuten gebildet. Unserer Ansicht nach waren das meist Ehepartner mit jemandem aus einem weiteren Haushalt“, sagt Motschmann. Dass mehrere Menschen zusammenstehen, habe man nicht beobachtet. Der Fahrer des Demo-Busses, trug den Spruch „Ich darf ohne“ auf einem Schild um den Hals vor sich her. Durfte er auch: Erst ab 200 Teilnehmern könne eine Maskenpflicht bei einer Demo angeordnet werden, erklärt der Hauptkommissar. Die Bußgelder, die das Landratsamt bei Verstößen verhängt, reichen von 55 bis 250 Euro. Für die Polizei sind solche Einsätze laut Motschmann herausfordernd: „Da sind Verhältnismäßigkeit und Fingerspitzengefühl gefragt.“

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