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Denkmalschutz für Bootshaus des Münchener Ruder-Clubs

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Von: Peter Schiebel

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Das Club- und Bootshaus des Münchener Ruder-Clubs Ende des 19. Jahrhunderts.
Das Club- und Bootshaus auf einer Postkarte Ende des 19. Jahrhunderts. Die Doppelturmfassade des in späthistorischen Formen gestalteten Gebäudes wies damals noch eine Terrasse auf, die mit dem Umbau und der Erneuerung der Fassade um 1900 verschwand. © Stiftung der Kreissparkasse Starnberg

Das Landesamt für Denkmalpflege hat das Bootshaus des Münchener Ruder-Clubs an der Dampfschiffstraße in die Denkmalliste aufgenommen - als 156. Starnberger Baudenkmal.

Starnberg – Wenn die Fachleute des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege auf das Club- und Bootshaus des Münchener Ruder-Clubs von 1880 (MRC) zu sprechen kommen, geraten sie schnell ins Schwärmen. Es habe „geschichtliche, künstlerische und städtebauliche Bedeutung“, erklärt Pressereferentin Dorothea Gehringer im Gespräch mit dem Starnberger Merkur. „Mit seiner Entstehung im Jahr 1883/84 ist es eines der ältesten Zeugnisse der frühen Geschichte des Rudersports in Bayern.“ Nun, 136 Jahre später, hat das Landesamt das Bauwerk in der Dampfschiffstraße 6 in die Denkmalliste aufgenommen. Es ist damit das 156. Starnberger Baudenkmal.

Die Prüfung der Denkmaleigenschaft sei von dritter Seite angeregt worden, erklärt Gehringer. Im vergangenen Dezember habe es daraufhin eine Ortseinsicht gegeben. Mit Schreiben vom 23. Juli dieses Jahres habe die Behörde dann den Nachtrag in die Denkmalliste vorgenommen. Bis zum 1. November hat die Stadt Starnberg nun die Möglichkeit, sich zu diesem Nachtrag zu äußern. Deswegen sei „das Benehmen noch nicht abschließend hergestellt“, sagt Gehringer über das weitere Prozedere.

Reaktion der Stadt Starnberg steht noch aus

Wie sich die Stadt dazu äußern wird, steht noch nicht fest. Bürgermeister Patrick Janik ist erst seit Montag aus dem Urlaub zurück und hatte noch keinen Einblick in die Angelegenheit. Vizebürgermeisterin Angelika Kammerl findet die Begründung der Denkmalschützer „nachvollziehbar“. Allerdings müsse eine Nutzung des Gebäudes auch unter aktuellen Gegebenheiten möglich sein.

Das Club- und Bootshaus des Münchener Ruder-Clubs.
Beim aktuellen Blick auf das Gebäude an der Dampfschiffstraße fällt vor allem die Schindelfassade auf. Der Münchener Ruder-Club von 1880 ist der viertälteste Ruderverein Bayerns. © Privat

Konkrete Folgen für den Eigentümer ergäben sich aus der Aufnahme des Gebäudes in die Denkmalliste nicht, erklärt Gehringer. „Der Eigentümer muss nur in Zukunft bei baulichen Veränderungen diese mit unseren Gebietsreferenten vorher absprechen. Außerdem kann er dafür Förderungen beantragen und die Baukosten steuerlich absetzen, wenn es ein Denkmal ist.“

Nach Bekanntgabe: Nicht nur Freudensprünge beim Münchener Ruder-Club

MRC-Vorsitzender Eler von Bockelmann macht zunächst keine Freudensprünge aufgrund der Entscheidung der Denkmalschützer. „Es ist ein wunderschönes Haus, ein Kleinod, auf das wir sehr stolz sind“, sagt er. „Aber für diesen Stolz bräuchten wir den Eintrag nicht.“ Was ihn wundert: Das Bootshaus habe im Lauf der Jahrzehnte ja mehrere Veränderungen mitgemacht und befinde sich nicht mehr im Urzustand. Die Holzschindeln etwa seien erst später an die Fassade gekommen.

Von Bockelmann blickt allerdings nicht nur zurück, sondern auch in die Zukunft. Und da sei es eher unwahrscheinlich, dass das Haus noch mal 136 Jahre in der bisherigen Form genutzt werden könne. Der Vorsitzende verweist auf Auflagen des Brandschutzes, die schon jetzt die Nutzung einschränkten – und die eine in der jüngeren Vergangenheit geplante Sanierung so verteuert hätten, dass der Club den Bauantrag wieder zurückgezogen habe. Für eine große finanzielle Investition fehlten dem Verein schlicht die Mittel.

Denkmalschützer schwärmen über das Clubhaus: „Einprägsame Silhouette“

Die Denkmalschützer schwärmen derweil über den Bau: „Die repräsentative Gestaltung des Club- und Bootshauses mit einer bewegten Dachlandschaft und einer Doppelturmfassade an prominenter Stelle am Nordufer des Starnberger Sees bringt zugleich den gehobenen sozialen Anspruch des Ruder-Clubs zum Ausdruck“, erklärt Dorothea Gehringer. „Der gehobene Status spiegelte sich auch darin, dass sogar der damalige Prinz und spätere König Ludwig III. Protektor und Mitglied des Münchener Ruder-Clubs war und dort sein Boot stationiert hatte. Der Umbau um 1900 mit dem Verputz von Ober- und Dachgeschoss und mit der Schließung der beiden Belvederetürme steigerte die repräsentative Wirkung und verlieh dem Gebäude beinahe sakralen Charakter.“

Im Inneren veranschauliche es durch das Übereinander von Bootshaus und Versammlungs- sowie Festsaal seine Funktion. „Durch seine prominente Lage etwa in der Mitte des nördlichen Seeufers und seine ungewöhnliche, aber einprägsame Silhouette ist es vom See aus weit erkennbar. Neben seinem praktischen Nutzen für die Orientierung der Ruderer auf dem See hatte dies vor allem eine repräsentative Funktion, die das Gebäude zu einer Landmarke macht.“

Aus der Denkmalliste: Auch der Bucentaurus-Stadel steht unter Schutz

Das Club- und Bootshaus des Münchener Ruder-Clubs (MRC) ist das 156. Baudenkmal, das die Liste des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege für Starnberg aufweist. Das alphabetisch aufgebaute Verzeichnis beginnt mit der Achheimstraße 8, einer ehemaligen Etagenvilla und Gaststätte aus dem Jahr 1893. Es endet mit der Wittelsbacherstraße 16, dem 1929 erbauten Verwaltungsgebäude der Allgemeinen Ortskrankenkasse.

Viele Baudenkmäler gibt es in der Innenstadt. Entlang der Maximilianstraße etwa stehen gleich sechs Gebäude unter Denkmalschutz, nämlich die Hausnummern 1, 3, 5, 7, 9 und 16. Fünf Ensembles sind es an der Josef-Jägerhuber-Straße mit den Hausnummern 1, 9, 11, 13 und 19. Die viel befahrene Hanfelder Straße weist sogar acht Baudenkmäler auf, darunter den Sonnenhof, die ehemalige Villa Graf Bernstorff.

In der Nachbarschaft zum MRC steht auch das Anwesen Dampfschiffstraße 1 unter Denkmalschutz, eine dreigeschossige Etagen-Villa mit Walmdach, Eckturmpavillon und eisernen Balkonen, die 1892 erbaut und 1903 erweitert wurde. Etwas entfernt steht auch der Bucentaurus-Stadel auf dem Gelände des Bayerischen Yacht-Clubs (BYC) unter besonderem Schutz. Das Haus wurde 1803 extra für das Hofschiff „Carolina“ errichtet

ps

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